Ein steinreicher Mann. Spurensuche in der Erdgeschichte: Michael Seidel aus Tanna sammelt Fossilien

Michael Seidel präsentiert voller Stolz seinen jüngsten Fund: Einen Nautilus.
  Wenn Michael Seidel zu Himmelfahrt los zieht, dann hat er keinen Bollerwagen dabei. Nur einen Rucksack. Der wird bei der Wanderung allerdings nicht leichter, weil ein Blondes nach dem anderen durch die Kehle fließt. Er wird schwerer – sofern er etwas findet. An dem, was er findet, würde der Großteil von uns nur achtlos vorüber gehen. Michael Seidel ist auf „Steinejagd“, diesmal um den Tegauer Steinbruch herum. Und es dauert nicht lang, dass ihm am Feldrand ein grau-brauner rund 20 Zentimeter langer Stein ins Auge sticht. Es ist nicht das Gestein selbst, was sein Interesse weckt. Unter die sprichwörtliche Lupe genommen, erkennt er sofort, dass der Stein ein gut erhaltenes Fossil enthält.

Der Tannaer sammelt Fossilien. Den Fund in den Händen haltend, erkennt er mit geübtem Blick, dass er einen Nautilus enthält. Einige Arten dieser Kopffüßer, die auch Perlboot genannt werden, gibt es heute noch in der Südsee. Der gefundene Nautilus hat nach seinen Recherchen vor 410 – 360 Millionen Jahren gelebt, stammt aus dem Devon. Seidel zeigt sich fasziniert. Bereits von außen ist zu erkennen, dass der Nautilus nicht wie die meisten derartigen Fossilienfunde komplett aufgerollt ist, sondern nur ein Kreissegment beschreibt.

Das ist es ihm wert, den Stein von einem befreundeten Steinmetz aus Naila längs aufschneiden und polieren zu lassen. Bange Tage für den Fossiliensammler, da derartige Bearbeitungen auch schnell mal in die Hose gehen können. Umso glücklicher zeigt er sich, als er das Ergebnis in den Händen hält. Jetzt sind die einzelnen Kammern des Gehäuses sichtbar. Die Freude ist groß. Seidel funktioniert einen alten Münzsammelkoffer um, kleidet ihn mit Schaumstoff aus. Der Kopffüßer ist jetzt darin aufgebahrt wie ein Schatz.

Für Fossilien interessierte sich der 54-Jährige schon ewig. Das heißt allerdings nicht, dass er schon immer gezielt danach gesucht hat. Er hat eher das mitgenommen, was ihm – beispielsweise beim Urlaub an der Ostsee – zufällig begegnet ist. Der ausschlaggebende Punkt waren die vorbereitenden Straßenbauarbeiten für die Bundesgartenschau in Gera. Aus der Zeitung hatte Seidel davon erfahren, dass bei den Bauarbeiten für die neue Autobahnauffahrt jede Menge Fossilien freigelegt wurden. Obwohl die Baustelle von anderen Fossiliensammlern schon gut „abgegrast“ wurde, ist Seidel auch noch fündig geworden. Muscheln, Schnecken und zwei Arten Brachiopoden hat er gefunden.

Für diese Funde hat er Schaukästen gefertigt, die in seinem Hausflur hängen. Mittlerweile ist nicht nur der Flur voll. Seit den Erfolgserlebnissen in Gera sucht Seidel gezielt bekannte Fundstellen auf. Das sind Kiesgruben in der nächsten Umgebung ebenso wie rund um Leipzig. Beim Neubau der Dittersdorfer Autobahnabfahrt hat er versteinerte Pflanzenbruchstücke gefunden, an der Querfurter Platte komplette Stücke Muschelpflaster.

Was schenkt man einem Fossiliensammler zum Geburtstag? Nein, nicht unbedingt gekaufte Fossilien. Die gibt es im Seidelschen Haus von heimischen Fundstellen zwar auch. Eine Fossilienexkursion kommt viel besser an. Im Kyffhäuser war er bereits auf der Suche nach versteinertem Holz. Unter fachkundiger Anleitung mit entsprechenden geologischen Erklärungen ging es im Raum Bad Berka auf Ammoniten-„Jagd“.

Auch wenn es an Fundstellen nicht mangelt, wird es mit der Zeit doch schwieriger, fündig zu werden. Hinzu kommt, dass es immer weniger Steinbrüche gibt. „Wir Fossiliensammler sind wohl neben den Betreibern die einzigen Befürworter neuer Steinbrüche“, so Seidel. Zum Glück bedarf es nicht zwingend derartiger Fundstellen. Auch Landwirte fördern mit ihren Pflügen immer wieder „neues“ Material zutage. Und das hat sogar einen Vorteil: „Die Fossilien sind durch den sauren Regen oftmals weiter heraus präpariert“, so der Hobbysammler.

Um nochmals auf den eingangs erwähnten Bollerwagen zu kommen. Pech, wenn man den nicht dabei hat. Manchmal reicht der Rucksack für die Funde eben doch nicht. Dann muss Seidel, wie schon passiert, den Tag nach dem eigentlichen Fund nochmal in den Steinbruch nahe Leipzig düsen. Der Feuerstein war so riesig, dass er ihn kaum auf den Wagen gehievt bekommen hat. Jetzt liegt er im Garten.
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