Ethisch, nicht politisch. Als Greizer am 23. November Gesicht zeigen für ein friedliches Miteinander

Christian Mende bemüht sich um ethische Statements bedeutsamer Greizer für Vielfalt, Gleichheit, Demokratie und Toleranz.
Greiz ist ein beliebtes Reiseziel geworden. Die Rede ist hierbei nicht von Interessenten an Kultur und Kunst, der herrlichen Landschaft. Rechts- und Linksextremisten pilgern seit Wochen regelmäßig in die selbst ernannte Perle des Vogtlands. Grund hierfür sind 56 Asylbewerber aus Syrien, die Anfang September im ehemaligen Berufsschulinternat in Greiz-Pohlitz untergebracht worden.

Er findet gleich zu seinem Dienstantritt in Greiz eine eklatante Situation vor, die Schlagzeilen weit über Ostthüringen hinaus macht. Mende ist der neue Kreisreferent der evangelischen Kirche für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien. „Rechtsradikale machen massiv Propaganda gegen die Flüchtlinge. Dabei werden Slogans wie „Wir sind das Volk“ instrumentalisiert, die ursprünglich eine ganz andere Bedeutung haben. Das hat Greiz noch nicht erlebt, wenn die Asylantengegner schreiend und mit brennenden Fackeln durch die Innenstadt laufen. Angst hat sich breit gemacht“, stellt er mit Erschrecken fest.

Natürlich gibt es auch Gegenaktionen, vor allem in Zusammenarbeit der Bürgerinitiative „Solidarität mit Flüchtlingen in Greiz“, dem Bündnis „Weil wir Greiz lieben“, dem Verein MOBIT, dem Flüchtlingsrat Thüringen, der Mobilen Beratung für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen (kurz: ezra), Parteien, weiteren Organisationen und engagierten Bürgern. Dabei vertritt Mende die Auffassung, dass es wichtig sei, sich nicht nur gegen die Aktionen der Flüchtlingsgegner zu stellen. Diesbezüglich wichtige Veranstaltungen sind beispielsweise die Friedensgebete in der Stadtkirche und der Pohlitzer Kirche, auch die Lesung des Schauspielers Sebastian Schwarz in seiner früheren Heimatstadt Greiz. „Das sind Veranstaltungen in ruhigen und sicheren Räumen, bei denen sich interessierte Bürger informieren und bekennen können“, betont Mende.

Apropos sich bekennen und Gesicht zeigen. Mende ist seit Tagen in seiner Heimatstadt unterwegs und sammelt Statements bedeutsamer Greizer, von Geschäftsführern und Institutionen. Ihm geht es dabei weniger um politische Statements, sondern um ethische für Vielfalt, Gleichheit, Demokratie und Toleranz. Bei letzterem zitiert Christian Mende gern Wilhelm Busch: „Toleranz ist gut. Aber nicht gegenüber Intoleranten“. Die ersten Wortmeldungen liegen von der Fa. Ziba-Bau, der Freien Regelschule Reudnitz, dem Gymnasium Greiz, der Gaststätte „Reihe 1“, der Diakonie Greiz, der Greizer Vereinsbrauerei und der Allianz der Kirchen im Raum Greiz vor. Weitere sind derzeit in Vorbereitung. Die Statements werden nach und nach in der Ostthüringer Zeitung abgedruckt. Zugleich sind sie Aufruf an die Greizer, Gesicht zu zeigen.

Eine gute Gelegenheit, als Greizer sein Gesicht für ein friedliches Miteinander zu zeigen, sieht er am 23. November. Rechtsgerichtete Personen haben für diesen Tag eine Großkundgebung/-demonstration für 300 Personen mit deutschlandweitem Aufruf angemeldet. Die Initiative „Solidarität mit den Flüchtlingen in Greiz“, das Bündnis „Wir lieben Greiz“, die Kirchen, soziale Verbände und weitere Privatpersonen, Organisationen und Parteien, möchten diese Veranstaltung nicht für sich stehen lassen. Ab 15 Uhr wird es Veranstaltungen am Asylbewerberheim, dem Pohlitzplatz und der Pohlitzer Kirche mit anschließendem Sternmarsch zum Asylbewerberheim geben.

Zur Person:

Christian Mende ist seit 1. September 2013 in Greiz Kreisreferent der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien. Der Jugendwart wurde offiziell am 17. November im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes in sein Amt eingeführt.

Er ist gebürtiger Greizer, hat hier sein Abitur abgelegt. Nach der Ausbildung zum CVJM-Sekretär und Staatlich anerkannten Erzieher hat er als Jugendwart in Apolda gearbeitet. Christian Mende ist ausgebildeter Erlebnispädagoge. Gemeinsame und prägende Erlebnisse bei Kindern und Jugendlichen schafft er unter anderem beim Klettern, alpinen Klettern und Kanutouren.

Christian Mende ist aus familären Gründen zurück in seine Heimat gezogen. Mit der Zwillingsgeburt hat das Ehepaar Mende jetzt drei Kinder. Da bedarf es Unterstützung seiner Eltern.

