Im Porträt: Uwe Zeng - Hier macht man keine Olympioniken, aber Umfragesieger

Uwe Zeng - 'mal (Fecht-)Lehrer ...
 
Uwe Zeng - 'mal Turnierleiter wie beim Thüringen-Pokal ...
Weidaer Trainer triumphiert mit seinen Fechtern bei der GRZ-Sportlerwahl /

Wer zieht schon mit 'nem richtigen Degen samt Gefolge ins Kino oder ficht zur Schau vor den Gästen um die bloße Ehre? Wer mimt vor den Augen seiner Schüler einen Edelmann im Duell mit einem Ritter Max von Wallrabe im Hofe der Osterburg zu einer Lektion übers Mittelalter? Das kann hierzulande wohl nur Uwe Zeng sein. Das ist so ein Typ...
Für seine Sportart tut der Lehrer für Wirtschaft/ Recht bzw. Sport vieles. Und das nunmehr seit dreißig Jahren; also von Kindesbeinen an, dann als Übungsleiter und inzwischen auch als Vizepräsident des Fechtsportverbandes in Thüringen.
Dienstags, mittwochs und donnerstags übt er mit den Aktiven der Abteilung Fechten im TuS Osterburg '90 Weida. Freitags ist Stützpunkttraining in Jena und am Wochenende vielleicht noch Wettkampf. Das geht nur mit interessierten Partnern.
Die hat der fast 47-jährige Fachlehrer an der Weidaer Regelschule Max Greil, in der Stadt, im Landratsamt oder mit Eltern und unter seinen Sportfreunden. Dass seine Truppe einmal um die 60 Mitglieder vom Vorschulalter bis Pensionär zählen würde, hatte Uwe Zeng wohl allerhöchstens erträumt, als er mit ein paar Floretts und einer alten Maske vom Studium in Erfurt in die kleine Stadt an der Weißen Elster „gelenkt“ wurde.
Aber er ist gerade wegen des Sports so ein zielstrebiger, in taktischem Denken zu Strategien geschulter und sehr auf Kontinuität bedachter Mensch geworden. Gelegentlich von Emotionen getragen, wenn ihn z.B. Erfolge überraschen oder der FC Carl Zeiss Jena gerade um eine Abseitsfalle betrogen wird. Da könne er Fan und laut sein (wo man ihn weniger kennt, sagt er). Vor den Schülern schätzt er sich als korrekt, nicht zu streng ein; manchmal ungeduldig. Andererseits wiederum engagiert er sich im Personalrat, und das seit längerer Zeit immer wieder gewählt. Doch etwas der „Ritter“?

Der in Leinefelde geborene Zeng junior kam mit drei Jahren durch den beruflichen Wechsel seines Vaters nach Jena. Da wurde er in der dritten Klasse von den Talentsuchern entdeckt, die zum Beispiel Kinder für Fußball, Kanu, aber auch Fechten zu finden hofften. Fußballer wäre er wohl nie geworden. Das Eins gegen Eins gefiel ihm besser. Maske auf! Und selbst schuld, wenn ein Kampf verloren geht. Möglichst zu treffen, ohne getroffen zu werden, verlangt schnelles Denken vom Abwägen im Voraus bis zum Reagieren oder Fähigkeiten zu entschlossenen Umstellungen. Das versuchte er bald auch dem Fechtnachwuchs beizubringen, als leider klar wurde, dass Uwe nach dem heftig gesteigertem Sporttraining im Leistungszentrum und einem zu schnellen körperlichen Wachstum eine eben hinderliche Verletzung erlitt. Immerhin übernahm man ihn gern als Übungsleiter.

Das wurde zum Knackpunkt seiner Laufbahn: Er ist heute noch besonders seinem Lehrmeister, dem ehemaligen DDR-Degen-Nationalkader Dieter Wichmann, für die Ausbildung und Begleitung dankbar. Während seines Studiums in Erfurt wurde er von der BSG Post und dem dortigen Talentzentrum angefragt und war wieder ganz dabei. „Das Schöne: Die Kleinen von einst, leiten jetzt die Geschicke.“, bilanziert er mit Abstand gern. Natürlich wissend, was es wert ist, wenn in der Vereins- und Leistungspyramide sehr gute Sportler bleiben und in die Ausbildung der nächsten Generation(en) eingreifen. Im ostthüringischen Weida wurde das später wieder so. Nur steht man in Abständen durch berufliche und familiäre Entwicklungen immer 'mal wieder vor Umbrüchen. Das zu bewältigen, ist wohl mindestens genauso ein Verdienst von Uwe Zeng, wie die Vorarbeit für die erfochtenen sportlichen Erfolge.

Bei einigen „Mädels“ der ersten Weidaer Zeit war zuletzt Babyjahr angesagt. Matthias Enders wechselt beruflich. Tochter Viktoria studiert auswärts. Auch wirtschaftliche Gründe können heute einen wichtigen Trainerpartner aus der Laufbahn reißen. Zeng weiß sehr gut, dass in Weida keine Olympiasieger oder Weltmeister gemacht werden. Die Talente müssen dann ihren Weg selbst gehen. Er steht immer am Fuße der Pyramide und hat zum Glück eine verständnisvolle Sportlehrerin zur Frau.

Wenn nicht Fechten? Dann vielleicht Volleyball oder Hockey. Reine Spekulation. Jedenfalls wäre aus ihm kein Sänger oder Musiker geworden. Er hat gut Lachen, wenn er daran zurückdenkt, wie er eines 13. Oktobers 1988 bei Volker Rauchfuß von BSG Fortschritt Weida in der Tür stand und um Aufnahme ansuchte; dann dieses Ziel in sich anbahnenden Umbrüchen im Auge behielt; per 1. März 1989 eine Schulsport-Gemeinschaft gründete; eine Woche später zum Schnuppern im Training einlud... 17 Schüler kamen. Zum zehnjährigen Jubiläum schickten ihn seine Schützlinge zu einer Mutprobe auf Selbstüberwindung für einen Tandem-Fallschirmsprung in die Lüfte. Zum 20-jährigen der Abteilung Fechten legten sie zusammen, um Weidas wohl größten Grönemeyer-Fan zum Bochumer Konzert einzuladen. Emotionen pur. Das heutige Talentleistungszentrum Fechten des Verbandes und Förderzentrum des Greizer Landkreises bleibt immer mit Zengs Namen verbunden. Man brauchte sich nicht wundern, dass auch 2012 wieder Fechter Sieger unter den "Sportlern des Jahres" im Landkreis Greiz waren.
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