Sonntagmorgen-Glück in Gera

Sonntagmorgen-Glück in Gera

Es ist kurz vor halb 8. Leise husche ich aus meinem Bett und dem Schlafzimmer. Ein kurzer Blick nach draußen lässt mich einen schönen Morgen erahnen und ich habe Lust, mal wieder zu laufen. Ich schlüpfe in meine Sportsachen, trinke noch einen Schluck Wasser und stecke den Wohnungsschlüssel ein. Dann fällt die Tür hinter mir ins Schloss.

Der Tag empfängt mich mit frischer Luft und ich nehme einen tiefen Atemzug. Ich bin allein auf der Straße. Debschwitz schläft noch. Also los! Ich laufe die Keplerstraße hoch, vorbei an den Einfamilienhäusern, deren Augen noch geschlossen sind. Zumindest sieht es für mich so aus, denn in den meisten Fenstern sind die Rollos unten.

Nach der Treppe im Keplerpark bin ich das erst mal außer Puste, doch die beruhigt sich schnell wieder. Ich wähle den Weg durch den Wald und biege in die Dürrenebersdorfer Straße ein. Das Leben in der Siedlung erwacht nur langsam. Ein Mann holt gerade die Zeitung aus dem Briefkasten. Er grüßt mich freundlich und ich wünsche ihm einen „Guten Morgen“ zurück. Durch die offene Haustür strömt Kaffeeduft und streift mich kurz. Vorfreude auf mein Frühstück keimt in mir auf. Doch erst meine Runde zu Ende laufen, dann die Belohnung!
Ich wechsle vom Asphalt der Straße auf den Waldweg und spüre, wie angenehm weich es sich dort laufen lässt. Meine Füße und die Bandscheiben freuen sich.

An der nächsten Gabelung wende ich mich nach links, Richtung Zeulsdorf, vorbei an dem kleinen Wasserwerk. Ich weiß, dass hier bis vor kurzem noch gebaut wurde. Heute kann ich den Weg ungehindert gehen. Die Erde, die ringsum ausgebuddelt war, ist wieder plan, aber kahl. Doch nicht mehr lange, denke ich. Überall sehe ich Grassamen und lächle.
Als ich mich gerade wundere, dass mir bis jetzt noch niemand entgegen gekommen ist, sehe ich einige Meter vor mir einen Schatten und im gleichen Moment einen Jogger. Ein kurzer Gruß unter Läufern und schon ist er vorbei.

Eigentlich will ich jetzt den Rückweg antreten, aber mein Ehrgeiz lässt mich noch einen Schwenk in Richtung Weißig machen. Es ist fast lautlos. Der Wind trägt keine Autogeräusche von der B2 herüber. Alles, was ich höre, ist Natur. Rauschende Bäume, Vögel, ein Ast knackt. Wieder laufe ich über Waldboden und fühle mich stark, ungezwungen. Der Wald lichtet sich und gibt den Blick frei auf Zeulsdorf. Die abgeernteten Felder und bunten Blätter der Bäume sprechen eine eindeutige Sprache. Es wird Herbst und ich spüre ein wenig Wehmut in mir. Doch die Farben der Natur holen mich schnell zurück aus meinen Gedanken. Schon von Weitem leuchten kräftig rote Beeren zwischen dunkelgrünen Blättern. Der Kontrast ist ein Fest für meine Augen. Ich gönne ihnen mehr davon und bleibe kurz stehen. Ich bin mir nicht sicher, was für ein Strauch das ist. Ich glaube, irgendein Dorn. Merke! Zu Hause Freund Google fragen!
Weiter geht’s! Das Haus unserer Freunde kommt in mein Blickfeld. Klar, die schlafen noch. Im Vorbeilaufen erinnere ich mich an unsere gemeinsamen Sommerabende und sehe uns auf der Terrasse um den Feuerkorb sitzen. Merke! Bald mal wieder ein Treffen ausmachen.
In Zeulsdorf nehme ich die Steigung entlang der Kleingärten und laufe dann durch den Wald zurück zur Dürrenebersdorfer Straße. Hier schließt sich meine Runde wieder. Jetzt geht es nur noch bergab, zurück in die „Zivilisation“. Ein rätschender Vogelruf weckt meine Neugier. Am Fichtenweg in einer Fichte, wo auch sonst, entdecke ich einen stattlichen Eichelhäher. Er sitzt so nah, dass ich seine blau schillernden Federn gut erkennen kann. Es kommt mir vor, als ob er mit seinem Rufen die Anwohner weckt. Denn fast gleichzeitig öffnen sich eine Tür und ein Fenster, hebt sich ein Garagentor. Das ist mein Signal. Jetzt aber heim. Mein Weg zurück ist auf den letzten Metern deutlich belebter als bei meinem Start. Debschwitz wird munter. Und jetzt freue ich mich auf das Sonntagsfrühstück mit meinem Mann.
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