Schleiz ist nicht Paris. Gedanken zur 9. Schleizer Modenacht

Anika Scheibe, Siegerin der Vox-Castingshow "Das perfekte Model"
 
Der Schleizer Bürgermeister Juergen K. Klimpke (links) im Gespräch mit Moderator André Frank.
Schleiz ist weder Paris, noch Mailand. Schleiz ist ein kleines, eher verschlafenes Städtchen in Ostthüringen.

Und doch schickt sich die Kreisstadt an, es den großen Modemetropolen gleich zu tun. Modenacht nennt sich das Zauberwort, um das Volk in Scharen zu später Stunde - wo ansonsten die Bürgersteige im wahrsten Sinne des Wortes hochgeklappt sind - in die Innenstadt zu locken. Das klappt seit acht Jahren zugebenermaßen ganz gut.

Die Lokalgrößen der Modebranche - nicht die Designer oder Hersteller, sondern die Verkäufer - machen neugierig auf die neuesten Trends. Dass die Models und Dressmans aus der Nachbarschaft beim Vorführen auf Asphalt oder Pflaster vor den Geschäften mehr mit dem Grüßen bekannter Gesichter unter dem Publikum beschäftigt sind, ist nicht weiter tragisch, es gehört dazu.

Voriges Jahr hatten die Modenachtmacher die geniale Idee, sich mit der aus Saalburg (zwölf Kilometer von Schleiz entfernt) stammenden Anika Scheibe ein Zugpferd zu holen. Anika Scheibe konnte im März 2012 die VOX-Castingshow "Das perfekte Model" für sich entscheiden und läuft seitdem auf der halben Welt auf den großen Laufstegen. Apropos groß. Anika Scheibe ist 1,77 Meter groß. 74/61/82. Die seit Jahren in München lebende Frohnatur hat den Auftrag, in ihrer alten Heimat Mode zu präsentieren, gern angenommen. Zur diesjährigen Auflage der Modenacht hat sie gleich noch Freundin und Kollegin Nina Bauer mitgebracht.

Sehen möchte die beiden Jeder. Aber: Schleiz ist nicht Paris und Oettersdorf ist erst recht nicht Mailand. Models, die auf den Laufstegen der Welt Haute Couture vorführen, haben in der Regel andere Körpermaße als die Fachverkäuferin hinter der Fleischtheke. Als Journalist inkognito im Publikum zu stehen mag zwar durchaus interessant sein. Aber mit Anhören zu müssen, wie das Volk über die Profi-Models spricht, ist alles andere als schön. Ich erspare mir an dieser Stelle, die gehörten Begriffe zu wiederholen.

Ursprünglich hatte ich nicht vor, die Schleizer Modenacht in irgendeiner Form journalistisch aufzuarbeiten - schließlich war auch ein Kollege vor Ort und hat dies gemacht. Ausschlaggebendes Ereignis es dennoch zu tun, war ein Randerlebnis bei der Modenschau zwischen Atrium und Sparkassengebäude.

Den Kopf in die Höhe strecken hat nichts genützt. Die Modenschau war derart gut besucht, dass nur die Pünktlichen etwas gesehen haben. Halb so tragisch, denke ich mir, es sind ja noch "Logenplätze" auf der Terrasse von Una's Eiscafe frei. Schon freuend, den Modegenuss mit Kaffeegenuss paaren zu können, stellt sich mir mit null Zentimeter Abstand eine rockerähnliche Gestalt - einen Kopf kleiner aber doppelt so breit wie ich - in den Weg und verwehrt den Zutritt. Während der Wirt gelassen zuschaut, bekomme ich nach kurzem unverständlichen Wortwechsel Schläge angedroht.

Na ein Glück, dass es auch positive Erlebnisse zur Schleizer Modenacht gab. Eine gewöhnliche Rostbratwurst war am Hauptveranstaltungsort, dem Neumarkt, nicht zu bekommen. Wie es sich für eine Modenacht gehört, wurde mit mehreren Ständen eine Schlemmermeile installiert. Roulade und Klöße mitten auf dem Neumarkt, sogar mit versilberten Plastikbesteck. Wahnsinn! Da ist es auch halb so wild, dass das Chilli Con Carne zum Veranstaltungsbeginn noch nicht fertig und die verkauften Burger nicht durch waren.

Gut versteckt, meine Tipps, was man nächstes Jahr besser machen könnte, oder?

Wenn ich bei den Tipps bin, dann abschließend noch einer: Verwendet auf der Hauptbühne kein farbiges Licht als Hauptlicht für die Models. Es soll Mode präsentiert werden. Dabei interessieren die Zuschauer nicht nur die Schnitte der Stücke. Die Farbe der Kleidungsstücke spielt für Kaufinteressenten keine untergeordnete Rolle. Wie soll die beurteilt werden können, wenn alles farbig angestrahlt wird? Und es gäbe noch einen positiven Nebeneffekt, wenn auf farbiges Licht verzichtet würde: Manche Junggesellen im Publikum würden den Laufsteg vielleicht nicht mehr mit einer Stripteasebar verwechseln und den Models Geldscheine entgegen strecken!

Mehr über Anika Scheibe:

http://www.meinanzeiger.de/gera/leute/das-perfekte...
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Lars Werner aus Gera | 03.09.2013 | 09:15  
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Steffen Weiß aus Gera | 03.09.2013 | 09:56  
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Renate Jung aus Erfurt | 04.09.2013 | 23:17  
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Steffen Weiß aus Gera | 06.09.2013 | 20:26  
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