Pilzköpfe in Sicht, Herr Wagner?

Der Pilzsachverständige Bodo Wagner mit Pilzausbeute verschiedener Sammler. In der rechten Hand ein kapitaler Steinpilz in Steinsdorf gefunden - links ebenfalls ein kapitaler Fund, allerdings ein Bitterröhrling, über den sich Finder Toni Weymann nur kurz freuen konnte...
Gera: Bodo Wagner | So richtig „fette“ Beute haben Pilzsammler in diesem Jahr noch nicht machen können, oft schaut man beim Waldspaziergang in leere Körbe und enttäuschte Gesichter. Der AA Gera fragte deshalb mal bei einem Experten nach – dem Pilzsachverständigen Bodo Wagner. Er arbeitet als Dozent bei der VHS, mit dem Krankenhaus und der Giftnotrufzentrale zusammen, bietet Wanderungen und Vorträge an und bestimmt gegen einen kleinen Obolus Pilze von Privatsammlern.

Herr Wagner, gibt’s denn noch Hoffnung für Pilzsucher?

Ja – ich glaube schon. In den letzten Tagen gab es bereits einige Funde, die Hoffnung machen. Es müsste allerdings noch mal richtig regnen.

Woran lag’s, dass es bisher sehr dünn aussah?

Es war einfach zu lange trocken. Pilze brauchen neben spezifischer Bodenbeschaffenheit – je nach Art sauren, kalkhaltigen oder normal basischen Boden - ausreichend Boden- und Luftfeuchtigkeit. Die hat einfach gefehlt.

Ein kleiner Hinweis – wo wird man fündig in Gera und wann ist die beste Sammelzeit?
Ein beliebtes Sammelgebiet ist zum Beispiel der Stadtwald. Er bietet eine große Vielfalt an Pilzarten. Pilzsaison ist das ganze Jahr. Die beliebteste Zeiten bei Hobbysammler sind natürlich der Sommer und Herbst. Wenn es um die Uhrzeit geht – natürlich möglichst früh am Morgen, dann schießen die Pilze durch die hohe Luftfeuchte noch mal richtig aus dem Boden. Wer zuerst kommt…

Die allgemein beliebtesten Pilze?
Steinpilze, Maronen, Champignons, Birkenpilze, Rotkappen, Butterpilze, Pfifferlinge. Diejenigen, die sich etwas mehr auskennen, nehmen verschiedene Ritterlinge und Täublinge, Parasolpilze, Kuhmaul, Morcheln etc. gern mit.

Schneiden oder rausdrehen? Hier scheiden sich die Geister…
Keine Frage: Wer sich ganz sicher ist bei seinem Fund, der schneidet. Wer nicht, braucht den gesamten Pilz, um ihn bestimmen zu können (oder einen Experten zu befragen) – und muss ihn komplett ausgraben, denn auch unterhalb des Erdreiches hat Pilz ganz spezifische Merkmale. Nur so kann man Verwechslungen mit tödlich giftigen Doppelgängern ausschließen.

Wie viele Arten Pilze gibt es in unserem mitteleuropäischen Klima?
Rund 3000 Arten Großpilze – essbar, ungenießbar und giftig.

Wenn jemand meint, er kenne alle Pilzarten…?
Wenn derjenige Sie zum Pilzessen einlädt, lehnen Sie ruhig dankend ab…

An welche Regeln sollte man sich unbedingt halten?
Nur die Pilze nehmen, die man wirklich kennt. Oder ab damit zum Spezialisten.
Grundsätzlich sollte man essbare Pilze – bis auf ganz seltene Ausnahmen – nie roh essen. Dann nämlich sind sie Gift für den menschlichen Organismus und kann – über lange Zeit - zur Blutzersetzung führen. Tipp: Bei Maronen vor dem Verspeisen die dünne Haut des Hutes abziehen – sie ist besonders stark mit giftigem Cadmium, Blei und Quecksilber belastet durch das Reaktorunglück in Tschernobyl.

Infos: Bodo Wagner, Pilzsachverständiger bei der Deutschen Gesellschaft und Thüringer Arbeitsgemeinschaft Mykologie,
Dozent bei der VHS,
Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus und der Giftnotrufzentrale, Wanderungen und Vorträge, Pilzbestimmung für Privatsammlern (gegen geringen Obolus)
Gera, Tel. 0365/552 39 17
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige