Es ist lebendiger geworden - Lusaner Leseratten möchten ihre Stadtteilbibliothek nicht mehr missen

Fam. Bergmann fühlt sich wohl in der Stadtteilbibliothek Gera-Lusan: Naya, Mutti Tina, Emily und Lesly.
Gera: Stadtbibliothek Lusan | Von Reinhard Schulze

Wer weiß es nicht - in öffentlichen Bibliotheken hat man still zu sein. Es war nicht mal so, dass man es jedem explizit gesagt hat oder dass man, möglichst noch durch ein Schild, darauf hingewiesen wurde. Es war einfach so und niemand hat dies je in Frage gestellt. Fiel dann doch ein lautes Wort, gab es sofort von allen Seiten Einspruch: Pst!

Ganz so scheint es heute nicht mehr zu sein. Unsere Bibliotheken sind recht lebendig geworden, wenn auch nicht laut. Was wiederum nicht verwunderlich ist, laden doch die Bibliotheken nicht nur zum Lesen sondern auch zum Vorlesen, zu Buchpräsentationen, sogar zum Spielen und zu zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen ein. So auch die Stadtbibliothek in Lusan in der Werner-Petzold-Straße 10.

In der Spiel- und Kuschelecke hat es sich Tina Bergmann mit ihren drei Kindern bequem gemacht. Selbst die neun Monate alte Naya blättert in einem Bilderbuch, kommentiert, dass was sie sieht, auf ihre Weise, aber auch das ganz leise. Die sechsjährige Emily versucht sich schon beim Lesen und auch Lesly, die sich in einem Kissen eingerollt hat, scheint ein interessantes Buch entdeckt zu haben. Mit dem Lesen klappt es bei ihr noch nicht so. "Ich bin ja auch erst vier Jahre", meint sie. Mutti Tina ist sich sicher: "Sie werden bestimmt alle mal richtige Leseratten."
"Meine Kinder mögen Bücher. Ich muss sie damit angesteckt haben", sagt Tina Bergmann mit einem Lächeln. Eigentlich sind sie derzeit in Manila zu Hause. Doch nach den Ereignissen im japanischen Kernkraftwerk Fukushima fühlen sie sich bei Schwiegermutter und Oma Gisela in Lusan sicherer. "Es ist wegen der Strahlung und man weiß ja nie", erzählt Emily, doch Angst hat sie nicht. Es waren berufliche Gründe, die die Familie für drei Jahre auf die Philippinen verschlagen hat. "Vielleicht sind es drei oder vier Wochen, wo wir hier sind. Aber im Sommer kommen wir dann sowieso wieder zurück", verrät Emily, die am 21. März ihren neunten Geburtstag gefeiert hat und auch da gab es ein Buch, allerdings in Englisch.
"Wir hatten nicht viele Bücher eingepackt. So finden wir es gut, dass es diese Bibliothek gibt", meint Tina Bergmann und steht damit nicht allein.


Über 600 eingeschriebene Nutzer zählt die Stadtteilbibliothek, die montags bis freitags jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet hat und seit kurzem auch dienstags von 10 bis 12 Uhr.
Die Renner sind Thriller, historische Romane aber auch Biographien, so Almut Müller, Bibliothekarin und Leiterin der Stadtteilbibliothek, die gemeinsam mit Carmen Tille den umfangreichen Bestand von Büchern, CDs, Zeitungen, Zeitschriften und Spielen verwaltet und den Besuchern mit Rat und Informationen zur Seite steht und auch offen für Wünsche der Nutzer ist. Zu den Nutzern zählen auch Schulen und Kindertagesstätten. Es sind vorwiegend die Jüngeren und Älteren, die das Angebot nutzen, sagt Almut Müller und das mit etwas Wehmut. Man sei auch offen für Ideen der Bürger hinsichtlich von Vorschlägen für Veranstaltungsthemen.

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