Was ist in Kirschkau los? In der 240-Seelen-Gemeinde soll ein mutmaßlicher Katzenhasser sein Unwesen treiben

Manuela Giegling schaut mit sorgenvollem Blick über den Dorfteich in Kirschkau. Kater Horst ist verschwunden. Wie sich herausstellt, ist das in Kirschkau kein Einzelfall.
 
Das letzte gemeinsame Foto von Margot (links) und Horst. (Foto: Gollub)
Ein Foto von Margot machen? Unmöglich! Margot verkriecht sich nur noch unterm Bett. Sie ist ängstlich. Sie geht nur noch kurz vor die Tür, um ihr Geschäft zu machen.

Margot ist eine Katze. Seit Tagen miaut sie nur noch. Ist es der Verlustschmerz, der Margot zu schaffen macht? Ihr Bruder ist nicht mehr da. Oder reagiert sie derart sensibel, weil sie weiß, was mit Horst passiert ist? Margot und Horst waren immer zusammen unterwegs, sind durch die dörfliche Idylle gestreift, haben sich gegenseitig gejagt.

Nichts ist mehr wie es einmal war. Das Geschwisterpärchen kommt immer pünktlich zum Fressen an die Kellertür, frühmorgens 7 Uhr und nachmittags 17 Uhr. Doch an diesem Donnerstag kommt Horst nicht. Ungewöhnlich. Das gab es noch nie. Am Freitag klappert Manuela Giegling einen Hof nach dem anderen in Kirschkau (Saale-Orla-Kreis) ab. Der Kater könnte ja aus Versehen in eine Scheune eingesperrt sein. Nichts. Die Teiche abgesucht, den Wald, das ganze Dorf. Nichts. Keine Spur von dem Kater.

Dann der erste Schock. Die Katzenliebhaberin ist auf eine Frau - die namentlich nicht erwähnt sein möchte - gestoßen, die meinte, dass das nicht außergewöhnlich für Kirschkau sei: „Hier sind bereits mehrere Katzen weggekommen. In Kirschkau gibt es einen Katzenhasser!“

Mittlerweile hat es sich in der 240-Seelen-Gemeinde herum gesprochen, dass erneut eine Katze abhandengekommen ist. Gieglings Lebensgefährte Jens Gollub hat mit Bürgermeister Achim Köchel gesprochen. „Das betrifft euch nicht allein. Mir sind in zwei Jahren vier Katzen weggekommen“, äußerte er sich gegenüber Gollub. „Das kann kein Zufall sein. Aber ich habe keine Beweise. Die letzte Katze kam mit einer Verletzung wie von einem Tellereisen oder einem spitzen Gegenstand nach Hause, hat die schweren Verletzungen aber nicht überlebt. Es gibt noch weitere Betroffene in Kirschkau. Aber keiner möchte Flagge zeigen. Viele halten schon gar keine Katzen mehr, weil sie eh wegkommen. Katzen sind nützliche Tiere. Die fangen Mäuse ohne Gift und Fallen“, so der Bürgermeister gegenüber dem Allgemeinen Anzeiger.

Manuela Giegling und Jens Gollub sind entsetzt. Vor 17 Jahren sind die Städter aufs Land gezogen. Sie mögen die Ruhe. Und lieben Tiere. Katzen, Hunde, Schafe, Ziegen, Pferde und schon frühmorgens um vier krähende Hähne hat Kirschkau zu bieten. „Ein Genuss!“, meint die Zugezogene. „Für Hunde gibt es gesetzliche Regelungen“, erklärt Manuela Giegling an die Leinenpflicht im öffentlichen Raum denkend. Das ist bei Katzen anders. Sie sind Freigänger und betreten somit auch fremde Grundstücke. Diesbezüglich scheint in Kirschkau ein Konflikt entstanden zu sein. „Wenn an dieser Stelle die Toleranz aufhört und dem anderen seine Katze nicht gegönnt wird, wie soll es dann mit der Toleranz im Großen, im Globalen funktionieren“, fragt sie sich.

Obwohl in Kirschkau hinter vorgehaltener Hand von zwei in Frage kommenden Personen gesprochen wird, haben die beiden Katzenliebhaber ihre Anzeige bei der Polizei gegen Unbekannt aufgegeben. Auch das Veterinäramt wurde verständigt. „Wir möchten uns nicht ohnmächtig ergeben, fühlen uns aber derzeit so“, bringt es Manuela Giegling auf den Punkt. „Wir bitten um Toleranz. Man bringt doch nicht einfach ein Tier um, weil es einem nicht passt! Die dörfliche Idylle ist dahin.“

Die beiden Katzen haben sie vor fünf Jahren zehnwöchig bekommen. Es wurde Wert darauf gelegt, dass sie aus einem Wurf stammen. „Somit vertragen sie sich besser“, erklärt Giegling. Das Paar hat extra auf den Sommerurlaub verzichtet, um die Katzen in ihr neues Zuhause einzugewöhnen und sie zu zähmen. „Es war total schön, ein Traum, wie sie Familienmitglieder wurden“, schwärmt sie zurückblickend. „Immer, wenn ich von Arbeit komme, holen mich die Katzen vom Carport ab. Der ganze Tagesstress fällt von einem ab. Katzen sind ehrlich, so wunderschöne Tiere.“ Verantwortungsbewusst wurden sie selbstverständlich kastriert beziehungsweise sterilisiert. Ein kastrierter Kater hat übrigens nur einen kleinen Aktionsradius von wenigen hundert Metern, in dem er sich bewegt – und dementsprechend auch abhandenkommen kann.
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