Reeperbahn wird Wappen von Saalburg. Klaus-Peter Pretzsch will alte Schifffahrtslinie nach Harra wieder beleben

Klaus-Peter Pretzsch: Da kauf ich mir eben noch ein Schiff! Hier ist es: die "Reeperbahn".
 
Bezüglich des Schiffrumpfes und der Technik ist die "Reeperbahn" vollkommen in Ordnung.
Saalburg-Ebersdorf: Surfwiese | „Sie ist mit 50 Jahren eine alte Lady. Daraus kann man nicht einfach eine 18-Jährige machen“, meint Klaus-Peter Pretzsch schmunzelnd. Davon abgesehen, dass es tatsächlich schwierig wäre – er möchte es auch nicht. Die Rede ist von der „Reeperbahn“. Nein, nicht die in Hamburg. Es geht um das Motorschiff „Reeperbahn“.

Rückblende. Männertag 2011. Pretzsch ist mit dem MS „Bad Lobenstein“ auf der alten Schifffahrtsroute Saalburg – Harra unterwegs. Die wurde in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eingestellt. Dementsprechend erfährt er einen riesigen Zuspruch. Die Fahrgäste zeigen sich begeistert. Zwischen dem Mühlberg und Harra bekommt das Ausflugsschiff Begleitung. Die Polizei fährt nebenher. Schnell wird klar, dass sich die Uniformierten nicht mit amüsieren wollen, sondern ihrem Job aufgrund einer Anzeige nachgehen. An der Anlegestelle Harra zählen sie die aussteigenden Passagiere. Die Bad Lobenstein ist für 25 zugelassen. Die Beamten zählen weitaus mehr. Somit hat der Schiffseigner eine ihm teuer zu stehen kommende Anzeige am Hals. Gleichzeitig gibt es die Auflage, eine eventuelle Hochstufung der maximal zulässigen Personenzahl untersuchen zu lassen. Da es die Tragfähigkeit des Schiffes zulässt, wäre durchaus eine Hochstufung auf 50 Personen möglich, stellt der Gutachter fest. Allerdings müssten hierfür die Kabinen auf dem Schiff entfernt werden. Nein, das möchte Pretzsch nicht.

Der Gedanke von einem zweiten Schiff reift. Die finden sich nicht im Kleinanzeigenteil der Zeitung. Pretzsch nimmt Kontakt mit der Schiffsmaklerin auf, die ihm auch schon die „Bad Lobenstein“ vermittelt hat. Im November hat sie ein passendes Angebot gefunden: die in Merseburg liegende „Reeperbahn“. Der Saalburger Reeder macht sich auf nach Merseburg, beschnuppert das Schiff, die Technik, die Papiere. „Es hat alles gepasst“, freut sich Pretzsch. Es folgt der bittende Gang zur Bank. Zu verhandeln gibt es da ja weitaus mehr als nur den Kaufpreis. „Allein der Transport und die Kräne kosten über 11.000 Euro“, gibt er zu bedenken. Im Vergleich zu den Transportkosten seiner „Bad Lobenstein“ fast ein Schnäppchen! Die schlugen mit 47.000 Euro zu Buche.

Anfang März ist es endlich soweit. Auf der Slipanlage wurde Platz geschaffen, die „Bad Lobenstein“ zu Wasser gelassen. Gerade mal reichlich drei Stunden ist das Schwertransportunternehmen mit der „Reeperbahn“ von Weißenfels nach Saalburg unterwegs. Der hinterher fahrende Neueigentümer kommt angesichts der rasanten Fahrt selbst ins Schwitzen. „Aber die Männer der Fa. Fischer aus Neustadt an der Orla haben eine perfekte Arbeit geleistet!“, lobt Pretzsch.

Nun beginnt die eigentliche Arbeit. Die „Reeperbahn“ steht auf Slip. Sie muss soweit fertig gemacht werden, dass sie Mitte April zu Wasser gelassen werden kann. Dann folgen die ersten Probefahrten. Schauen, ob die Technik mitspielt. Offiziell in Dienst soll sie am 12. Mai gestellt werden – dem fünfjährigen Dienstjubiläum von Klaus-Peter-Pretzsch. Die Thüringer Meerjungfrau wird sie auf den Namen „Wappen von Saalburg“ taufen.

Bis dahin wartet noch viel Arbeit. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Außenbereich. Das Schiff erhält einen komplett neuen Anstrich. Innen stehen Verschönerungsarbeiten an. Der Tresenbereich muss noch ausgebaut werden, im Steuerhaus gibt es einiges zu tun. Schiffsrumpf, Motor und Getriebe sind in Ordnung. Angetrieben wird das Schiff von einem Sechszylinder-Diesel der Fa. Schöneck mit 180 PS. Das reicht für eine normale Fahrgeschwindigkeit von 18 Stundenkilometern. Halt! Spricht man bei der Schifffahrt nicht immer von Knoten? „Nur bei der Seeschifffahrt“, klärt der Binnenkapitän auf. Apropos Kapitän. Wer soll denn das neue Schiff fahren? Sein Neffe Sven Mathhes. Er legt derzeit die Prüfung als Schiffsführer ab.

Vorausblick. Falls die Polizei am Männertag 2012 in Harra wieder aussteigende Passagiere zählen möchte: 55 sind zugelassen für die „Wappen von Saalburg“.
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11 Kommentare
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Karin Jordanland aus Artern | 11.04.2012 | 19:52  
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Renate Jung aus Erfurt | 11.04.2012 | 22:48  
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Hannelore Grünler aus Artern | 11.04.2012 | 23:30  
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Joachim Kerst aus Erfurt | 12.04.2012 | 09:14  
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