"Armin T. Wegener - Zeuge des Genozides am Armenischen Volk"

Der Schriftsteller als Weltkriegssanitäter. (Foto: Armin T. Wegner Gesellschaft)
 
Todeslager in der Wüste - genocide-museum.am (Foto: http://genocide-museum.am/eng/armin_wegner.php Wallstein Verlag, Germany. All rights reserved)
Gera: Trinitatiskirche | Im Rahmen des Gedenkens an den Völkermord an den Armeniern vor 100 Jahren wird in einem Abendgottesdienst
am Sonntag 19. April, 19:00 Uhr in St. Michael, Gera-Pforten
an den Schriftsteller Armin T. Wegner erinnert.


"Armin T. Wegener - Zeuge des Genozides"

Er ist wenig bekannt, fast scheint er vergessen, der expressionistische Schriftsteller Armin T. Wegner. Er hat Gedichte, Erzählungen, Novellen, Hörspiele und Fotografien hinterlassen. Vor allen sind seine Zeugnisse vom Genozid an den Armeniern, der am 24.April 1915 in Istanbul seinen Ausgang nahm, bis heute bedeutsam.

Herkunft


Armin T. Wegner erblickte am 16. Oktober 1886 das Licht der Welt. Seine Mutter Marie Appollonia, eine empfindsame Frau, hat ihn wesentlich beeinflusst. Sie war eine strikte Pazifistin, setzte sich für das Frauenstimmrecht ein und gab die Zeitschrift „Die Frau der Gegenwart“ heraus. In Breslau konnte Armin einer Rede der Friedensaktivistin Bertha von Suttner lauschen, die Bücher Tolstois gehörten zu seiner Lieblingslektüre.

1. Weltkrieg


So erscheint es nur folgerichtig, dass sich Armin T. Wegner nicht an der allgemeinen Kriegsbegeisterung seiner Generation beteiligt hat. Sein öffentlicher Aufruf, sich dem Krieg zu verweigern, wurde von keiner Zeitung gedruckt. Angesichts des hereinbrechenden Schreckens an den Fronten wollte Armin T. Wegner sich nicht auf das Mahnen beschränken, sondern aktive humanitäre Hilfe leisten. Er wurde Mitglied einer Rot-Kreuz-Einheit und unterstützte als Sanitäter die türkische Armee – einem Verbündeten Deutschlands – bei der Versorgung der Kriegsverwundeten.

Genozid an den Armeniern


Hier wurde er Augenzeuge des Genozides an dem Armenischen Volk. Er schrieb: „Dabei kamen wir …oft an Lagern vorbei, an den Todeslagern, in denen Armenier, hilflos in die Wüste getrieben, ihrem allmählichen Untergang entgegensahen.“ Von den türkischen Behörden verheimlicht, von den deutschen Verbündeten bewusst übersehen, vollzog sich ein grausamer Völkermord, dem etwa 1,5 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Armin T. Wegner besuchte trotz Gefahren diese Todeslager. Er sprach mit den Armeniern, fotografierte und machte Notizen. Diese Eindrücke haben ihn nie wieder losgelassen. In mehreren seiner literarischen Werke bringt Armin T. Wegner das allseits verschwiegene Geschehen zur Sprache. Er setzt sich auch auf diplomatischen Weg für das bedrohte und dem Untergang geweihte armenische Volk ein. Sein Kollege Stefan Zweig bescheinigt ihm, durch seine „erschütternde Schilderung…zum ersten Male…dem ahnungslosen Deutschland“ dieses Verbrechen bewusst gemacht zu haben. 1922 wendet er sich in dem Aufruf „Der Schrei vom Ararat“ erneut an die Öffentlichkeit, um sich für den Schutz der Armenier einzusetzen. Er hält Kontakt zu armenischen Persönlichkeiten und wird von den Armeniern für seinen Einsatz bis heute hoch geschätzt.

