Alternativen - jeder ist (ein Teil der) Gesellschaft

Die Zweifel werden immer größer. Immer stärker wird das Gefühl, dass sich etwas ändern muss. Immer stärker wird der Eindruck, dass etwas falsch läuft.
Es gibt viele Ursachen und Fehler zu benennen, viel zu bekämpfen.
Das Wirtschaftssystem, die Ökologie, der Werteverfall, die Einsamkeit, die Politik …
Es wird gekämpft, agiert, demonstriert, geschimpft, sich gesorgt, diskutiert, gesucht, immer mehr.
Vor allem dagegen. Gegen den Kapitalismus, gegen Gewinnmaximierung und gegen Globalisierung, gegen Ausbeutung, gegen Atomkraft, gegen Arbeitslosigkeit, gegen Dumpinglöhne und Zeitarbeit …
Die Gefühle von Machtlosigkeit und Angst und Ohnmacht beherrschten die Menschen.
Das Wirtschaftssystem und die Politiker würden entgegen den Wünschen der Menschen handeln.
Kapitalismus als Geißel der Menschheit mit all seinen schlimmen Auswüchsen …

Schuld ist die Politik, sind die Politiker …

Und wer kauft denn beim Discounter ein, wer bestellt im Internet, wer ist Zeitarbeitnehmer und wer arbeitet unter dem Mindestlohn? Wer lebt allein oder in unglücklicher Zweisamkeit, wer schaltet das Licht, die Waschmaschine, den Fernseher ein und fährt Auto mit E10 und liest die Bild-Zeitung und wer wählt wen?

Die Medien verdummen die Menschen. Wie oft wird gesagt: schau Dir doch bloß mal an, was da kommt, lies doch mal, was in der Zeitung steht …
Wer schaut das denn, wer liest das denn? Und wer schreibt das und dreht und schneidet und sendet das?
Die Medien?

Noch etwas Vielgeäußertes: Höre Dir doch mal an, über was so geredet wird!

Es sind die Anderen! Immer.

Katastrophenszenarien werden ja seit Jahren beschworen. Es muss sich etwas ändern. So kann es nicht bleiben.
Und es wird zunehmend geschimpft und gekämpft und demonstriert – gegen Atomkraft, gegen die Globalisierung, gegen das Wirtschaftssystem, gegen Gewinnmaximierung …

Klar ist auch, dass wir die Erde erhalten müssen für unsere Nachkommen und es werden Alternativen gesucht.
Mir kommen die Alternativen allerdings so vor, als sähe man den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Ist es erfreulich, dass zum Beispiel in Italien biologisch produziert wird, was dann in Deutschland unter diesem Etikett nach tausenden von Kilometern Transport und Kühlung auf dem Weg und Umladen, erhältlich ist?
Ist das jetzt umweltschonender?
Weiß eigentlich noch jemand, dass Organo in deutsch Küchendost heißt und ein jahrhunderte altes, einheimisches Gewürz ist?
Weiß noch jemand, dass es hunderte von Tomatensorten gibt und auch welche, die den deutschen, feuchten Sommer pilzfrei überstehen?
Stellt eigentlich jemand den Zusammenhang her, zwischen immer umfangreicherer Verarbeitungskette und weiterem Transport von Lebensmitteln, dadurch zwangsläufig Bedingungen an längere Haltbarkeit, immer mehr beteiligten Menschen und deren immer niedrigere Löhne, da der Joghurt immer weniger kosten soll?

Fällt mal jemand auf, dass die alternativen, erneuerbaren Energien nur mit fossilen genutzt werden können?
Zu Hause kann man noch soviel Energie und Strom sparen wollen, wenn die Produktion, die Verpackungen immer mehr werden und der Transport immer weiter.
Alternative Energien, wenn auch diese immer weiter transportiert wird, sind schlicht keine Alternativen, um Energieverbrauch zu senken.
Den mit Abstand größten Anteil am Verbrauch tragen Verarbeitung, Verpackung und Transport von Waren. Die verschiedenen Plastikarten werden nun mal aus Erdöl hergestellt und auch für Windräder und Photovoltaikanlagen verbraucht. Umso mehr Windräder und Photovoltaikanlagen, Transportleitungen und Kraftwerke hergestellt werden, umso höher ist der Verbrauch an fossilen Energielieferanten.

Die ganzen schönen Schlagwörter und Beschwörungen und vermeintliche Verbesserungen verschleiern nur noch mehr die Probleme.
Energiewende ist ja so ein Stichwort und ich lese unter diesem Suchwort:
„…dem großräumigen Stromtransport dienen und insbesondere Ökostrom, der in Spanien viel kostengünstiger erzeugt werden kann, nach Deutschland übertragen …“.
Bei Ökostrom stellen sich mir die Nackenhaare auf: „…Wichtig ist dabei, einen Ökostrom-Anbieter zu wählen, der nachweisen kann, dass er tatsächlich in den Bau neuer Anlagen zur Nutzung von Wind- und Solarenergie und in eine nachhaltige Biomassenutzung investiert. …“
Was für ein Irrsinn!!! Immer neues wird produziert, gebaut, genutzt …

Dagegen bin ich. Ich bin gegen bedenkenlosen Verbrauch. Ich bin gegen die Betäubung vom Denken durch Schlagworte.
Aber hauptsächlich bin ich Für – für die Freude und den Genuss und möchte etwas schützen, weil ich es schützenswert finde und nicht nur schützenswert für unsere Nachkommen, damit sie Plastik essen, tragen, sehen, von Müllbergen und alternative Energien produzierende Ungetümen umgeben sind und einsam, weil sie im Discounter schnell mal bestenfalls nach nichts schmeckende Lebensmittel kaufen, um am Leben zu bleiben und vor lauter Umwelterhaltung und Arbeit dagegen und dafür keine Zeit für andere Menschen haben.

So erstaunlich es in unserer hektischen, unzufriedenen Zeit auch sein mag – Leben ist nämlich schön.
Ich muss mich weder aufregen noch beschweren, dass das Obst früher besser schmeckte. Ich muss es nur einfach nicht im Discounter, sondern beim Erzeuger in der Nähe kaufen. Natürlich gibt es die Erdbeeren nur von Ende Mai bis Anfang Juli, die Tomaten frühestens im Juli bis Oktober, die Kirschen im Juni, die Radieschen ab April, den Salat im Frühjahr. Und sie sind lecker.
Und mal ehrlich: hatten Sie mit den vier Sofas in zehn Jahren vom schwedischen Weltkonzern, bei dem ein Einkauf nervender ist als eine Massenpanik im vollen Stadium, wirklich soviel Freude wie ihre Großeltern am massiven Stück, dass sie das ganze Leben begleitete und bei Bedarf mal neu bezogen wurde?
Brachte Ihnen der neue, größere, noch bessere Flachbildfernseher mehr Qualität in Ihre Abende?
Wann haben Sie das letzte Mal wirklich ein Kleidungsstück aufgetragen und wie viele haben Sie entsorgt, weil sie nur nicht mehr passten oder unmodern waren?

Sie regen sich darüber auf, dass die Preise immer weiter steigen? Sie verdienen zu wenig? Wo und was kaufen Sie ein? Wieviel kaufen Sie? Brauchen Sie da alles?
Brauchen Sie das, was Sie kaufen, neu produziert, transportiert, verpackt?
Sie haben zu wenig Zeit? Sie ärgern sich über das, was im Fernsehen kommt und in der Zeitung steht?
Ärgern Sie sich auch darüber, dass alles so hektisch ist und hetzten durch den Tag?
Ärgern Sie sich darüber, dass die Menschen, die Ihnen begegnen, so unfreundlich sind und so verbiesterte Gesichter ziehen und alle keine Zeit für ein Gespräch haben?
Nehmen Sie Nahrungsergänzungsmittel, weil sie keine Zeit haben, sich gesund zu ernähren?
Sind Sie im Fitnesscenter angemeldet, um sich fit zu erhalten, weil Sie zu wenig Bewegung haben?


Etwas zu ändern, weil wir verpflichtet sind die Erde für unsere Nachkommen zu erhalten, halte ich für Polemik.
Die Energiewende halte ich für Augenwischerei. Das Ändernwollen der Ökologie, der Ökonomie, des Wirtschaftssystems und der Politik halte ich für Verblendung und sinnlose Schuldzuweisung.

Wenn sich der Verbrauch jedes Einzelnen nicht ändert, wird sich nichts ändern.
Wenn das Bewusstsein nicht da ist, dass man zu nichts gezwungen ist, nicht im Discounter einkaufen zu müssen, nicht alles neu und im Plastikstil haben zu müssen, nicht für Dumpinglöhne Waren zu produzieren, zu transportieren, zu verpacken, nicht die verpönten Sendungen im Fernsehen schauen zu müssen, nicht die Zeitung lesen zu müssen und nicht gestresst und genervt rummeckern zu müssen, wird sich nichts ändern.

Wir leben in Gesellschaft und es sind immer die Anderen, denen man sich ja anpassen muss. Wirklich?
Gesellschaft ist ein Zusammenschluss von Einzelnen und jeder trägt dazu bei, dass es ist, wie es ist.

Haben Sie das Gefühl, dass sich dringend etwas ändern muss und wir auf eine Katastrophe zusteuern und suchen nach Alternativen?

Leben ist schön! Es besteht auch aus Aromen und Eindrücken. Gerade ist Erdbeerzeit.
Erdbeeren vom Erzeuger um die Ecke bekommen Sie für fast denselben Preis, wie beim Discounter. Sie können Sie laufend oder Fahrrad fahrend holen.
Dabei können Sie einen Schwatz mit den Menschen halten, bei denen Sie einkaufen.
Sie sind reif, aromatisch und süß. Die einheimischen Kirschen und Johannisbeeren und Heidelbeeren ebenso.
Es ist Sommer, die Nächte warm und Glühwürmchen sind zurzeit unterwegs.
Vielleicht laden Sie ein paar Freunde und Bekannte dazu ein und unterhalten sich mal über Alternativen zu dem ganzen Irrsinn.
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8 Kommentare
16.680
Steffen Weiß aus Gera | 23.06.2011 | 22:35  
3.050
Antje Hellmann aus Jena | 24.06.2011 | 12:34  
13.095
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 24.06.2011 | 16:54  
13.458
Uwe Zerbst aus Gotha | 25.06.2011 | 18:51  
256
Grit Löwe aus Gera | 26.06.2011 | 10:10  
122
Detlef Röth aus Sömmerda | 09.09.2011 | 15:18  
16.680
Steffen Weiß aus Gera | 09.09.2011 | 15:25  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 26.01.2013 | 21:05  
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