Wie ist das Leben als Bewährungshelferin, Frau Freitag?

Anke Freitag ist seit 21 Jahren Bewährungshelferin.
„Spannend und abwechslungsreich. Als Bewährungshelferin hat man mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun. Wir arbeiten im Auftrag der Gerichte und Staatsanwaltschaften mit den Straftätern zusammen“, erklärt Anke Freitag.

Grundlage für diese Arbeit ist die jeweilige Akte mit dem Urteil und dem Bewährungsbeschluss. „Die darin festgeschriebenen Auflagen und Weisungen werden von uns kontrolliert. Für die Vermittlung der gemeinnützigen Arbeit - im Volksmund auch Sozialstunden genannt - stehen uns rund 60 Partner in Gera und Umgebung zur Verfügung.“, so die Bewährungshelferin. Wer wofür in Frage kommt, stellt sie beim ausführlichen Erstgespräch fest. „Ein Randalierer wäre natürlich gut bei der Lebenshilfe aufgehoben, die den Hofwiesenpark pflegt“.

Die acht Justizsozialarbeiterinnen – so nennen sich die Bewährungshelferinnen offiziell – der Sozialen Dienste in der Justiz, Außenstelle Gera, betreuen derzeit 650 Fälle vom „Eierdieb“ bis zum schweren Sexualstraftäter und Mörder aus Gera und dem gesamten Landkreis Greiz.

Anke Freitag macht die Arbeit auch nach 21 Jahren noch Spaß. Weil immer wieder danach befragt: Angegriffen wurde sie bis heute noch nie. Zwei, drei brenzlige Situationen habe es schon gegeben, wo Kolleginnen hinzu gerufen werden mussten. Von Vorurteilen hält die Bewährungshelferin nichts: „Keiner wird als Straftäter, sondern als Mensch geboren. Dementsprechend behandle ich auch unsere Probanden.“. Die haben laut ihrer Erfahrung immer große Ziele, „die sich aber nur in kleinen Schritten umsetzen lassen. Letztlich können wir als Bewährungshelfer den Probanden nichts abnehmen, sondern lediglich Hilfe zur Selbsthilfe geben“.

Vertrauen sei bei diesen Gesprächen das A und O. „Das aufzubauen, ist nicht in allen Fällen einfach. Beispielsweise betreue ich eine junge Frau bereits seit sechs Jahren. Obwohl ich mittlerweile fast alles aus ihrem Leben weiß, ist sie der Meinung, mir ihren Rückfall verheimlichen zu können. Ich kann sie nicht drängen, sich mir gegenüber vertrauensvoll zu öffnen. Den Aha-Effekt hierzu muss sie selbst haben. Dass es für sie schwer ist, Vertrauen aufzubauen, kann ich nachvollziehen – sie kennt es nicht aus ihrer Familie“, so die Bewährungshelferin.

Auch wenn Anke Freitag ein durchaus positives Fazit ziehen kann, muss sie sich doch eingestehen: „Ich kann nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass keiner von meinen Probanden wieder eine Straftat begehen wird“.

Hintergrund:

Strafaussetzung zur Bewährung ist der Versuch, Jugendlichen und Erwachsenen, die zu Jugendstrafe oder Freiheitsstrafe verurteilt worden sind, die Vollstreckung der Strafe oder der Reststrafe zu ersparen. Der Verurteilte soll in einer Bewährungszeit seinen Willen zu straffreiem Verhalten unter Beweis stellen und gleichzeitig die ihm vom Gericht auferlegten Auflagen und Weisungen erfüllen. Bei erfolgreichem Abschluss der Bewährungszeit wird die Strafe erlassen.

Gesetzliche Grundlagen:

Im Jugendgerichtsgesetz (§§ 21 f JGG.) und im Strafgesetzbuch (§§ 56 f StGB) werden die Aufgaben der Bewährungshilfe in Umrissen dargestellt. Außerdem haben die Bundesländer in Gesetzen und Verwaltungsvorschriften weitere Einzelheiten der Tätigkeit geregelt.

Berufliche Voraussetzungen:

Voraussetzung für die Einstellung als hauptamtlicher Bewährungshelfer ist in allen Bundesländern eine abgeschlossene Ausbildung als Dipl. Sozialarbeiter bzw. Dipl. Sozialpädagoge mit staatlicher Anerkennung. Die Ausbildung erfolgt an Fachhochschulen. Da der Bewährungshelfer straffällige Menschen zu betreuen hat, die zum Teil sehr schwierig und gefährdet sind und nicht selten in ihrem Leben erhebliche Schädigungen erfahren und ungünstige Entwicklungen genommen haben, muss er besonders über Berufserfahrung, Lebenserfahrung und Menschenkenntnis verfügen.

Ausbildung Dipl. Sozialarbeiter:

Die Ausbildung zum Dipl.-Sozialarbeiter bzw. zur Dipl.- Sozialarbeiterin (FH) wird nur noch selten durchlaufen, da dieser Studiengang nicht mehr allzu oft angeboten wird. Ab 2010 wird die Ausbildung in den meisten Fällen mit dem Bachelor- oder Masterabschluss enden. Die Regelstudienzeit für den Studiengang Soziale Arbeit bzw. Sozialpädagogik an der Fachhochschule oder auch an der Universität beträgt derzeit etwa drei bis vier Jahre.

Ausbildung Dipl. Sozialpädagoge:

Diplom-Sozialpädagoge/Diplom-Sozialpädagogin setzt ein Studium an einer Fachhochschule voraus. Der Studiengang Sozialpädagogik ist so eng verwandt mit dem Fach Sozialarbeit, dass beide an manchen Fachhochschulen zu einem Studiengang zusammengefasst werden. Sozialpädagogik kann man auch an Universitäten studieren oder sich im Rahmen eines Pädagogikstudiums auf sozialpädagogische Fachgebiete spezialisieren. Daneben werden zunehmend auch Studiengänge mit Bachelor- und Masterabschluss angeboten. Die Regelstudienzeit beträgt 8 Semester (gemäß Rahmenprüfungsordnung der KMK), bei integrierten Praktika je nach Landesrecht auch 9 Semester.

Bachelor of Arts Soziale Arbeit

Der Fachbereich Sozialwesen an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena bildet SozialarbeiterInnen mit dem Abschluss Bachelor of Arts auf wissenschaftlicher Grundlage mit dem Ziel der Vermittlung beruflicher Handlungskompetenz aus.
Der Studiengang bietet die Möglichkeit zu angeleiteter Praxis, wissenschaftlicher Arbeit und anwendungsbezogener Forschung im Rahmen der Aufgaben der Hochschule. Das Fächerangebot umfasst Angebote in den Modulbereichen Mentoring, Propädeutik, Soziale Arbeit, Sozialmanagement, Recht, Soziologie, Psychologie, Sozialpolitik, Kulturelle Kommunikation, Erziehungswissenschaft, Methoden in der Sozialen Arbeit, Gesundheitswissenschaften, Forschungsmethoden, Ethik, sowie arbeitsfeldspezifische und methodische Vertiefungsrichtungen.

Vita Anke Freitag:

48 Jahre, verheiratet, ein Kind
Diplom-Lehrerin
Seit Januar 1994 Bewährungshelferin
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1 Kommentar
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Hannelore Grünler aus Artern | 14.03.2015 | 21:37  
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