Wer war diese Anita Berber? Der Mensch hinter dem Bild

Irgendwie begegnet man dieser Frau in Gera immer wieder. Sie leuchtet von Plakaten, Postkarten, Lesezeichen und Kühlschrankmagneten. Fast jeder hat sie schon gesehen, diese sichtlich gealterte Diva im roten Kleid. Otto Dix verewigte sie auf der Leinwand und das Gemälde gehört heute zu seinen bekanntesten Bildern.
Doch wer war sie eigentlich, diese Anita Berber?

Anita Berber kam 1899 in unsere Welt. Kunst wurde ihr dabei bereits in die Wiege gelegt; ihre Eltern waren Violinist Professor Felix Berber und die Chansonsängerin Lucie Berber. Ihre Kindheit verbrachte Anita zum großen Teil bei ihrer Großmutter, bei der sie unter braven, bürgerlichen Verhältnissen großgeworden ist.

Ab 1915 nahm Anita Schauspiel- und Tanzunterricht und trat in Berliner Varietés auf. Bald schon war sie eine Sensation und provozierte durch ihren Tanz- und Lebensstil gleichermaßen.

Sowohl auf der Bühne als auch in ihrem Alltag hatte Anita Berber radikal mit herrschenden Konventionen gebrochen. Ihren Tänzen gab sie provozierende Namen: „Tänze des Lasters, des Grauens und der Extase“ oder „Kokain“. Die aggressive Sinnlichkeit ihrer Choreographien spiegelten in herausragender Weise das Gefühl und den Rhythmus der Goldenen-Zwanziger-Boheme – einer Generation, die sich nach der schrecklichen Kriegserfahrung hemmungslos in das Heute stürzte, ohne an das Morgen zu denken.

Mit ihrer Kunst traf Anita Berber Ästhetik, Ausdruckssprache, Tempo und Thematik den Nerv ihrer Zeit. Das Kokain, die Modedroge der „Goldenen Zwanziger“ wird in ihrer Kunst zu einem Spiegel, in dem eine Nachkriegsgeneration in ruheloser Gier nach Leben sucht – so, als ahne sie bereits, dass ihr wenig Zeit bleibt. Künstlerische Anknüpfungspunkte lassen sich zu dem zeitgleich erschienenen Roman „Kokain“ des italienischen Autors Pitigrillientdecken.

Anita Berber machte ausgedehnte Tourneen durch Europa und den Nahen Osten. Auch als Filmdarstellerin trat sie mehrfach in Erscheinung. Mit literarischen Texten, Zeichnungen und Fotografien ergänzte sie ihr künstlerisches Schaffen. Vom Publikum begeistert gefeiert, löste Anita Berber auch immer wieder Skandale und Strafverfahren aus. Alkohol, Morphium und Kokain waren ständige Begleiter auf ihrem exzessiven Lebenstanz, dessen wilder Reigen abrupt endete. Im Alter von 29 Jahren starb Anita Berber an Tuberkulose.

Als Anita Berber 1925 für Otto Dix Modell stand, da war sie jung, schön und berühmt; eine Feme fatale im Tanz auf dem Vulkan. Doch während das Publikum nur in ihr Feuer blickte, sah Otto Dix die Asche, die sich auf ihre Seele gelegt hatte. Und so, mit diesem Blick hinter dem äußeren Schein, hat er Anita Berber auf die Leinwand gebracht. Und genau so begegnet uns diese leidenschaftlich gescheiterte Frau noch heute: als ein Mensch, der sich entschieden hatte, in einer persönlichen Katastrophe unterzugehen, anstatt in der kommenden kollektiven Apokalypse zu verbrennen.

Das Portrait der Anita Berber, welches die Kunsthalle Nürnberg erworben hatte, wurde schließlich von den Nationalsozialisten konfisziert. Begründung: es handele sich um „entartete Kunst“. Nach einigen Wirren konnte es der Maler Otto Dix 1963 wieder in seinen Besitz nehmen.

Zur weiteren Information: im Internet kann man im Anita-Berber-Archiv stöbern http://www.anita-berber.de/ oder auf der Seite http://www.dieterwunderlich.de/Anita_Berber.htm eine Kurzbiografie finden.
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