Neben der Jugendarbeit führt Christian Mende Fachberatungen durch und gibt an zwei Greizer Schulen Religionsunterricht.

Die ersten Statements:

Schulleiter Jens Dietzsch des Ulf-Merbold-Gymnasiums Greiz:

Flüchten, um sein Leben und das seiner Kinder fürchten, hungern. Dinge, die wir hier in Greiz seit über 60 Jahren nicht mehr kennen. Wir sollten dankbar dafür sein und an unserem Glück, dies genießen zu dürfen, auch die syrischen Familien teilhaben lassen, die dem Bürgerkrieg in ihrem Land mehr oder weniger glücklich entronnen sind.
Die syrischen Flüchtlingskinder sind die Zukunft Ihres Landes wie unsere Kinder für die Zukunft unserer Region stehen. Frieden und Wohlstand für die Zukunft unserer Kinder wird aber auf Dauer nur realisierbar sein, wenn auch in anderen Regionen unserer Erde Frieden herrscht und die Einsicht existiert, dass die Deutschen, auch die Greizer, anderen Völkern nicht feindselig gesonnen sind.
Vogtländer sind gastfreundlich. Gerade in der Vorweihnachtszeit können wir dies beweisen, können zeigen, dass wir weltoffen und tolerant sind, genauso gern Gäste empfangen wie wir selbst in anderen Ländern zu Gast sind. Nazis und rechte Stimmungsmacher haben hier nichts zu suchen.
Wir als Ulf-Merbold-Gymnasium wollen unseren Beitrag leisten und laden die syrischen Kinder und ihre Eltern zu unserem Weihnachtskonzert in die Vogtlandhalle herzlich ein!


Tischendorf – die Medienpartner Greiz - Inhaber Christian Tischendorf:

Seit nunmehr fast 3 Monaten halten sich die Diskussionen um das Ausländerwohnheim. Unzufriedenheit, gefühlte Benachteiligung, latente Furcht vor Fremdem und Unwissenheit von einigen Personen führen schnell zu Stigmatisierung und Ablehnung. Es wird Angst geschürt, Befindlichkeiten werden dramatisiert.
Solche Debatten sind ein fruchtbarer Nährboden für ausländerfeindliche Tendenzen und rechts-orientierte Anfeindungen und schaffen nicht selten Raum für Mitläufer. Haben wir aus unserer Geschichte denn gar nichts gelernt?
Wir sind in Deutschland nunmehr seit fast 70 Jahren in der glücklichen Situation, in Sicherheit ohne akute Kriegsgefahr zu leben. Sind wir uns dieser Tatsache eigentlich bewusst?
In Greiz geht es um 50 Personen, die vorübergehend in Deutschland Asyl erhalten: Männer, Frauen, Kinder - 50 Menschen von weltweit Hundertausenden, die vor Krieg und Zerstörung auf der Flucht sind. Hinter all den Zahlen und Fakten stehen Menschen - Einzelschicksale - oftmals von unendlich viel Leid, Elend und Entbehrungen geprägt. Männer und Frauen, die in ihrem Heimatland schwersten Diffamierungen, psychischen und zum Teil körperlichen Misshandlungen ausgeliefert waren, die zum Teil auf dringende medizinische Versorgung angewiesen sind. Kinder, die Elternteile und Geschwister verloren haben und denen eine sorglose, unbeschwerte und glückliche Kindheit in ihren Heimatländer versagt bleibt. Menschen, die von dramatischen Erlebnissen auf der Odyssee aus ihrer Heimat berichten. Die sich in Deutschland endlich in Sicherheit wiegten und dann mit ansehen mussten, wie andere Menschen mit Plakaten gegen Ihre Anwesenheit auf der Straße demonstrieren. Was für ein Bild von Deutschland muss sich in den Köpfen dieser Menschen eingeprägt haben?
Ich führe ein mittelständisches Unternehmen hier in Greiz. Mir ist bewusst, dass in unserem Land nicht alles "Gold ist, was glänzt" und dass das wirtschaftliche Umfeld in der Region schwierig ist, was letztlich auch soziale Probleme/Konsequenzen für die Menschen in Greiz und der Umgebung nach sich zieht. Aber diesen Konflikt auf dem Rücken von Kriegsflüchtlingen auszutragen, dagegen verwehre ich mich.
Ich würde mir einfach ein gewisses Maß an Respekt wünschen, für diese Menschen, die in ihrer Heimat Hab und Gut, Familie und Freunde zurücklassen haben, die oft der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Und schon dadurch eine merkliche Ausgrenzung erfahren. Ohne Arbeit , ohne gesellschaftlichen Anschluss. Es muss doch möglich sein, ein friedliches Nebeneinander zu schaffen, mit Achtung und Würde gegenüber dem anderen.
Radikalisierung und Populismus, wie geschehen in den letzten Wochen in Greiz - sei es links- oder rechtsgerichtet – helfen weder der Situation an sich, noch der Flüchtlingen selbst. Unwissenheit, Unverständnis und gegenseitige Bezichtigungen verschärfen die Konflikte zusätzlich.
Das Engagement der letzten Wochen hier in der Stadt zeigt, dass die Mehrzahl der Bürger sich nicht gegen die Flüchtlinge stellt, sondern vielmehr für Ihr Bleiben plädiert und Anteilnahme und Ver-ständnis bekundet für die Situation dieser Menschen.
Deshalb mein Appell an Sie: Zeigen Sie Gesicht! Für mehr Menschlichkeit und Toleranz! Und für Greiz!


