Mein Fulltime-Job für fünf Euro

Ronald Patzer bei den Verschönerungs- und Aufräumarbeiten in Hain. (Foto: Manfred Malinka)
  6.30 Uhr: Der Wecker klingelt. Aufstehen. Nein, ich bleibe liegen. Wegen einem
Euro stehe ich nicht auf. Die Stunde verdiene ich einen Euro. Aber ich muss fünf Stunden arbeiten. Also hoch! Kaffee trinken und aus dem Haus. In wenigen Minuten ist Arbeitsbeginn.

7.15 Uhr: Arbeitsbeginn in der Gemeinde. Seit Mai schon habe ich diesen so genannten Ein-Euro-Job und er läuft noch bis 31. Oktober. Die Arbeit macht Spaß. Ich hole den Multicar am Feuerwehrgerätehaus, lade mein Arbeitsmaterial wie Besen und Rechen auf und beginne meine Tour
durch die Gemeinde.

7.30 Uhr: Am Buswartehäuschen verschneide ich Hecken und Büsche mit der Gartenschere und mache das Straßengerinne sauber. Jetzt, in den Ferien, sieht es im Häuschen manierlich aus. Aber während der Schulzeit muss ich täglich kehren und den Papierkorb leeren. Hin und wieder liegen auch Zigarettenkippen drin. „Wer da wohl raucht?“, frage ich mich.

9.30 Uhr: Zwei Stunden sind schnell vorbei. Man kann aber in Ruhe arbeiten.
Im 74-Seelen-Ort selbst ist kaum jemand da – entweder sind die Leute auf Arbeit oder im Urlaub. Am Feuerwehrhaus entferne ich das hohe Gras am Hang und reinige den Straßenrand. Ich kehre das Feuerwehrgerätehaus schnell noch einmal und fahre mit dem Multicar, der wieder ganz schwer anspringt, zur Talsperre. Von Bürgermeister Friedrich, meinem Arbeitgeber, habe ich den Auftrag, die fünf an der Sperre verbliebenen Boote zum Bootsparkplatz zu bringen, wo sie im Herbst und Winter verbleiben. Im Moment kann ohnehin niemand rudern, das Wasser ist zu flach. Allein ist es eine ganz schöne Rackerei, die 200 Meter bis zum Depot. Aber ich schaffe es und als ich auf
die Uhr schaue, ist es zwölf! Ich muss noch die Papierkörbe leeren, gestern war wieder Betrieb hier. Das Wetter war prima und viele Badegäste kamen.
Nachdem die Körbe mit Plastikbeutel versehen sind, beginnt es leicht zu regnen. Ich fahre noch die Kontrolle bis zur Teufelskanzel und dann mit dem Multicar wieder den Berg hinauf zum Unterstand für das Fahrzeug.

13 Uhr: Die fünf Stunden vergingen wie im Fluge. Es ist wenig geschafft, was Außenwirkung hat. Aber der Ort sieht aufgeräumt und gepflegt aus. Das lasse ich mir nicht nachsagen, hier zu gammeln – auch wenn es nur für einen Euro ist. Besser als zu Hause sitzen. Die knappe Überstunde wird am nächsten
Tag abgebummelt, wenn es geht. Meine Frau ist auch gerade zu Hause eingetroffen, wir machen Mittag. Eier und Senfsoße gibt es heute.

14 Uhr: Ich fahre jetzt nach Greiz. Im Ehrenamt bin ich Nachwuchsleiter beim
1. FC Greiz. Gerade jetzt in der Saisonvorbereitung gibt es jede Menge Schreibkram zu erledigen. Während der Schulzeit betreue ich Arbeitsgemeinschaften in Naitschau, Obergrochlitz und Greiz. Dann mache ich das Training mit den E 2-Junioren.

17.30 Uhr: Ich fahre zur Spieljahreseröffnung nach Gera. Da muss von jedem Verein ein Vertreter da sein. Doch wer soll hingehen, außer mir? Die anderen arbeiten alle.

20 Uhr: Endlich Zeit, mich um Frau und Kind zu kümmern. Feierabend! Doch Halt! Ich bin ja noch Schiedsrichter-Ansetzer in Ostthüringen. Ich muss also noch online gehen und einige Referees für das Wochenende ansetzen. Meiner Frau gefällt das gar nicht. Verständlich. Aber manchmal weiß ich nicht, was ich zuerst machen soll. Ich habe einen Fulltime-Job. Verdient habe ich heute fünf
Euro. Passt das zusammen?

In Hain dabei war: Manfred
Malinka
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