Wie Insekten glücklich machen: Schleizer Grundschüler auf Ferientour im Museum für Naturkunde Gera

Jessica Heyde aus Görkwitz hat keine Berührungsängste, im Museum für Naturkunde Gera eine Stabheuschrecke auf die Hand zu nehmen.
 
Premiere im Naturkundemuseum: Schleizer Ferienkinder dürfen als erste die neuen Zeiss-Mikroskope nutzen.
  Gera: Museum für Naturkunde | Jessica Heyde (11 Jahre) ist kein Stubenhocker. Kein Wunder, denn die Elfjährige wächst auf einem Dorf auf. Sie ist jeden Tag draußen in der Natur. Gleich um die Ecke in Görkwitz gibt es einen Bauernhof. Aber nicht nur die großen Tiere haben es ihr angetan. Wie wohl eine Mückenlarve näher betrachtet aussehen mag?

Jessica hat doppeltes Glück. Wofür während des Schuljahres kaum Zeit bleibt, passiert dank der Ferienangebote der Schleizer Grundschulen eben in der schulfreien Zeit: Ein Ausflug in das Geraer Naturkundemuseum. „Hier gibt es so viel zu entdecken, von dem ich vorher nichts wusste“ freut sie sich. Und der Ausflug wird nicht nur zu einem Gang durch das Museum.

Zufälligerweise haben die Ferienkinder einen Tag erwischt, der auch für das Naturkundemuseum nicht alltäglich ist. Museumspädagoge Frank Hrouda nutzt jede Gelegenheit, auf Sponsorensuche für die Museumsarbeit zu gehen. Vom Lohn seiner Mühen profitieren an diesem Tag auch die Schleizer Grundschüler. Sie waren live dabei, wie das Museum für Naturkunde von ZEISS fünf Mikroskope erhalten hat. Übergeben wurden die Stereomikroskope von Dr. Stefan Groß vom ZEISS Unternehmensbereich Mikroskopie.

Theoretischen Unterricht gibt es in der Schule zur Genüge. Das Naturkundemuseum setzt auf Praxis. Dementsprechend hat Frank Hrouda nicht nur die Mikroskope bereits aufgebaut, sondern auch Mückenlarven gefangen, die darauf warten, von neugierigen Kinderaugen in zigfacher Vergrößerung bestaunt zu werden. Die Kinder zeigen sich begeistert. Selbst kleinste Details werden sichtbar. Und das Besondere dabei: Da die Mikroskope über zwei getrennte Strahlengänge verfügen, sieht jedes Auge des Betrachters das Präparat aus einem anderen Winkel. Dadurch entsteht ein räumlicher Bildeindruck.

"Gern unterstützen wir mit dieser Spende aus dem Carl Zeiss Förderfonds die außerschulische Bildungsarbeit in der Region, um bei jungen Menschen Begeisterung für Naturwissenschaft zu wecken", so Groß. "Die Mikroskope sind einfach zu bedienen und bieten Platz für größere Proben aus der Natur. Damit sind sie ideal für die Ausbildung im schulischen und auch außerschulischen Bereich", erklärte Groß der Presse.

"Wir brauchten dringend Mikroskope für eine ganze Reihe von museumspädagogischen Themen. Unser früherer Bestand an Geräten entsprach weder qualitativ noch quantitativ dem Bedarf", erläuterte Hrouda seine Motivation, sich an ZEISS zu wenden. "Nun können wir endlich wieder Veranstaltungen mit größeren Schülergruppen aus Regelschulen und Gymnasien durchführen", freut er sich. Das Museum nutzt die Mikroskope darüber hinaus für die eigene wissenschaftliche Arbeit in seinen Sammlungen, vor allem der Insektensammlung.

Jessica ist auch beim nächsten Präparat unter dem Mikroskop begeistert - ein Schmetterling. „Da sieht man ja sogar die Schuppen auf den Flügeln“. Bei diesem außergewöhnlichen Erlebnis sollte es nicht bleiben. Anziehungspunkt für die Schüler ist die derzeitige Sonderausstellung „Insekten – Leben auf sechs Beinen“. Nicht nur die unzähligen Insektenpräparate, sondern auch überdimensionale Modelle machen neugierig auf das Thema Insekt. Der Clou der Ausstellung sind die lebenden Insekten. Und als Jessica dann auch noch eine riesige Stabheuschrecke auf die Hand nehmen konnte, war das Glück an diesem Tag perfekt!

Während der Sommerferien dienen die Mikroskope den vielen Ferien-Hortgruppen, die das Museum erwartet. Von den bereits angemeldeten haben sich die meisten Gruppen für das Ferienangebot „Insekten – Leben auf sechs Beinen“ entschieden. Mit den neuen Mikroskopen können die Schüler der Klassen 1 bis 4 nun auch selbst winzige Details des Körperbaus dieser Tiere entdecken und ihren Forschergeist entwickeln. Gleich nach den Ferien sind die Geräte bereits für die Geraer Museumsnacht am 30. August 2014 eingeplant.

Das Museum für Naturkunde Gera mit angeschlossenem Botanischen Garten gehört zur Reihe etablierter naturwissenschaftlicher Museen in Thüringen. Die Einrichtung befindet sich im ältesten erhaltenen Bürgerhaus Geras und widmet sich vor allem der naturkundlichen Erforschung und Dokumentation Ostthüringens. Die museumspädagogische Tätigkeit der Einrichtung hat sich als außerschulischer Lernort in der Region etabliert. 2013 haben rund 4800 Vorschüler und Schüler mit ihren Erziehern und Lehrern die vielfältigen museumspädagogischen Angebote genutzt.

