Steinernes Meer unter Gera: Museum für Naturkunde zeigt vergessene fossile Meerestiere

Thomas Hahn sammelt seit seiner Kindheit Fossilien. Spezialisiert hat er sich auf Zechsteinbrachiopoden. Einzigartige Geraer Funde werden ab Freitag im Museum für Naturkunde Gera gezeigt.
 
Am heimischen Küchentisch legt Thomas Hahn mit Nadel und Pinsel in tagelanger Kleinarbeit die Fossilien frei.
Gera: Museum für Naturkunde | Es begann mit einem einzigen Stein. Den hatte Thomas Hahn als Schulkind gefunden. Auf dem Stein war etwas drauf. Ein Geographielehrer bestimmte dieses „Etwas“ als Fossil. Der naturverbundene Geraer hat mit diesem Fund ein Hobby für sich entdeckt, das ihn bis zum heutigen Tag nicht los lässt. Während andere Kinder im Ferienlager sich in die Fluten der Ostsee stürzten, war Thomas Hahn auf der Suche nach versteinerten Seeigeln, Kopffüßer, Muscheln und Schnecken. Hier fand er auch seinen ersten Brachiopoden, ohne überhaupt zu wissen, dass es ein Brachiopod ist. Ein Fund nach dem anderen wanderte zuerst in die Hosentasche und verschwand anschließend in irgendwelchen Kästchen und Kisten. Fortan ereilte ihn das Schicksal, das alle Sammler ereilt: Die Sammelobjekte werden immer mehr und türmen sich. Er musste sich spezialisieren. Mit zunehmend wissenschaftlicher Beschäftigung fühlte sich Hahn zu den Brachiopoden hingezogen. Letztlich hat er sich auf die Zechtseinbrachiopoden „eingeschossen“.

Vergessene Fossilien aus dem „Steinernen Meer unter Gera“ zeigt das Museum für Naturkunde Gera in einer neuen Ausstellung vom 8. März bis 31. August 2013. Die Schau vereint die schönsten freipräparierten Funde des Geraer Fossilien-Sammlers Thomas Hahn. Zum Teil handelt es sich um Exemplare, deren Qualität alles bisher Gesammelte übertrifft. Sie gewähren einen Einblick in eine längst vergangene Welt kurz vor ihrem Untergang.

Als vor rund 255 Millionen Jahren am Ende des Perm-Zeitalters das „Zechstein-Meer“ noch bis nach Gera reichte, war zeitweise dessen Grund mit Lebewesen übersät. Dort lebten, wie in vielen noch älteren Meeren der Erdgeschichte, so genannte Brachiopoden bzw. „Armfüßer“. Diese Tiere sehen auf den ersten Blick aus wie Muscheln, gehören jedoch nicht zu den Weichtieren, sondern bilden einen eigenen Tierstamm mit tausenden Arten im Erdaltertum. Die in Gera reichlich auffindbaren Überreste solcher Tiere stammen aus dem letzten „Moment“ ihrer reichhaltigen Verbreitung auf der Erde. Mit dem Ende des Zechstein-Meeres und dem Übergang vom Perm- in das Triaszeitalter vor 251,4 Millionen Jahren kam das Ende der meisten Brachiopoden. Beim damaligen größten nachgewiesenen Artensterben der Erdgeschichte starben die meisten Brachiopoden-Gattungen aus. Heute leben in den Meeren unseres Planeten nur noch wenige Brachiopoden-Arten, die jedoch eher untergeordnete Bedeutung genießen.

Der Geraer Fossiliensammler Thomas Hahn hat sich diesen Tieren mit Leib und Seele verschrieben. Er sammelt Brachiopoden von weltweiten Fundstellen und insbesondere die vielerorts in seiner Heimatstadt reichlich zu findenden Arten der Zechstein-Zeit. Während des Baus der Geraer Nord-Ost-Tangente 2006 bis 2007 konnte er große Mengen an Fundmaterial sichern. „Das war für uns Sammler eine Jahrhundertbaustelle“ erinnert er sich. Viele Institute waren vor Ort und auch die Sammler waren auf der Baustelle geduldet. Erst später - Abend für Abend am Küchentisch - befreite Thomas Hahn mit Nadel und Pinsel die unter hartem Gestein erhaltenen urzeitlichen Lebewesen, die heute nur noch erahnen lassen, welches Leben sich einst in dem Meer tummelte, das heute versteinert unter Gera liegt.

Das Museum für Naturkunde erwartet seine Besucher – wie alle Geraer Museen – dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.

Die zweite bis zum 7. April zu sehende Ausstellung:

http://www.meinanzeiger.de/gera/ratgeber/8-osterei...

Weitere Beiträge über das Museum für Naturkunde Gera:

http://www.meinanzeiger.de/gera/themen/museum-f%FC...
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3 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 06.03.2013 | 03:01  
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Lutz Leipold aus Ilmenau | 06.03.2013 | 09:43  
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Steffen Weiß aus Gera | 06.03.2013 | 10:33  
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