Leider wahr geworden: "Für meine Katzen würde ich durchs Feuer gehen". Familie in Ronneburg steht nach dem Brand ihres Hauses vor dem Nichts

Von ihrem kleinen Häuschen ist nach dem Brand nicht viel übrig geblieben. Gabriele und Michael Sommer wissen nicht, wie es weiter gehen soll.
 
Reste vom Dach ihres Hauses.
 
Eine der Katzen streunt noch durch die Brandruine. Sie lässt sich vom dem Schreckensort nicht wegbewegen.
„Für meine Katzen würde ich durchs Feuer gehen“, ist sich die tierliebe Gabriele Sommer schon immer sicher. Davon ausgegangen, dass dieser Albtraum eines Tages wahr werden würde, ist die 56-Jährige nicht.

Die Sommers aus dem ostthüringischen Ronneburg haben nicht viel. Ein kleines Häuschen zum Mietkauf, das sie ohne großen Luxus in den vergangenen vier Jahren mit eigenen Händen auf Vordermann gebracht haben. Ein kleiner liebevoll hergerichteter Garten. Gabriele Sommer ist verrentet. Sie liebt Katzen. Für sie sind es mystische Wesen, schön und elegant. „Sie geben einem so viel Wärme. Und sie spenden Trost, wenn es einem nicht so gut geht. Sie sind die besten Therapeuten der Welt. Die Tiere gehören zu mir und unserem Leben“, schwärmt sie.

In Ronneburg ist Gabriele Sommer bekannt als die „Katzenmutti“. So kommt ein Kätzchen zum nächsten. Mittlerweile 16. „Mehr geht nicht“, fügt Michael Sommer, ihr Mann, an. Die Sommers haben nicht viel Geld. Er, ebenfalls 56-jährig, wurde während der Krankschreibung entlassen.

Aber es gibt Leute im Ort, die noch weniger haben. Für sie war das Paar an diesem Mittwoch wieder unterwegs. In Gera bei der Tafel Lebensmittel holen. Zum gemütlichen Kaffeetrinken danach - bei den Sommers ein Ritual - sollte es nicht mehr kommen.

Irgendetwas riecht. Beide schauen vom Garten aus Richtung Dach. Es qualmt. Die Löschversuche mit dem Gartenschlauch können nicht verhindern, dass ihr Traum in lodernde Flammen aufgeht. Die ersten Dachluken bersten unter der Hitze. Der freie Weg für den Sauerstoff facht das Feuer an. Gabriele Sommer rennt ins Haus. Holt eine Katze nach der anderen raus. „Ich hatte in dem Moment nicht nachgedacht. Ich hätte keine Katze drin gelassen. Und dann standen wir da. Man kann nichts machen. Wut. Hoffnungslosigkeit. Trauer. Schmerz. Alles gleichzeitig!“, erzählt sie und wischt sich die Tränen aus den Augen. Was das Feuer nicht frisst, wird vom Löschwasser zerstört. Fast kniehoch steht es im Haus.

Zwei Wochen später. Das Ehepaar hat ein neues Dach über dem Kopf. Logischerweise nicht das im eigenen Haus. Ein Mietwohnung, nur rund 100 Meter entfernt. Aber immer noch besser, als im Sportlerheim zu wohnen. Etwas karg sieht es in der Wohnung aus. Im Wohnzimmer zwei Campingstühle, ein Alutischchen, ein Hocker und eine Stehlampe. Anstelle eines Ehebetts finden sich nebenan zwei Matratzen und Bettzeug. In der Küche eine Mikrowelle auf einem Pappkarton, ein Wasserkocher und ein Toaster auf dem Fensterbrett. Katzenspielzeug und in der Küche noch jede Menge Plastiktüten mit Klamotten. Das war’s. Mehr haben die Sommers nicht. Und dass sie das Wenige überhaupt besitzen, ist Freunden, Nachbarn und Spendern zu verdanken.

