Jobprofil: Wie ist das Leben als Bestatter, Herr Häberer?

„Ich arbeite nicht im Beruf des Bestatters – ich lebe diesen Beruf“, so Ronny Häberer über sich selbst.
Gera: Bestattungshaus Häberer | Der Tod und damit verbunden die Bestattung ist für die meisten Menschen ein schwieriges Thema. Bestatter Ronny Häberer spricht von Berührungsängsten: „Kaum einer möchte sich zu Lebzeiten mit diesem Thema auseinander setzen“, so Bestatter Ronny Häberer. Dabei weiß er aus Erfahrung, dass Diejenigen, die diesem Thema offen gegenüber stehen, vielleicht auch mal mit einem Bestatter gesprochen haben, den letzten Weg einer geliebten Person beruhigter angehen können. Umso mehr freut es ihn, dass Kinder den Themen Tod und Bestattung neugierig gegenüber stehen, wie seine Vorträge im Schul-Ethik-Unterricht beweisen.

Häberer gehört zu den Bestattern, die nicht nur in diesem Beruf arbeiten, sondern ihn leben. Wichtig dabei ist ihm, den Betroffenen die Hand zu reichen, mit ihnen gemeinsam die gesamte Trauerphase zu durchleben und mit ihnen zusammen neue Wege zu gehen. „Hinterbliebene sollen nach der Trauerphase wieder nach vorn schauen können“, setzt er sich sein Ziel. Einfühlungsvermögen sei dabei das A und O im Bestattungshaus. Dass Bestatter kein Beruf mit regelmäßigen Arbeitszeiten ist, versteht sich da von selbst. „Man ist jeden Tag Bestatter. Und das rund um die Uhr“, betont der 42-Jährige.

Selbstverständlich ist auch Ronny Häberer aufgeregt, wenn er zu einem Todesfall gerufen wird. Was wird ihn erwarten? Er lernt die Menschen grundsätzlich in Ausnahmesituationen kennen. „Dabei stoße auch ich schon mal an meine Grenzen“, bekennt er sich. Die tragischen Erlebnisse zu verarbeiten hilft ihm seine Familie.

„Mit dem Verstorbenen an sich haben wir als Bestatter gar nicht so viel zu tun, wie im Allgemeinen angenommen wird“, klärt Häberer auf und fährt fort, dass der Beruf des Bestatters mehrere Berufe in sich vereint: „In erster Linie Bestatter, dann Seelsorger, Psychologe, Kosmetiker, Friseur und mit Pflanzen und Blumen muss man sich auch auskennen. Man muss belesen sein für die Zitate in den Trauerreden“. Pietätvoller und ehrlicher Umgang mit den Hinterbliebenen sind für ihn die beiden großen Schlagworte. Und ganz wichtig: Auf die Wünsche der Hinterbliebenen eingehen. „Das letzte, woran sie sich bezüglich des Verstorbenen erinnern werden, ist der Tag des Abschieds. Und das soll ein schöner, ein würdiger Tag werden“, erklärt er.

Ronny Häberer hatte ursprünglich den Beruf des Kochs gelernt. Durch einen Trauerfall im Bekanntenkreis kam er erstmals mit dem Thema Bestattung in Berührung. Das sensible Thema der Hilfe und des Händereichens hat ihn fasziniert und nicht mehr losgelassen. Seit 2005 arbeitete er als Angestellter bei einem Bestatter. Im September 2011 machte er sich gemeinsam mit Ehefrau Conny mit einem eigenen Bestattungsunternehmen in Gera-Lusan selbstständig.


Bestatter

In Deutschland kann man Bestatter werden, ohne eine Ausbildung mit abschließender Prüfung absolviert zu haben. Um als Bestatter tätig werden zu können, ist nach der Gewerbeverordnung lediglich ein Gewerbeschein notwendig.

Erst seit 2003 gibt es in Deutschland eine staatlich anerkannte dreijährige Ausbildung zur Bestatterfachkraft. Es gibt einen bundeseinheitlich geregelten Ausbildungsberuf – die Bestattungsfachkraft und ein Bundesausbildungszentrum der Bestatter. Dieses Bundesausbildungszentrum der Bestatter liegt in Münnerstadt (Unterfranken) und beherbergt den weltweit einzigen Lehrfriedhof. Hier kann man sich nach abgeschlossener Ausbildung zur Bestattungsfachkraft zum geprüften Bestatter, zum Bestattermeister, Kremationstechniker oder aber zum geprüften Thanatopraktiker fortbilden lassen.

Die Qualifikation zum/zur Bestattermeister/in setzt die Kenntnisse der Bestattungsfachkraft oder des Geprüften Bestatters voraus. Die Spezialisierung zum/zur Thanatopraktiker/in bedingt die Qualifikation als Bestattungsfachkraft, Geprüfter Bestatter und/oder als Bestattermeister/in.

Die Ausweitung und die Vereinheitlichung der Ausbildungsinhalte, die Abstimmung der Ausbildungsinhalte beim „Geprüften Bestatter“ und dem „Bestattermeister“ sowie die Ausbildungs- gestaltung für die „Bestattungsfachkraft“ bedingen eine bundeseinheitliche Ausbildung und Prüfungsvorbereitung. Seit 2001 hat der Fachverlag des deutschen Bestattungsgewerbes die Planung, Organisation und Durchführung der bundeseinheitlichen Ausbildung übernommen. Eine bundesweit einheitliche Ausbildung nach den anerkannten Standards der Ausbildung im Handwerk gewährleistet ein einheitliches Berufsbild und eine hohe Qualität der Ausbildung. Die Ausbildungsinhalte sind in den einzelnen Ausbildungsgängen definiert und aufeinander abgestimmt.

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4 Kommentare
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Mike Picolin aus Gera | 29.06.2014 | 10:23  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 29.06.2014 | 10:29  
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Steffen Weiß aus Gera | 30.06.2014 | 07:00  
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Petra Seidel aus Weimar | 06.07.2014 | 19:37  
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