Nach dem Tod: Was geschieht mit den orthopädischen Implantaten nach der Einäscherung?

Betriebsleiter Michael Bretschneider hält ein etwa 40 Jahre altes Kniegelenk in den Händen.
 
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Nach der Einäscherung verbleibende orthopädische Stähle werden dem Wertstoffkreislauf wieder zugeführt. Die Einnahmen werden zu 100 Prozent gespendet.
Ronneburg: Feuerbestattungen | In Thüringen und Sachsen wählen etwa 90 Prozent der Hinterbliebenen für den letzten Weg eines verstorbenen Angehörigen die Feuerbestattung. Beziehungsweise der Verstorbene hat es zuvor testamentarisch oder im Letzten Willen bereits so festgelegt.

Der Anteil an Feuerbestattungen ist sogar noch zunehmend. Kein Wunder. Einerseits sind Feuerbestattungen nicht so kostenintensiv wie Erdbestattungen und andererseits bieten Feuerbestattungen auch mehr Möglichkeiten durch individuelle Bestattungsformen auf die Persönlichkeit des Verstorbenen einzugehen. Anonyme Urnengräber sind ebenso möglich wie Seebestattungen oder die Ausstreuung der Asche im Ausland.

In den vergangenen Jahren sind immer wieder vereinzelte Krematorien in die Schlagzeilen der Presse geraten, weil sich Mitarbeiter an Edelmetallen der Verstorbenen persönlich bereichert haben.

Was wird mit den Edelmetallen und was wird mit den orthopädischen Implantaten? Befragt haben wir hierzu Michael Bretschneider, Betriebsleiter der Feuerbestattungen Ronneburg, Mitgliedsbetrieb der Gütegemeinschaft Feuerbestattungsanlagen e.V. Die Gütegemeinschaft zeichnet richtungsweisend deutsche Krematorien aus, in denen sowohl Qualität als auch ein würdevoller Umgang mit Verstorbenen und Hinterblibenen an erster Stelle stehen. Feuerbestattungsanlagen, die sich unter dem Gütezeichen zusammengeschlossen haben, leisten deshalb freiwillig mehr, als der gesetzliche Rahmen vorschreibt.

Der Gesetzgeber schreibt vor, so Bretschneider, dass sämtliche Edelmetalle nach der Einäscherung in der Asche verbleiben und mit beigesetzt werden. "In unserem Haus wird kein Zahngold und Schmuckgold aus der Urne entnommen. Dies gehört unserer Auffassung unbedingt zum Verstorbenen und wird in der Asche mit beigesetzt", versichert er.

Anders verhält es sich bei den medizinischen Stählen. Etwa jeder dritte Verstorbene, so der Fachmann, hat medizinische Implantate, Gelenke, Herzschrittmacher. Nichts wird sinnlos vernichtet. Deshalb ist man sich in der Gütegemeinschaft Feuerbestattungsanlagen einig, diese wertvollen Metallimplantate dem Wertstoffkreislauf wieder zuzuführen. Pro Quartal fallen im Ronneburger Krematorium etwa 200 Kilogramm an. OrthoMetals ist eine holländische Spezialfirma, die orthopädische Implantate und Metallrückstände aufkauft und entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen dem Recycling zuführt. So entstand dem Ronneburger Krematorium 2010 ein Erlös von 386 Euro, voriges Jahr 4700 Euro.

"Wir möchten uns an den nach der Einäscherung verbleibenden Wertstoffen nicht bereichern. Diesen Erlös stellen wir zu 100 Prozent sozialen Zwecken zur Verfügung", erklärt Bretschneider. So wurden vergangenes Jahr die Jugendfeuerwehrspiele der Freiwilligen Feuerwehr Ronneburg unterstützt. Von dem 2011er Erlös wurde die Stadtverwaltung Ronneburg mit 500 Euro für die Ehrenamtsförderung und die Kindertagesstätte "Luftikus" mit 2000 Euro gesponsert. Die Kita erlebte Ende des vergangenen Jahres einen Wasserrohrbruch, der einen immensen Schaden nach sich zog. Für die über hundert Kinder musste ein Ausweichquartier gefunden werden. Derzeit dauern die Bauarbeiten in der Kindertagesstätte noch an. Bretschneider freut sich, mit der Spende auch einen Beitrag für die notwendigen Neuanschaffungen geleistet zu haben.

Bleibt noch ein Betrag von 2200 Euro vom Erlös offen. Die würde Michael Bretschneider gern einer caritativen oder sozialen Einrichtung/Verein in Gera zur Verügung stellen.
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14 Kommentare
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Lutz Leipold aus Ilmenau | 28.02.2012 | 16:02  
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Renato Pietsch aus Heiligenstadt | 28.02.2012 | 16:07  
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Gerald Kohl aus Erfurt | 28.02.2012 | 19:25  
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Hannelore Grünler aus Artern | 28.02.2012 | 19:47  
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Renate Jung aus Erfurt | 29.02.2012 | 00:10  
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Hannelore Grünler aus Artern | 29.02.2012 | 01:55  
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Steffen Weiß aus Gera | 04.03.2012 | 12:40  
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