Igzelit e. V. Freie Regelschule Reudnitz
Schulleiterin Frau Georgie

Vor 24 Jahren sind wir angetreten, eine demokratische, pluralistische Gesellschaft zu erkämpfen.
Ich empfinde es noch heute als großes Glück, dass dies gelungen ist.
Frei zu leben, ohne Angst vor Folter, Mord, Bomben oder Hunger, das ist für uns selbstverständlich.
In wie vielen Ländern der Welt jedoch Menschen unter Diktaturen oder Kriegen leiden, kann man jeden Tag in den Medien sehen. Ich stelle mir oft vor, was ich machen würde, wenn meine Familie bedroht wäre. Ich wäre froh, wenn es denn, wo auch immer, Menschen gäbe, die Hilfe zu geben bereit sind, einfach weil andere Menschen Hilfe brauchen.
Wie viel Angst muss jemand haben, wenn er sich entschließt, seine vertraute Umgebung und ihm nahe Menschen zu verlassen? Glücklicherweise kann sich das keiner der nach dem 2. Weltkrieg Geborenen vorstellen.
Ich kann den hier Schutz Suchenden gegenüber weder Neid noch Ablehnung, geschweige denn Hass empfinden.
Hilfsbereitschaft, Menschlichkeit und demokratisches Handeln auf der Basis des Grundgesetzes gehören zu den wichtigsten Werten, die wir als Erwachsene an Kinder und Jugendliche weitergeben können, indem wir sie ihnen vorleben.
Es sollte für jeden Greizer selbstverständlich sein, dass Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten auch in unserer Stadt Zuflucht finden können.
Sich dazu zu bekennen ist keine Politik sondern gesunder Menschenverstand.


Diakonieverein Carolinenfeld e.V.
Vorständin Frau Gudrun Dreßel

„Wir sind offen für alle!“ Das ist Frau Dreßels spontane und erste Antwort bei der Nachfrage zu ihrer Meinung bezüglich der aktuellen Geschehnisse in Greiz. Sie bezieht sich dabei auf die Menschen mit Behinderung, die beispielsweise im Carolinenfeld in Greiz-Obergrochlitz wohnen. Aber auch „Suchkranke, Suchende, Menschen, die Sorgen haben oder aber auch keine Sorgen plagen“ können jederzeit die Dienste der Diakonie in Greiz in Anspruch nehmen. Warum sollen da Menschen mit ausländischen Wurzeln ausgeschlossen werden, gibt Frau Dreßel zu bedenken. „Ich darf, nein ich kann niemanden ausgrenzen und das gilt selbstverständlich auch für die Gäste aus Syrien.“ Und erst recht gilt das für alle Menschen, die in Not geraten sind. „Für mich stellt sich daher die Frage gar nicht, ob wir diesen Menschen hier einen Ort zum Leben geben sollen.“ So begrüßt Frau Dreßel die Idee, gemeinsam mit ihren Mitarbeitern und allen Greizern am 23. November in Pohlitz ein Zeichen für unsere Gastfreundschaft zu setzen.


Reihe 1- Frau Fischer

5 SCHLAGwörter – 5 UNSCHLAGBARE Antworten

Vielfalt – „Gerade in der Gastronomie leben wir von der Vielfalt der Kulturen. Ich esse am liebsten Mediterran, Asiatisch und Kreolisch und könnte mir eine Küche ohne diese Vielfalt nicht mehr vorstellen.“

Menschlichkeit – „Respekt und Hilfe untereinander sind wichtige Grundlagen für unser gemeinsames Zusammenleben und -arbeiten.“

Gastfreundschaft – „Wir wollen für unsere Gäste ein guter Gastgeber sein. Dabei spielen Service und Freundlichkeit eine entscheidende Rolle. Es sollte uns hier nicht auf finanzielle Aspekte ankommen.“

Offenheit – „In unserer Zeit der Globalisierung müssen wir offen für alle und jeden sein. Ich finde es gerade auch im Urlaub sehr spannend, fremde Lebensweisen zu entdecken.“

Mitgefühl – „Wenn ich einmal Hilfe brauche, dann freue ich mich, wenn mir Unterstützung zu Teil wird. Diese Hilfe möchte auch ich geben.“
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2 Kommentare
6
Christian Mende aus Zeulenroda-Triebes | 20.11.2013 | 11:36  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 20.11.2013 | 13:31  
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