Geblieben waren dem Ehepaar nach dem Brand die Gartenkleidung auf dem Leib, ein altes Handy, ein von der Feuerwehr gerettetes Fotoalbum und ein paar Bilder von der Wand. Und 16 Katzen. Zwei von ihnen halten sie derzeit in der neuen Wohnung. Eine von beiden – Lusi - leidet noch immer an Durchfall, wahrscheinlich von den hochgiftigen Brandrückständen. Eine der Katzen ist vom Unglücksort nicht wegzubewegen, streicht nach wie vor durch die Ruine. Die Anderen konnten glücklicherweise auf einem Bauernhof - „wo alle Tiere frei herum laufen dürfen“, fügt Gabriele Sommer an - untergekommen. Und schon wieder kann sie die Tränen nicht zurück halten.

Zu verarbeiten, was da passiert ist, fällt ihr auch zwei Wochen später schwer. Die Sommers hatten es in ihrem Leben, das von Schicksalsschlägen geprägt ist, noch nie einfach. Aber den Kopf in den Sand stecken möchten sie trotzdem nicht. Es geht weiter. Und schon klingelt auch das Handy mit einem weiteren Hilfsangebot. Das alles zu organisieren, fordert derzeit ihre ganze Kraft. „Ich möchte wenigstens ,daheim‘ sein, wenn uns jemand etwas bringt, um mich persönlich bedanken zu können“, betont sie.

Das Gutachten der Kripo zur Brandursache liegt noch nicht vor. Schulterzucken. Gabriele und Michael Sommer können es sich nicht erklären, wie es zum Brand kommen konnte. Die Elektrik war neu. Ende April hat der Schornsteinfeger die Esse geprüft. Seitdem war keiner auf dem Dachboden. Am Tag des Brandes wurde der Schornstein per Zugang von außen gekehrt, erklärt Michael Sommer.

In die Brandruine dürfen die Beiden noch nicht. Ob sich darin noch etwas Verwertbares findet, wissen sie nicht. Ebenso wenig wissen sie, ob das Haus abgerissen werden muss oder wieder aufgebaut werden kann. Letzteres würde das Ehepaar trotz des schrecklichen Erlebnisses begrüßen. „Das Haus ist unser Traum. Wir haben so viel Arbeit hinein gesteckt. Wo sollen wir denn sonst hin mit unseren Katzen? Kein Vermieter nimmt uns mit mehr als drei Katzen“, bringen sie ihre Verzweiflung zum Ausdruck. Wenn das Haus nicht einsturzgefährdet ist und Geld von der Versicherung an den Hauseigentümer fließt, dann wolle er es wohl wieder aufbauen lassen.

Davon können die Sommers nur träumen. Aber es bleibt keine Zeit dazu. Der derzeitige Organisationsaufwand ist erheblich. „Sonst bin ich mit 20 Euro für Sprit pro Monat ausgekommen“, so Michael Sommer. Zurzeit kommt er damit nicht weit. Aber zum Glück ist ihnen das Auto geblieben. So können sie wenigstens die gespendeten Kleidungsstücke, die nicht passen sollten, wieder zur Caritas bringen.

Apropos Hilfe. Nachbarn und gute Freunde stehen ihnen von der ersten Minute zur Seite. Sabrina Gewohn vom Haus gegenüber hat gleich einen Hilfeaufruf in den sozialen Netzwerken gestartet. Sie helfen, wo sie können, ob mit Wäsche waschen, zum Essen einladen oder Möbel organisieren.

Was den Sommers derzeit am meisten fehlt, ist Geld. Wie in vielen Haushalten, wo nicht viel davon vorhanden ist, geht auch das Ronneburger Ehepaar nur einmal im Monat zum Großeinkauf. Der jetzt nicht mehr existierende Kühlschrank war gerade erst vor dem Brand aufgefüllt.

Der von Sabrina Gewohn ins Leben gerufene Spendenaufruf ist hier zu finden. Auf der eigens eingerichteten Internetseite ist auch der aktuelle Stand der Hilfe zu erfahren.



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