Die Übernahme sozialer und gesellschaftlicher Verantwortung hat bei ZEISS Tradition. Am 1. Oktober 2011 wurde der Carl Zeiss Förderfonds eingerichtet, um die Attraktivität der Standorte von ZEISS gezielt und nachhaltig zu fördern. Im Mittelpunkt der Förderung stehen regionale Initiativen und Entwicklungen aus den Bereichen Gesellschaft und Soziales, Kultur, Bildung und Erziehung sowie Breitensport.

Eine Million beschriebene Arten. Sonderausstellung „Insekten – Leben auf sechs Beinen“ im Museum für Naturkunde

Bis 4. Januar 2015 präsentiert das Museum für Naturkunde in einer neuen Sonderausstellung kostbare Insektensammlungen und lebendige Insektenkunde − nicht nur für den Unterricht. Vorgestellt wird eine Tiergruppe, die in einer ungeheuren Vielfalt von bisher einer Million beschriebener Arten in der Natur vertreten ist und damit zu den erfolgreichsten im gesamten Tierreich gehört. In fast allen Lebensräumen und Gebieten der Erde sind Insekten anzutreffen. Hoch spezialisiert können sie auch extreme Standorte besiedeln. Geschützt durch ein stabiles Chitin haltiges Außenskelett, erreichen Gespenstschnecken eine Körpergröße von bis zu 35 Zentimeter, hingegen liegt die Größe der kleinsten Hautflügler weit unter einem Millimeter. Zur Überlebensstrategie der Tiere gehören Unauffälligkeit und Tarnung, sowie auffällige Farbmuster mit denen Feinde abgeschreckt werden.

Eine besondere Attraktion der Sonderausstellung sind lebende Tiere aus dem Insektarium des Museums für Naturkunde Chemnitz. Unter ihnen befinden sich drei Arten Stabschrecken, „Wandelndes Blatt“ und Blattschrecken, die zum Entdecken einladen. Unglaublich ist auch der Entwicklungsweg einer Insektenlarve zum Vollinsekt. Beeindruckend sind dabei die kunstvollen Bauten der Wespen und Hornissen aus papierartig verarbeiteten Holzfasern und insbesondere die Schmetterlinge, Käfer, Heuschrecken und Libellen werden hier als Vertreter bekannter Insektenordnungen vorgestellt. Insekten haben in vielfältiger Weise auch wirtschaftliche Bedeutung. Eine herausragende ökologische Dienstleistung ist die Blütenbestäubung. Als „Haustier“ wurde die Honigbiene in der Imkerei bereits im frühen Mittelalter genutzt. Doch Insekten können als „Schaderreger“ in land- und forstwirtschaftlichen Kulturen zu erheblichen Verlusten führen. Interessante und liebevoll gestaltete Insektenbiologien vom Institut für Waldbau und Waldschutz Tharandt stellen „Waldgärtner“, „Nonne“, und andere vor. Weitere Arten treten als Gesundheits- und Nahrungsschädlinge auf, sowie die in der Ausstellung zu beobachtenden Mehlkäfer mit ihren Larven, den Mehlwürmern.

Ein besonderer Sammlungsschatz im Museum für Naturkunde Gera ist die wissenschaftliche Insektensammlung mit circa 120.000 Exemplaren. Mit ihren genauen Funddaten geben sie Auskunft über die Verbreitung der in Ostthüringen vorkommenden Arten und deren Wandel seit circa 1890. Exemplarisch vorgestellt werden die für Wissenschaft und Lehre aufbewahrten Insektensammlungen der Entomologen Malte Jänicke und Rudi Damm, die noch selbst aktiv in die Bearbeitung dieser Bestände einbezogen sind, und darüber hinaus auch als Neuzugänge die Sammlungen von Johannes Riegel und Karl Breinl. Sammlungsdaten sind eine wichtige Basis für alle Naturschutzmaßnahmen, da durch menschliches Wirtschaften die Lebensräume zahlreicher Insektenarten in unserer Natur in bedrohlicher Weise eingeschränkt sind. Die Ausstellung versucht mit einer großen Zahl von Insektenpräparaten aus den hauseigenen Sammlungen in die hochinteressante Welt dieser Tiergruppe einzuführen. Modelle und Lehrtafeln aus der Arbeitsgruppe Biologiedidaktik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und natürlich aus den eigenen Beständen machen winzige Details, wie die Mundwerkzeuge der Insekten, gut sichtbar. Für Schüler soll hier in den folgenden Monaten ein spannender Unterrichtsort angeboten werden, der bereits in den Ferien Anziehungspunkt für interessante Veranstaltungen sein wird.

Gefördert wurde das Projekt vom Freistaat Thüringen und der Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften in Gera e. V., die mit ihrer Fachgruppe Insektenkunde tatkräftige Unterstützung gaben. Das Museum für Naturkunde dankt den zahlreichen Partnern, ohne die eine Realisierung des Projektes nicht möglich gewesen wäre.

Die Sonderausstellung „Insekten – Leben auf sechs Beinen“, kann bis 4. Januar 2015, Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 12 bis 17 Uhr, im Museum für Naturkunde besichtigt werden.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
2 Kommentare
16.680
Steffen Weiß aus Gera | 05.01.2015 | 13:49  
16.680
Steffen Weiß aus Gera | 11.02.2015 | 14:21  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige