Auf der Suche nach Antworten - Regelschullehrer aus Greiz und Gera auf Spurensuche im Bundesverteidigungsministerium

Regelschullehrer aus Greiz und Gera in den Schaltzentralen politischer Macht. Teilnehmer an der Seminarreise vor dem Bundeskanzleramt.
Von Reinhard Schulze

Die Bundeswehr ist im Umbruch. Der Wehrdienst ist ausgesetzt. Nun heißt es: Freiwillige ran. Die Bundeswehr zeigt sich besorgt, dass mit der Umstellung der Streitkräfte von Wehrpflichtigen auf Freiwillige der Nachwuchs ausgeht. Bleibt es bei der bisherigen Resonanz, sind Lücken bei den Streitkräften absehbar. Derzeit gibt es gerade mal 7000 Interessenten für einen solchen Freiwilligendienst.

"Gewiss, die Bundeswehr ist gesellschaftlich anerkannt. Aber was heißt das eigentlich genau? Die Deutschen vertrauen der Bundeswehr, mit Recht, aber ein wirkliches Interesse an ihr oder gar Stolz auf sie sind eher selten. Noch seltener sind anscheinend der Wunsch und das Bemühen, den außen- und sicherheitspolitischen Wandel zu verstehen und zu bewerten, der da auf die Bundeswehr einwirkt", wusste schon der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler. Nur einer der Gründe, wenn nicht einer der Hauptgründe, dass schlechte Image der Bundeswehr - nicht zu letzt durch ihren Einsatz in Afghanistan geprägt.

So bemüht sich die Bundeswehr neben der Nachwuchsgewinnung besonders um mehr Zustimmung in der Bevölkerung. Unterstützung dabei erhält die Bundeswehr auch von Lehrerinnen und Lehrer, speziell für die Fachbereiche Politik und Wirtschaft sowie Ethik. Doch dafür brauchen sie Antworten und die aus erster Hand.

Sie wollen Antworten, brauchen Wissen um mitreden zu können. So nutzen Pädagogen wie auch Elternvertreter aus Greiz und Gera das Angebot des Jugendoffiziers Gera, Sebastian Brunner, an einer Seminarreise nach Berlin teilzunehmen. Auf dem Programm standen der Besuch des Ministeriums für Verteidigung im Bendlerblock, einschließlich des Ehrenmals der Bundeswehr sowie der Besuch des Bundeskanzleramtes, der Thüringer Landesvertretung in der Berliner Mohrenstraße und zum Abschluss als kulturelles Highlight der Besuch des Kabaretts "Die Diestel".

In Berlin angekommen standen die Seminarteilnehmer vor einem Betonquader von 41 Metern Länge, acht Metern Breite und zehn Metern Höhe - dem Ehrenmal der Bundeswehr - welcher mit einer durchbrochenen Bronzehülle verhängt ist, deren Struktur an die im Todesfall halbierten Erkennungsmarken der Soldaten erinnert. In der Cella werden für jeweils etwa fünf Sekunden Namen von über 3100 im Dienst ums Leben gekommener Soldaten an die Wand projiziert. Damit ähnelt es einer Videoinstallation und unterscheidet sich von traditionellen Kriegerdenkmälern und Gedenktafeln, bei denen die Namen dauerhaft auf Stein, Metall oder Holz festgehalten sind. Wie Jugendoffizier Oberstleutnant Sebastian Brunner und Leutnant Björn Flauger, Wehrdienstberater Gera sagten, soll so Heldenverehrung vermieden und stattdessen die Vergänglichkeit des Lebens und Individualität des Todes betont werden.

Sven Kindler, Leiter des Besucherdienstes im Bundesministerium informierte über die Aufgaben der Bundeswehr, den anstehenden Strukturwandel und wie man die "Hearts & Minds" der Bevölkerung künftig gewinnen will. Die Fragenpalette war groß, reichte von Sicherheitspolitik, Konfliktbewältigung, Struktur und Wandel der Bundeswehr bis hin zu sicherheitspolitischen Konsequenten, die sich aus den internationalen Einsätzen für Deutschland ergeben, zum humanitären und friedenssichernden Handeln oder der Betreuung der aus internationalen Einsätzen heimkehrenden Soldaten wie auch zur Zukunft der Bundeswehrstützpunkte in Thüringen.

Horst Köhler sprach einst vom "freundlichen Desinteresse" der Bürger an der Bundeswehr. Drohte den Bürgern in Zivil und den Bürgern in Uniform früher dieselbe Kriegsgefahr, erscheint die Heimat heute friedlich und die Einsatzorte der Bundeswehr weit. Ja selbst die inszenierte Bedrohung durch Terroristen scheint unter der Bevölkerung nicht zu wirken. Woher soll da der Nachwuchs für die Bundeswehr kommen? Woher die Bereitschaft unter der Jugend, in der Bundeswehr zu dienen?

Sebastian Brunner und Björn Flauger ahnen es nicht nur, sie wissen es: Die Bundeswehr befindet sich in einem für sie beispiellosen Werbefeldzug an der Heimatfront.
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