Grauen und Tragödien. Kriminalrat a.D. Hans Thiers beschreibt in „Mordfälle im Bezirk Gera“ authentische Tötungsverbrechen

Wie war das 1977 mit der Kindstötung eines Pädophilen im Geraer Stadtwald und 1979 mit der Transitleiche in Hermsdorf? Kriminalrat a.D. Hans Thiers liefert mit seinem Buch „Mordfälle im Bezirk Gera“ authentische Antworten bis ins kleinste Detail.
 
Mordfälle im Bezirk Gera, Hans Thiers
Ausverkauft. Ausverkauft. Ausverkauft. Kaum ist ein Termin für eine Buchlesung mit Hans Thiers bekannt, ohne dass er großartig beworben werden muss, sind die Plätze weg. Kein Wunder, der Geraer hat den Nerv der Leser getroffenen. Wenn er von drei Morden im kleinen Bürgel schreibt, dann ist kein Fakt davon erfunden. Oder von der Mutter in Neustadt an der Orla, die ihr eigenes Kind getötet hat. Wenn dabei jemand ein eiskalter Schauer den Rücken hinunterläuft, dann nicht nur, weil die Tat an sich schon grausam ist. Nein, sie ist gleich um die Ecke passiert. Genauso wie der Doppelmord in Jena. Ein Paar hatte bereits das Geld für den versprochenen Wartburg erhalten, den es allerdings nie gegeben hat. Die vermeintlichen Verkäufer erschlagen und in der Saale versenkt – so die Quittung des Kaufinteressenten.

Kriminalromane gibt es zu Hauf. Die von Thiers beschriebenen Fälle sind nicht seiner blühenden Fantasie entsprungen. Der Kriminalrat a.D. hat in seinem Buch „Mordfälle im Bezirk Gera“ Tötungsverbrechen beschrieben, die er selbst bearbeitet hat beziehungsweise deren Aufarbeitung unter seiner Leitung stand. Von 1973 an war er in der Mordkommission des Bezirkes Gera tätig, von 1980 bis 1990 dessen Leiter. Dass jene Kommission nicht nur gut aufgestellt, sondern auch gut ausgebildet war, ist in seinem Vorwort zu lesen.

Und wer denkt, dass die 45 beschriebenen Fälle sämtliche Tötungsverbrechen im behandelten Zeitraum 1973 bis 1990 waren, der irrt. Thiers spricht von etwa sechs bis zehn Tötungsverbrechen pro Jahr, die auf seinem Tisch landeten. Eine Auswahl davon ist minutiös im Buch beschrieben. Dafür hat er nicht nur die passenden Worte gefunden. Ergänzt werden sie mit authentischen Dokumenten, Fotos der Tatwaffen, der Opfer, Übersichtsaufnahmen der Tatorte, Geständnissen, psychologischen Gutachten und, und, und. Bis auf zwei Ausnahmen sind sämtliche Namen anonymisiert.

Und an das alles kann man sich Jahrzehnte später genau erinnern? Dass der Diplom-Kriminalist das Buch nicht allein aus dem Kopf zusammen getragen hat, zeigen bereits die vielen veröffentlichten Dokumente und Fotos. Die Akten zu den Fällen sind im Staatsarchiv Rudolstadt zu finden. Ein halbes Jahr hat Thiers dort gesessen, bevor er nochmals die gleiche Zeit für das Manuskript benötigt hat. Erst danach ging es in Absprache mit Verleger Michael Kirchschlager an den Feinschliff.

Erschienen ist das Buch Ende August und ist seitdem ein Renner. Mit einer derart großen Resonanz hatte Thiers nicht gerechnet – wie auch, er ist kein erfahrener Schriftsteller. Schon jetzt werden die Rufe nach einem zweiten Band laut. Der Stoff dazu geht ihm jedenfalls noch lange nicht aus. Der Gedanke, überhaupt ein Buch zu verfassen, kam ihm erst vor zwei Jahren. Thiers besuchte in der Geraer Stadt- und Regionalbibliothek die Lesung eines Erfurter Kriminalisten. Kurz darauf legte er los. Geschrieben übrigens im Zwei-Finger-System, so wie wir es vom früheren „Polizeiruf 110“ kennen. Natürlich nicht auf der Erika, sondern dem PC.

Apropos Krimis im Fernsehen. Der 68-Jährige ist kein großer Tatort-Fan und schon gar keiner der deutschen und amerikanischen Serien. Die Filme und Serien haben, wenn sie vom Zuschauer so gesehen werden wollen, durchaus ihre Berechtigung. „Mit der Realität allerdings haben sie wenig zu tun“, bringt es der Geraer auf den Punkt und verrät, dass er sich gern schwedische Krimis anschaut: „Die sind zwar auch nicht zu 100 Prozent authentisch. Aber zumindest steht bei ihnen die kriminalistische Arbeit im Vordergrund!“.

So hat es Hans Thiers auch im eigenen Berufsleben gehalten. „Die Aufklärungsquote im Bezirk Gera lag bei 98 Prozent“, betont er. Und mit gleicher Akribie, mit der er seinen Beruf ausübte, ist das Buch verfasst.

Lesungen:

29.10.2014 Stadtbibliothek Römhild
26.11.2014, 19.30 Uhr, Stadt- und Regionalbibliothek Gera
11.12.2014, 19.30 Uhr, Bibliothek Zeulenroda
14.11.2014 Buchhandlung Schmitt & Hahn in Gera (bereits ausverkauft, ein zweiter Termin ist für Januar 2015 geplant)
18.11.2014, 19 Uhr, Bibliothek Saalfeld
3.12.2014 Kanitz‘sche Buchhandlung Gera (nur Signierstunde)
12.1.2015 Hermsdorf
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