Mammuts in Gera? Unterricht im Museum für Naturkunde Gera ist gefragt. Sonderausstellung „440.000.000 Jahre Leben“

Für Julieta (links) und Rabija ist es kaum vorstellbar, dass es derartige Wollhaarnashörner hier in Gera gegeben haben soll.
 
Sonderausstellung „440.000.000 Jahre Leben“ im Museum für Naturkunde Gera.
 
Quartär. Rekonstruktion des Wollhaarnashorns, Coelodonta antiquitatis, Leihgabe der Firma Lehrmittel Dieter Luksch, München
Gera: Museum für Naturkunde | Ist es nicht schon kalt genug? Hier soll es früher noch viel kälter gewesen sein? Kilometer dick Eis und Schnee? Und Mammuts mitten in Gera? Das ist kaum zu glauben! Doch Museumsmitarbeiter Frank Hrouda beweist es den Schülern. Was er da in beiden Händen hält, ist ein Backenzahn eines Wollhaarmammuts, gefunden in Gera auf der Sorge. Er erklärt, wie es vor zig tausenden Jahren hier ausgesehen hat, dass es hier Hyänen gab und warum das Horn des Wollhaarnashorns so abgewetzt ist.

Deutsch- und Geschichtslehrerin Johanna Lüth von der Ostschule hat sich mit ihren Roma-Schülern auf ins Museum für Naturkunde gemacht. Geschichtsunterricht live und anschaulich, wie ihn keine Schule vermag. Stillsitzen ist hier auf wenige Minuten begrenzt. Hrouda erarbeitet das Thema gemeinsam mit den Jugendlichen, zeigt Bilder, Videos und Funde aus dem Raum Gera. Staunende Gesichter. Ein paar Treppen weiter oben ist das am besten erhaltene Skelett eines Wollhaarnashorns zu sehen. Zurück im Erdgeschoss geht es durch die aktuelle Ausstellung „440.000.000 Jahre Leben“. Besonders die originalgetreuen Nachbildungen des Wollhaarnashorns und der Höhlenhyäne schinden Eindruck. Zurück versetzt in längst vergangene Tage können die Schüler ihre Kreativität bei Höhlenmalerei unter Beweis stellen.

Der außergewöhnliche Unterricht im Museum für Naturkunde hat Tradition. Das so genannte „Kinderkabinett Schwalbennest“ wurde bereits 1984 geschaffen. Nach den einführenden Worten im Schwalbennest geht es in eine oder mehrere der acht vorhandenen Etagen oder beispielsweise in den Höhler zum Spinnenfangen. Zu den Gästen zählen Kitagruppen genauso wie Berufsschüler. Der Schwerpunkt liegt laut Hrouda bei Grundschülern. Er freut sich, dass die etwas andere Art des Unterrichts von Lehrern aus Gera und den umliegenden Landkreisen gern genutzt wird. Das ist auch kein Wunder. Keine Schule kann mit derartig vielfältigen und qualitativen Objekten, Mineralen und Tierpräparaten aufwarten. Und die Schüler zeigen sich ebenfalls begeistert, außerhalb der gewohnten Umgebung dem Schulalltag entfliehen zu können. Voriges Jahr waren es 2600 Schüler und Vorschulkinder plus 1150 im zum Museum gehörenden Botanischen Garten, die das Angebot nutzten. Und die Zahl ist weiter steigend. Dieses Jahr werden es allein im Museum für Naturkunde 3500 bis 4000 werden.

Sonderausstellung „440.000.000 Jahre Leben“

Schriftstein-Tiere, Krötenköpfe und Wollhaarnashörner in Ostthüringen – Ausstellung läuft bis 17. März 2014 im Museum für Naturkunde

Die neue Sonderausstellung im Museum für Naturkunde Gera beinhaltet eine unvorstellbar lange Zeit der erdgeschichtlichen Vergangenheit im Osten Thüringens. Dass es früher dort völlig anders aussah und längst ausgestorbene Pflanzen und Tiere lebten, ist der reizvolle Gedanke der Schau. Einige Erdzeitalter haben das Gebiet besonders geprägt und in seltenen Fällen Überreste vergangenen Lebens hinterlassen, von denen das Museum für Naturkunde etwa 10.000 Stück als Fossilien aufbewahrt. Die schönsten und aussagekräftigsten bezeugen in der neuen Ausstellung, welche faszinierenden Geschöpfe vor Jahrmillionen die Lebensräume an Land und im Wasser besiedelten.

Das Gebiet des heutigen Ostthüringens lag im Laufe seiner Existenz immer wieder am Meeresgrund. Aus dem Silur-Meer, das vor circa 440 Millionen Jahren zu existieren begann, sind Milliarden von Tieren als Abdrücke erhalten. Besonders eindrucksvolle Exemplare wurden in Hohenleuben und Ronneburg entdeckt. Die fremdartigen Lebewesen sehen wie Zahnräder und Sägeblätter aus, sind aber komplizierte, im Wasser schwebende Koloniebauten von Kleinstlebewesen, den „Schriftstein-Tieren“ bzw. Graptolithen. Mit nur wenigen Schritten kann in der Schau ein Zeitsprung von 185 Millionen Jahren gemacht werden.

Dann lebten im heutigen Geraer Raum am Boden des Zechstein-Meeres seltsame Armfüßer-Tiere. Ihre versteinerten Überreste wirken wie urzeitliche Muscheln. Einige Arten haben bizarre Stacheln auf der Schale, auch die großen Armfüßer-Tiere, die im Volksmund „Krötenköpfe“ genannt werden. Zu sehen sind zudem seltene Abdrücke von Nadelbäumen und Farnen, die an den Küsten des Zechstein-Meeres wuchsen.

In den Gebieten um Schleiz und Zeulenroda wurden ebenfalls Fossilien gefunden. Die Ammoniten, Dreilappkrebse und Korallen stammen aus den Meeren der Devon-Zeit. Ein Stück versteinerter Meeresboden mit unzähligen Muscheln „aus Greiz“ und Knochen von Meeres-Reptilien „aus Jena“ belegen die vielfältigen Lebensformen im Muschelkalk-Meer.

Während der Eiszeiten breiteten sich an Kälte angepasste Säugetiere weit aus, wie zahlreiche Fossilfunde aus Gera und Umgebung belegen. Sogar eiszeitliche Höhlenhyänen nutzten eine natürliche Höhle im heutigen Gera-Pforten. Die 1874 entdeckten Knochenfunde aus der „Lindentaler Hyänenhöhle“ sind international bekannt. Darüber hinaus werden für den Geraer Raum einmalige Stoßzähne des Wollhaarmammuts gezeigt und die Originalknochen des berühmten Pohlitzer Wollhaarnashorns, das 1904 in Bad Köstritz entdeckt wurde.

Um sich die zum Teil so fremdartigen Lebewesen besser vorstellen zu können, präsentiert das Museum nicht nur circa 100 Originalfossilien, sondern auch vier Rekonstruktionen ausgestorbener Tiere. Darunter befindet sich eine weltweit einmalige Lebendrekonstruktion eines „Schriftstein-Tieres“, die im Geraer Museum angefertigt wurde. Lebensnahe Modelle einer Höhlenhyäne und eines ausgewachsenen, 3,40 Meter langen Wollhaarnashorns mit Jungtier lassen ausgestorbene Tierarten für einige Monate wieder „auferstehen“.

Die Sonderausstellung „440.000.000 Jahre Leben“ ist bis 17. März 2014 im Museum für Naturkunde zu besichtigen. Großzügig unterstützt wurde das Projekt vom Freistaat Thüringen und von der Chemiewerk Bad Köstritz GmbH. Zur Ausstellung wird ein umfangreiches Begleitprogramm geboten.

Museum für Naturkunde Gera mit Mineralienhöhler

Nicolaiberg 3
07545 Gera
Tel: 0365/52003, Fax: 0365/52025
E-Mail: museum.fuer.naturkunde@gera.de

Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag, Feiertag: 11 bis 18 Uhr
Nach Voranmeldungen ist ein Besuch für Gruppen auch außerhalb dieser Öffnungszeiten möglich.

Ständige Ausstellungen:

„Ostthüringen als Landschaftsraum – zur Geologie, Flora und Fauna"

„Das Einmaleins der Minerale“ Entstehung, Gestalt und Nutzen
Ausstellung im Höhler unter dem Schreiberschen Haus

Sonder- und Kabinett-Ausstellungen:

„440.000.000 Jahre Leben“
Schriftstein-Tiere, Krötenköpfe und Wollhaarnashörner in Ostthüringen
Sonderausstellung 23. Oktober 2013 bis 17. März 2014

„Der Berg der Kristalle in Südostafrika“
Die spektakulären Mineralfunde von Mount Malosa in Malawi“
Kabinettausstellung 12. September 2013 bis 31. Januar 2014

Veranstaltungen:

Donnerstag, 5.12.2013, 15.00 Uhr
Dank-Veranstaltung für die „Ehrenamtlichen“
Gesellige Veranstaltung der ehrenamtlichen Helfer des Museums für Naturkunde

Samstag, 7.12.2013, 11.00 Uhr
„Mettenschicht“ (Weihnachtsfeier)
Bergmännische Weihnachten mit Spaß und allerlei Überraschungen
Kinder- und Jugendgruppe, Geraer Mineralien- und Fossilienfreunde e. V.

Donnerstag, 12.12.2013, 16.00 Uhr
Gehölzkundlicher Jahresrückblick
Gesellige Jahresabschlussveranstaltung
Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften in Gera e. V., Sektion Gehölzkunde

Donnerstag, 12.12.2013, 15.00 Uhr
„Fossiliengrube“ Gera – spannende Fundberichte zu Wollhaarnashorn, Höhlenhyäne und Krötenköpfen
Vortrag zu bedeutenden Fossilfundstellen in und im Gera mit anschließender Besichtigung der aktuellen Sonderausstellung „440.000.000 Jahre Leben“

Donnerstag, 26.12.2013, 14.00 Uhr
„Mammut, Höhlenhyäne und Wollhaarnashorn“
Veranstaltung im Rahmen des Weihnachtsferienprogramms für Kinder und Familien

Samstag, 28. 12. 2013, 11.00 Uhr (Einlass ab 10.45 Uhr)
„Spannende Spurensuche“
Veranstaltung im Rahmen des Weihnachtsferienprogramms für Kinder und Familien


Mehr über das Museum für Naturkunde Gera:

http://www.meinanzeiger.de/gera/themen/museum-f%FC...
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12 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 07.12.2013 | 00:56  
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Steffen Weiß aus Gera | 03.01.2014 | 08:50  
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Steffen Weiß aus Gera | 03.01.2014 | 17:04  
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Steffen Weiß aus Gera | 21.01.2014 | 17:03  
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Steffen Weiß aus Gera | 13.02.2014 | 07:45  
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Steffen Weiß aus Gera | 19.02.2014 | 08:28  
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Steffen Weiß aus Gera | 17.03.2014 | 16:57  
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Steffen Weiß aus Gera | 20.03.2014 | 10:23  
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Steffen Weiß aus Gera | 16.04.2014 | 08:31  
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Renate Jung aus Erfurt | 16.04.2014 | 12:17  
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Steffen Weiß aus Gera | 30.04.2014 | 08:47  
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Steffen Weiß aus Gera | 30.04.2014 | 08:48  
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