Immer wieder Parterre

Brigitte Heymel vor ihrem Hauseingang in der Karl-Wetzel-Straße in Lusan.
 
Brigitte Heymel auf ihrem Balkon mit Blick ins Grüne
Gera: erdgeschoss | Den Klingelknopf noch gar nicht richtig berührt, summt schon der Türöffner. „Ich habe Sie schon kommen sehen“, empfängt mich Brigitte Heymel an der Wohnungstür.
Hätte mich irgendwie auch ein bisschen gewundert, wäre es anders gewesen. Schließlich wohnt sie im Erdgeschoss – und hat hier den vollen Überblick, wie ich bald erfahre.
Nein – in die Kochtöpfe könne man ihr nicht reingucken – dazu ist „Hochparterre“ eben zu hoch. Die 58-jährige Hausfrau lebt mit ihrem Mann inzwischen alleine in der Vierraumwohnung in der Karl-Wetzel-Straße in Lusan, die drei Kinder sind erwachsen und aus dem Haus. „Die wohnen alle ziemlich weit oben…“, schmunzelt sie.
Sie hingegen möchte ihr Erdgeschoss nie wieder missen. Begonnen hatte alles 1977 mit der Wohnungssuche in Gera – aus beruflichen Gründen ihres Mannes. Über seinen Betrieb gab es damals Wohnungskontingente für die Neubauten in Lusan. Das Los entschied darüber, wer welche Wohnung bezog. Ihr Mann zog Parterre in der Schleizer Straße. „Damals mit zwei Kindern ein Luxus – Fernheizung, Bad und Balkon“, erinnert sie sich. Doch schon bald – das dritte Kind war unterwegs – hieß es in eine größere Wohnung umziehen. Das gleiche Spiel – das gleiche Los. „Brigitte, ich habe wieder Parterre gezogen!“ „Macht doch nix, hab ich gesagt – und mich gleich wohl gefühlt in der Karl-Wetzel-Straße. Klar, schön Grün ist es erst mit den Jahren geworden, war ja Erstbezug und entsprechend Baustelle ringsum. Wir haben noch selber gepflanzt.“ Heute ist der Blick vom Balkon herrlich – auf Bäume aller Art, Feld und Wäscheplatz. Schwätzchen mit Nachbarin über die Brüstung inklusive. Fast ein bisschen ländliches Idyll.
Und vom Küchenfenster heraus schauen die Heymels ins Grüne.

Ja - das Küchenfenster – bewusst oder unbewusst - von hier aus hat Brigitte alles im Blick. „Ich sehe, wer kommt und geht. Ob Fremde oder Nachbarn, der Postbote oder Handwerker... Dass im Erdgeschoss immer etwas mehr Schmutz anfällt, stört mich nicht. Ich nehme Besen oder Eimer – und ruckzuck ist alles wieder sauber. Auch vor dem Hauseingang halte ich Ordnung, sommers wie winters. Hier mal Unkraut zupfen, Müll aufheben, im Winter ganz früh Schnee schieben. Hausmeister und ‚Schneeschippbrigade’ freut’s, wenn ich ihnen etwas Arbeit abnehme. Ich sehe einfach alles.
Zu meinem kleinen Putzfimmel stehe ich. Und auch meine Hausmitbewohner kennen mich und meinen Spleen. Mag sein, dass sie manchmal den Kopf schütteln - das ist völlig in Ordnung. Ich tue es schließlich aus reinem Egoismus – ich möchte mich einfach wohl fühlen, es schön haben. Das steckt halt so drinnen. Vorteile meiner Parterrewohnung liegen auf der Hand: kurze Wege mit dem Einkauf, in den Keller oder zum Wäscheplatz. Kein ‚Gebuckel’ – schon damals mit dem Kinderwagen sehr günstig. Und die Kleinen hatte man beim Spielen vor und hinterm Haus immer im Auge. Und später – man wird ja nicht jünger, da sind die paar Stufen der Idealfall.“

Zitat: „Ich stehen zu meinem kleinen Putzfimmel“
Brigitte Heymel
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6 Kommentare
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Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 16.08.2012 | 18:16  
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Petra Seidel aus Weimar | 16.08.2012 | 19:00  
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Karin Jordanland aus Artern | 16.08.2012 | 20:03  
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Petra Seidel aus Weimar | 18.08.2012 | 09:23  
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Renate Jung aus Erfurt | 18.08.2012 | 23:22  
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Hannelore Grünler aus Artern | 25.08.2012 | 00:42  
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