NS-Diktatur


Wegner, sensibilisiert für die Gefahren, die ethnischen Minderheiten drohen, hatte bereits antisemitische Stimmungen im kommunistischen Russland kritisiert. 1921 feierte er mit der jüdischen Schriftstellerin Lola Landau Hochzeit. So wundert es nicht, dass sich Wegner bereits frühzeitig gegen das Erstarken der nationalsozialistischen Bewegung geäußert hat. In einem offenen Brief an Hitler forderte er den Reichskanzler auf, alle antisemitischen Gesetze zurückzunehmen. Die ihm angeratene Scheidung von seiner Frau lehnte er kategorisch ab. Seine Schriften waren inzwischen verboten und beim großen Spektakel der Bücherverbrennung hat die SA Bücher von ihm symbolisch auf den Scheiterhaufen geworfen. Armin T. Wegner, wegen seiner pazifistischen Haltung bereits im Visier des Sicherheitsdienstes, wusste um das Risiko. Er wurde inhaftiert, gefoltert, durchlief sieben Haftanstalten und drei Konzentrationslager. Lola Landau gelang kurz vor der Verhaftung die Flucht nach Schweden. Auf Grund Interventionen aus England wurde Wegner aus der Haft entlassen und ging in die Emigration. Er tauchte in den Niederlanden und in Italien unter, während seine Frau in Israel eine neue Heimat fand. Ständig auf der Flucht vor seinen Häschern gelang es Armin T. Wegner zu überleben. Allerdings hatten sich Folter, Bedrohung und Angst fest in seine Seele eingebrannt.

Danach…


Wegner folgte seiner Frau nicht nach Israel. Sie trennten sich einvernehmlich und Wegner heiratete erneut: die polnisch-österreichische Künstlerin Irene Kowaliska. Er siedelte sich mit seiner neuen Familie in Italien an. Die Traumatisierung, die Wegner durch die Verfolgung erlitten hatte, blockierte auch sein schriftstellerisches Wirken. In Deutschland galt er als verschollen. Erst Mitte der 1950 Jahre machte er dann wieder Reisen nach (West)-Deutschland. 1968 fand dann endlich sein Wirken würdevolle Anerkennung: in Israel empfing Wegner in Yad Vashem die „Medaille der Gerechten“; und in der Republik Armenien empfing ihn der Patriarch der armenischen Kirche, um ihn als Ausdruck des Dankes den „Orden des heiligen Gregors“ zu überreichen.

Mystische Einsichten

„Liebe kann Wunden heilen, Opfer bringen, sterben…aber niemals wird Liebe Blut vergießen, es sei denn, sie töte sich selbst.“ Armin T. Wegner stand Ideologien stets kritisch gegenüber. Er war Mitglied der Kommunistischen Partei, und gleichzeitig wandte er sich gegen die kommunistische Diktatur in Russland. Er war gegenüber den Kirchen distanziert, und gleichzeitig fand er zu einer religiösen Sprache. Mystische Einsichten ganz eigener Weise finden sich in seinem Werk: „Wahre Dichtung ist immer auch Glaube, und Glaube die größte Dichtung der Menschheit“ formulierte Wegner, oder „Sollte man mich fragen, ob es mir dabei gelang, den neuen Namen Gottes zu finden, so würde ich antworten, nicht auf das Finden komme es an, sondern auf das Suchen.“ Die Verbundenheit von allem miteinander bringt er so zur Sprache:“Die menschliche Seele steht immer in engsten Zusammenhang mit allen Erscheinungen des All über uns. Was sich unabsehbar über uns ausbreitet, senkt sich als Spiegelbild in gleichem Maße tief in unser Inneres hinab“.

Am 17. Mai 1978 starb Armin T. Wegner in Rom.

Quelle:
Reinhard M.G. Nickisch „Armin T. Wegner – Ein Dichter gegen die Macht“ Peter Hammer Verlag
Armin T. Wegner „Am Kreuzweg der Welten“ Buchverlag Der Morgen
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