Im Porträt: Horst Polter - macht Geras Stadtführernachwuchs schlau und selbstbewusst

Das wohl liebste "Kind" unter den von ihm mitinitiierten Vereinen und Gemeinschaften ist für Horst Polter der Per Pedes Gera e.V.
 
Vor dem 30-jährigen Jubiläum der Jungen Stadtführer in Gera soll nun das bisherige Heimatbuch durch eine neue Variante ersetzt werden. Dazu sind Mithelfer gefragt!
Er ist seit Jahren der älteste „Junge Stadtführer“ Geras. Vor allem durch seine aufopferungsvolle Arbeit für den Verein „Per Pedes Gera“ e.V. kennt man den seit März 75-jährigen Horst Polter. Da sind aber noch acht andere Gemeinschaften, die er hier mitgründete. Was ist die Klammer für seine vielen Aktionen, die sich zuerst auf die Förderung von Kindern richten?
Polter lächelt über diesen Beginn einer Recherche: Wann geboren, wo und wieso? Das traf ihn tiefer als anzunehmen war. Er ist ein 1937er Leipziger Jahrgang und wurde zum „Scheidungskind“, das früh nach dem Ende des II. Weltkrieges seine Wege suchen musste. Er war ein aufgeweckter Junge, der 1947 weltbegierig die Kunstsprache Esperanto zu lernen begann, in der "Leipziger Volkszeitung" versuchte anderen über seine Entdeckungen zu berichten. Da war Horst einst der jüngste Volkskorrespondent; streng redigiert vom Kulturredakteur Bruno Apitz. Polter sagt: Er wurde ein bisschen zum Ziehkind des ehemaligen KZ-Häftlings und der väterlicher Freund wie Lehrer in Gesellschaftspolitik. Aus heutiger Sicht blieb Apitz einer von wohl einer Handvoll Leuten, die Polters Entwicklung maßgeblich beeinflussten.
Horst erlebte viele Neuerungen. Als er 1951 zum Abgang aus der 8. Klasse schon eine Lehrstelle im Maschinenbau sicher hatte, fragte man ihn, ob er in eine Versuchsschule bis zur Zehnten wechseln würde. Ja. (Zum Leid seiner Mutter.) Dann warb man ihn, selbst Pädagoge zu werden. Horst studierte am Institut für Lehrerbildung Altenburg. Nicht ganz zu Ende. Eine Dummheit führte ihn in die Arme derer, die mit listigen Mitteln für den Beginn der kasernierten Volkspolizei (KVP) der DDR sorgten. Nur erinnerte sich später niemand mehr an Versprechen, ihn nach dem Dienst zu Abschlussprüfungen zuzulassen. So begann Polter als „ungelernter“ Pionierleiter im Landkreis Leipzig; quittierte aber nach einem dreiviertel Jahr und wechselte als Rangierer zur Deutschen Reichsbahn. Er freundete sich mit der großen Eisenbahn an, als Stellwerker und Mitglied der Betriebsgewerkschaftsleitung für die Arbeit ... mit Kindern und Patenschaften.
Da war sie, die Verbindung zum Vorleben.
Als der Gohliser Elternbeiratsvorsitzende Peter Franke ihn auf ein nochmaliges Lehrerstudium ansprach, ließ sich Polter „delegieren“. Nur eben nicht an die Dresdner Verkehrshochschule (Mathematik und Physik waren nicht so sein Ding.), sondern ans Pädagogische Institut Leipzig. Die journalistische Ader pulsierte wieder. Als Redakteur führte Horst Polter nebenbei die „Objektiv“ als quasi Betriebszeitung; aber in Regie der FDJ und nicht der Parteileitung. 1969 schloss sich dieses Kapitel mit seinem Neubeginn in der außerunterrichtlichen Bildungs- und Erziehungsarbeit am Pionierhaus Leipzig. Polter sieht sich als Methodiker, initiiert und betreut viele Projekte.
Spätestens mit dem Wechsel an Geras Pionierhaus Walter Erdmann trafen sich alle Linien von Interessen: Entdeckerdrang - wie etwa zur Pionierexpedition 1979 mit rund 100 Kindern durch den Bezirk; Geschichtsinteresse - wie für die Gründung von Arbeitsgemeinschaften Junger Historiker und Journalisten; Spürsinn für prägende Ereignisse im Leben von Kinder - wie zur Organisation einer Kinder-Jury für das erste Filmfestival „Goldener Spatz“. Gerade davon blieben Jungen und Mädchen, um den Jugendfilmclub Gera aufzubauen. Im Sommer 1983 kam die AG Junge Stadtführer hinzu. So etwas kannte er aus Erfahrungsaustauschen mit ähnlichen Einrichtungen in der Republik. Der Unterschied ist, die Geraer brachten dieses Freizeitangebot über die Wende. Wenngleich dafür in anderen Zeiten per 1. September 1994 ein gemeinnütziger Verein „Per Pedes“ gegründet werden musste. Ein Kulminationspunkt war die Herausgabe des eigenen illustrierten Stadtführers „Gera - Ich leb’ so gern in meiner Stadt“ auf hundert Seiten; gedruckt mit einer Auflage von 3000 in Pößneck. Das Bändchen wurde sogar als Schulbuch ausgeliefert, diente Stadtführern zur Grundlage; war Souvenir der 750-Jahr-Feier und darüber hinaus. Heute überlegt sich Horst gründlich, vor wem er in welchen Worten über Erfahrungen damit spricht. Im Westen umschreibt er die AGs als Teil einer kommunalen Freizeiteinrichtung und will oberflächlichen Vorwürfen von „Kinderarbeit“ entgehen.
Sein Lebenswerk ist sozialpädagogische Arbeit im Interesse der Entwicklung von Kindern. Viele seiner hundert ehemaligen „Jungen Stadtführer“ haben ihm das auch in lieben Erinnerungsbriefen geschrieben. Sein Engagement wurde 2002 u.a. als "Botschafter des Verbundnetzes der Wärme“ gewürdigt. Derzeit versucht er den Verein „Per Pedes“ und den „Videoclub Gera“ mit neuen Mitgliedern wieder aufzufrischen. Interessante Projekte sollen auf das Jubiläum in 2013 zuführen. Interessenten können sich im Vereinsbüro Markt 6 melden und werden liebend gern in die vorbereitenden Kurse aufgenommen.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige