Go to Africa! „Die Sandkornschubser“ nehmen an Rallye Dresden - Dakar - Banjul teil

Mal eben 7000 Kilometer bis nach Banjul, der Hauptstadt von Gambia. Nils Lauterbach (Foto) geht mit seinem Freund Florian Gräfe mit einem 20 Jahre alten VW Polo in zehn Tagen an den Start der Charity-Rallye Dresden – Dakar – Banjul.
 
"Die Sandkornschubser" Nils Lauterbach (links) und Florian Gräfe mit ihrem VW Polo, mit dem sie die 7000 Kilometer der Charity-Rallye Dresden - Dakar - Banjul bezwingen wollen, um in Gambia Kinderhilfsprojekte unterstützen zu können. (Foto: Stephan Walzl)
 
Ersatzteile, Kanister und Hilfsgüter kommen aufs Auto. Extra hierfür wurde ein Dachgepäckträger gebaut. (Foto: Florian Gräfe)
Gera: Kaiserwerk | In elf Tagen geht’s los! Bis dahin haben Nils Lauterbach und Florian Gräfe noch so richtig Stress: Auf Sponsorensuche gehen, Ausrüstungsgegenstände einpacken, Zelt und Sonnensegel auftreiben, Öl und tausend kleine Dinge besorgen. Und nicht zu vergessen: Eine Nylonstrumpfhose brauchen sie noch! Wie bitte? Was wollen die beiden Burschen mit einer Strumpfhose? Wenn der Keilriemen reißt? Dafür könnte man sie auch nehmen. Letztlich soll sie den Luftfilter in der Wüste vor Sand schützen. Welche Wüste? Welchen Luftfilter?

Die Beiden, die sich als gemeinsames Team „Die Sandkornschubser“ nennen, haben Großes vor. Am 8. Februar starten sie in der sächsischen Landeshauptstadt als eins von insgesamt 50 Teams zur Rallye „Dresden – Dakar – Banjul“. Ah, Rennfahrer! Das sind sie garantiert nicht. Die Rallye ist nicht mit der „Paris – Dakar“ zu verwechseln, bei der es gilt, mit High-Tech-Boliden Bestzeiten zu erreichen. Die „Dresden – Dakar –Banjul“ ist eine Charity-Rallye.

Seit 2006 organisiert und durchgeführt vom Dresdner Verein Breitengrad e.V., werden im westafrikanischen Gambia schulische, medizinische und gesellschaftliche Projekte unterstützt. Die eigens hierfür ins Leben gerufene Dresden-Banjul-Organisation (DBO) verteilt Gelder und Sachspenden an die Projekte. Die Organisation hat den offiziellen Status einer Non Governent Organisation (NGO) und ist in Gambia unter der Nummer A 119 NGO registriert. Die Hilfsorganisation hat in den vergangenen sechs Jahren mehrere Hilfsprojekte ins Leben gerufen, die aus der zweimal jährlich stattfindenden Rallye plus weiteren Spenden finanziert werden.

Am 3. April 2009 wurde die erste Armenspeisung in Gambia durch die DBO gegründet. Das neue DBO-Projekt beschäftigt sich mit dem Thema der Aufklärung Jugendlicher und Erwachsener über Sexualität, Gesundheit, Hygiene, Beschneidung, Verhütung, Pubertät, Impfungen, da über diese "beschämenswerten" Themen im Unterricht in den Schulen nicht gesprochen wird Ein weiteres neues Projekt ist eine Ausbildungswerkstatt für Lkw-Mechaniker. Es soll dazu beitragen, dass junge Leute in Gambia fundierte Fähigkeiten erlangen, damit ihren eigenen Unterhalt verdienen können und diese Fähigkeiten auch weitergeben können. Des Weiteren wurden und werden von der DBO vier Schulen unterstützt. Ebenfalls seit Jahren wird das Sukuta Healthcenter von der Rallye unterstützt. Es ist kein Krankenhaus im europäischen Sinne, sondern ein Zentrum, in dem die Patienten von Krankenschwestern umsorgt werden. Nur in schwierigen Fällen wird ein Arzt hinzu gerufen, oder der Patient direkt in ein Krankenhaus transportiert. Nicht zu vergessen der Sukuta Womensgarden. Das ist eine Kooperation, in der Frauen Gemüse anbauen, das sie später auf dem Markt und an verschiedene Abnehmer verkaufen und somit für das Einkommen der Familien sorgen.

Und wie kommt die Hilfsorganisation an das Geld? Nach drei Wochen und rund 7000 Kilometern von Deutschland, über Frankreich, Spanien, Marokko, Mauretanien und Senegal bis in die gambianische Hauptstadt Banjul werden die Fahrzeuge der Teilnehmer kurz nach der Ankunft in einer Versteigerung zum Kauf angeboten. Der Übergabe der Geld- und Sachspenden können die Rallyeteilnehmer beiwohnen und sich natürlich auch vor Ort vom Fortgang der Hilfsprojekte überzeugen. Der Rückflug nach Deutschland, zumindest für Nils und Florian, ist für den 5. März gebucht.

Über Sinn und Zweck des Lebens philosophierend und wie man Menschen uneigennützig helfen könnte, sind der Geraer Bauhausstudent Lauterbach (31 Jahre) und der Ex-Bad Köstritzer und mittlerweile in Mildenberg bei Aschaffenburg wohnende Lkw-Fahrer Gräfe (30 Jahre) voriges Jahr eher zufällig auf dieses Projekt gestoßen. „Wir finden es gut, weil die Spendengelder dort ankommen, wofür sie gedacht sind. Bei vielen anderen Hilfsorganisationen geht es doch nicht mit rechten Dingen zu. Das Geld versickert und kommt nur zu einem Bruchteil an. Bei unserer Charity-Rallye können wir bei der Übergabe der Gelder und Sachspenden direkt dabei sein“, freut sich Lauterbach, dem es besonders die Projekte für die afrikanischen Kinder angetan haben. Und so ganz nebenbei reizt natürlich auch das Abenteuer. „Das ist doch mal etwas anderes, als nur in die Uni zu gehen, auf der Couch zu sitzen und zu schlafen“, so Nils, der sich darauf freut, für drei Wochen mal so richtig „auszubrechen“. Auch wenn er zugegebenermaßen schon ein bissel Bedenken bezüglich eines wehtuenden Hintern hat. Manche Tagesetappe misst bis zu 800 Kilometer. Andere gehen nur über unbefestigte Straßen.

Was anfangs nur ein Hirngespinst war, bereiten die zwei Freunde seit Monaten vor. Neben der Sponsorensuche musste ein Auto gefunden werden. An den Start gehen sie mit einem 20 Jahre alten VW Polo mit 60 PS. Florian hat den früheren Post-Diesel in den vergangenen Wochen flott gemacht und für die Herausforderung Afrika umgebaut. So hat das Auto unter anderem einen Unterfahrbodenschutz, eine Motor- und Tankverkleidung, neue Radlager und zusätzliche Stoßfänger bekommen. Den selbst gebauten Dachgepäckträger werden die beiden Abenteurer dringend benötigen, ist doch im Inneren des Polos schließlich nicht viel Platz für die Hilfsgüter und Autoersatzteile. „Derzeit fehlt noch eine Kühlbox. Und ein Ventilator – wir haben schließlich keine Klimaanlage – wäre für die Wüste auch nicht schlecht“, meint Nils Lauterbach. Angst, dass das Auto nicht durchhält, hat er nicht. Und wenn doch etwas den Geist aufgibt, dann müsse man eben reparieren. Notfalls hilft die Gemeinschaft.

Nils war wochenlang in Gera auf Sponsorensuche. Bis auf eine Ausnahme wurde sein Ansinnen interessiert aufgenommen. Einzig eine Apothekerin zeigte sich entsetzt, dass die beiden Abenteurer, so ihre Worte, in Afrika ihren Schrott abladen möchten. Der Student kam gar nicht dazu, das Projekt näher vorzustellen und zu erläutern, dass den Afrikanern viel mehr an Autos liegt, die man noch selbst reparieren kann. Davon mal ganz abgesehen, dass er als Student nicht die Mittel hat, ein Neuwagen zu spendieren. Von diesem Einzelfall abgesehen, haben Nils und Florian Kinderspielsachen und Arzneimittel zusammen getragen, die mit auf große Reise gehen.

Wer die beiden noch unterstützen möchte, hat dazu am Samstag, dem 1. Februar, Gelegenheit. Noch ohne Sonnenbrand und platt gesessenem Hintern stellen „Die Sandkornschubser“ ihre Charity-Fahrt und den Polo in den Kaiserwerken Gera, Rudolf-Diener-Straße 4, vor. Offen stehende Fragen werden beantwortet, Unterstützer können das Auto signieren. Ab 22 Uhr wird unterm dem Motto „House of Africa“ gemeinsam mit den drei DJs Mabeerge, Peak und Dakato für einen guten Zweck im Kaiserwerk gefeiert. Der komplette Erlös des Abends kommt dem Projekt zugute. Auch Sachspenden für Kinder sind möglich. Die Abenteurer denken dabei an Ballspiele, Kuscheltiere und Kinderarzneimittel. Wegen der begrenzten Transportkapazität wären natürlich Geldspenden am sinnvollsten. Und ein Wunschtraum wäre noch ein Laptop, dass einem der Schulprojekte zugute kommen soll.

Weitere Informationen auf www.sandkornschubser.wordpress.com und dem Stichwort „Die Sandkornschubser“ auf Facebook. Kontakt, auch zur kurzfristigen Absprache von Sachspenden, ist per E-Mail sandkornschubser@gmx.de möglich.

Sofern es die Internetverbindung zulässt, werden die beiden Abenteurer während der Rallye aktuell auf ihren Internetseiten berichten.
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2 Kommentare
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Steffen Weiß aus Gera | 07.02.2014 | 16:06  
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Steffen Weiß aus Gera | 14.02.2014 | 09:29  
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