Im Porträt: Reiner Späth - wird immer „Mister Thüringen-Rundfahrt“ bleiben

Ähnlich wie die Größe der informativen Programmhefte wuchs unter Reiner Späths Anleitung auch die Internationale Thüringen-Rundfahrt der Frauen. Der vielfach ausgezeichnete Radsport-Organisator empfing zur Recherche im tiefblauen T-Shirt der Tour.
 
Zum Geraer Sportlerball 2011 wurde Reiner Späth für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Bekannte Radsportler wie John Degenkolb und Marcel Barth kamen als Gratulanten.
Der Geraer Radsport-Macher feierte am Samstag seinen 80. Geburtstag /

Treffpunkt Radrennbahn im Martinsgrund: Reiner Späth beobachtet den Thüringer Nachwuchs. Er sieht sich aufmerksam im Areal um. Sorgenfalten furchen sein Gesicht. Er kennt die Anfänge dieser 250-m-Bahn am Geraer Stadtwald. Auf dem Boden einer früheren Leichtathletik-Anlage und 400-Meter-Erdbahn in Debschwitz schufen Mitglieder der damaligen BSG Union eine Aschenbahn. Im Untergrund verbaute man Schutt der zerbombten Heinrich-Straße. Problematisch, weil Teile der Anlagen öfter einsanken. Geras Stadtväter stimmten dem Bau einer Zementpiste zu. Die wurde ab 1955 errichtet. Wieder steckten viele freiwillige Stunden mit drin. Zur Weihe am 26. Mai 1957 fuhr Lothar Meister „Lotte II“ unter dem Applaus von wohl 7000 Zuschauern die Ehrenrunde. Die Naturtribüne zog sich bis hoch in den Wald hinein. Sie bot vielen Menschen Platz zu den Höhepunkten wie vier Großen Preisen der DDR im Sprint, zum Länderkampf DDR - Ungarn oder bei DDR-Titelkämpfen. Der untere Teil der Anlage war angeschüttet. Über die Jahre wurden Betonteile ausgewechselt oder Hohlräume verfüllt. Die Piste war ein Probierfeld für neuartige, aber wirksame Versiegelung. Später brachte die Wismut AG gegen abrutschende Tribünenteile Grund hinein. Sogar eine Bahnüberdachung war im Gespräch. Sie scheiterte weniger am Willen Berliner Sportfunktionäre als an fehlenden Planungskennziffern für Stahl im Bezirk Gera. „Der Beton ist porös.“, sagt Reiner Späth. Würde Wasser eindringen und darunter gefrieren ... Er hat Radsport-Geschichte geschrieben; leider wohl ohne sie selbst zu Papier zu bringen.

Reiner Späth war einst Kunstradfahrer und 1948/49 Thüringenmeister. Im Jahr 1957 begann für den ehemaligen Schlosser ein zweites Leben: Im Präsidium des Verbandes (DRSV), dessen Vizepräsident er für sechs Jahre war und für den er zwei Jahrzehnte die Kommission Wettkampfwesen leitete. Er erlebte eine lange Helferkarriere im Radsport; nahm seit 1959 mit Berlins Premiere als Startort 32 Mal an Friedensfahrten teil; an 25 als Schiedsrichter. 1973 wurde er Organisations-Instrukteur Radsport bei der SG Wismut und hatte im Bezirksfachausschuss weiter Anteil an namhaften Wettkämpfen bis zur Wende.

Ende 1990 fragte er, was denn aus den Angeboten für Frauen im Straßenrennsport werden solle. Die Antwort des neuen Präsidenten hieß: „Wer ist denn hier der Fachwart?“ Da war Späth schon im Vorruhestand, aber machte sich drüber, aus den einstigen Wismut-Cups eine Frauen-Radrundfahrt zu entwickeln. An die 300 „Bettelbriefe“ habe er auf der Suche nach Sponsoren dafür geschrieben. Ohne besonderes Ergebnis. Doch die Männerrundfahrt unter der Leitung von Gerhard Böttner zeichnete sich ab. Dann fand sich die Partnerschaft mit Hessen und dadurch die Verbindung zur Sparkassenversicherung. Straße frei für die neue Tour - Reiner Späths dritte Radsport-Liebe!

Was anfangs etwa wie „Rund um den Stadtteich“ in Zeulenroda erschien, fand bald nationales wie internationales Interesse. Beständige Termintreue im Wettkampfkalender nötigte dem UCI-Weltverband wachsende Anerkennung ab. Und der Geraer Rundfahrtleiter spürte vor allem das Strahlen der Frauen auf den Siegerpodesten. Stärker als bei Männer-Stars. Deutlich bescheidenere Umstände machten aus den Teilnehmern eine Radsportfamilie, die zum Glück Partner in der Kommunalpolitik hatte; auch als man größere Kreise zog und andere Etappen fuhr. Bis 2002 elf Jahre ohne Protest! Späth schwärmt: Man regelte alles mit den Mannschaftsleitern. „Das ist meine Rundfahrt.“, resümiert er nicht unberechtigt. Er wird immer „Mister Thüringen-Rundfahrt“ bleiben. Für den Fall stünde er der jetzigen Tourleitung um Vera Hohlfeld sofort zur Seite.

Außerdem braucht der Nachwuchs solche Leute wie das Ehrenmitglied des SSV Gera 1990: Für die junge Ostthüringen-Tour. Als Berater. Oder als Helfer beim Zielaufbau, Bande hängen, in der Versorgung usw. Reiner Späth blickt hinüber zu den Jungen und Mädchen - in Freude und mit etwas Sorge... Wann kann und wie wird sich Gera in Sachen Neubau einer Radsportrennbahn entscheiden?
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