Brauchen die Langenberger eine Straßenbahnlinie?

Braucht Gera-Langenberg eine Straßenbahnlinie?
 
Nein - sagt Norbert Linke
 
Ja - sagt Rita Schmidt
Gera: Straßenbahn | Notwendige Investition in die Zukunft oder Verschwendung von Steuergeldern? – Zwei Langenberger, zwei Meinungen

Nein!
Norbert Linke
Zimmerermeister und Mitglied der Bürgerinitiative

Grundsätzlich war ich nicht gegen die Straßenbahnlinie. Doch seit dem ich mich intensiv mit dem Projekt (Umfang ca. 45 Mio. EUR) beschäftigte, steht für mich fest, dass es für uns Langenberger keinen Gewinn bringt. Bisher gab es keine Beschwerden über eine schlechte Nahverkehrsanbindung in Langenberg. Weshalb dann eine Bahn? Es war nie geplant den Langenberger Fahrgast optimal zu erreichen. Die Linie 4 wurde erfunden, um das Gesamtinvestitionsvolumen der Stadtbahnerneuerung – Wiesestr., Hinter der Mauer, Langenberg – auf ca. 50 Mio. Euro anzuheben um so eine höhere Förderung von Bund und Land zu erhalten. Dies bedeutet, dass Programm wurde aufgepuscht! Dem Fahrgastschwund von Bieblach – Ost geschuldet, musste eine Strecke gefunden werden, die in der gleichen Zeit gefahren werden kann. Deshalb führt die, dann schnell gefahrene Strecke um Langenberg herum und benötigt innerhalb des Ortsteils Zubringerbusse. Der Fahrgastschwund ist übrigens nicht nur in Bieblach – Ost, sondern im gesamten Bereich des GVB zu verzeichnen.

Nur einige Gedanken zur Ökologie:
Durch die geplante Streckenführung werden noch mehr Flächen versiegelt. Die einzige öffentliche Grünfläche in Langenberg sowie eine Streuobstwiese werden für immer verschwinden! Für die Linie 4 fallen 246 Bäume der Kettensäge zum Opfer. Eine Ersatzbegrünung sowie Entsiegelung von Flächen erfolgt in Liebschwitz, Poris, Lasur, Wipsetal, Reichenbach, Reichenbacher Teich und Bieblach!

Eine Mülldeponie, welche lt. Einigungsvertrag Bestand hat, wird angegriffen und muss nun, höchstwahrscheinlich nach dem aktuellen Deponiegesetz behandelt werden.

Die seltene Fledermauspopulation im Langenberger Kirchturm wird durch dieses Projekt gefährdet. Der Naturschutzbund Thüringen (NABU) hat die Planung der Linie 4 geprüft und ist zu dem Schluss gekommen, dass dieses Vorhaben gegen das Thüringer Naturschutzgesetz verstößt und nicht erforderlich ist. Es wird zu erhöhter Feinstaubbelastung durch mehr Staus an den Ampeln kommen. Die Straßenbahn wird 2x die Bundesstraße kreuzen. Die RVG-Busse werden leer in den Betriebshof fahren. Alle Busse werden künftig an der Wendeschleife Langenberg halten, warten und starten.

Der Strom für die Straßenbahn wird zu 70% aus fossiler Energie gewonnen! Sollten dann die Bahnen fast und die Busse ganz leer fahren, leisten wir alle einen großen Beitrag zum Klimawandel.

Zahlen und Fakten:
Laut erst kürzlich veröffentlichtem Werbeflyer, können künftig die Langenberger ohne Umsteigen in die Stadt. Die entspricht nicht ganz der Wahrheit. Innerhalb Langenbergs werden Zubringerbusse eingesetzt, viele Fahrgäste werden nun schon das erste Mal in Langenberg umsteigen müssen. Die Regelschüler kommen bisher ohne umsteigen zur Schule. Nach Verwirklichung des Projektes wechseln diese 2x die Fahrzeuge. Es wird nie eine Straßenbahn von Langenberg ins Kino oder ins Hofwiesenbad fahren. Auch hier werden wir umsteigen müssen.
Vom GVB wurde eine Fahrgastzahl von bis zu 8000 Fahrgästen täglich veröffentlicht. Wie soll dies funktionieren, bei 4000 Einwohnern in Langenberg. Es werden auch sicher nicht ALLE Langenberger JEDEN Tag mit der Bahn fahren. Bis 2030 wird die Einwohnerzahl noch um 22,8% sinken. Wer soll in 20 Jahren die Steuern erarbeiten um Straßen und Gleise zu sanieren?

Es wird immer wieder von einer standardisierten Bewertung gesprochen. Es gibt keine Rentabilitätsberechnung für die Linie 4!!!!!!

Folgende Betriebskosten sind abschließend noch zum Überlegen zu nennen:

RVG-Bus pro km 2,01€
GVB-Bus pro km 2,91€
GVB-Straßenbahn pro km 9,25€

Zusammengefasst: Es wird ein gut funktionierendes Verkehrsnetz zerstört, dass man – auch unter Ausschöpfung anderer Förderprogramme – für die Bürger durchaus weiter verbessern und umweltfreundlicher gestalten könnte. Beispielsweise durch mehr punktuelle Bedarfshaltestellen für die Busse oder durch den Einsatz neuer Technik wie Hybridbusse mit Brennstoffzellen. Die Investitionen dafür lägen weit günstiger. Wir sind gehalten mit Steuergeldern sinn- und maßvoll umzugehen. Dieses Ziel ist verfehlt. Wir wissen, dass in Langenberg ganz andere „Schuhe drücken“: z.B. Eisenberger Str., die Brücken am Eichberg, eine öffentliche Toilette oder ein Rasenplatz für den örtlichen SV.


Ja!
Rita Schmidt
Ortsteilrat, Vorstand Wohngenossenschaft „Neuer Weg“ eG



„Wir für die 4 – die Stadtbahnlinie nach Langenberg“ – für dieses Ziel stehe ich in dreifacher Hinsicht: als Langenbergerin, als Ortsteilrätin und als Vorstand der Wohngenossenschaft „Neuer Weg“. Dabei sehe ich Vorteile für alle Altersgruppen. Beispielsweise einen deutlichen Fahrzeit- und Komfortgewinn. Die Bahn ist ein zuverlässiges Verkehrsmittel, steht nicht im Stau, verspätet sich also nicht und man ist in 20 Minuten ohne Umsteigen in der Innenstadt. Außerdem ist es eine umweltfreundliche Geschichte. Für die Älteren, deren Gruppe stetig wächst, ist das Thema Barrierefreiheit ein Argument für die Straßenbahn.

Wenn ich in die Zukunft schaue, sehe ich darin einen 100-prozentigen Gewinn für Langenberg. Mit der Straßenbahnlinie wächst die Wohnqualität, die Grundstücke werden aufgewertet, die Attraktivität für junge Familien steigt, die zwar ländlich geprägt im Grünen leben, aber dennoch schnell das Stadtzentrum erreichen möchten, sei es wegen der Arbeit, der Einkaufszentren, den Ärzten…
Wir möchten mit Blick in die Zukunft dem jetzigen Trend des Einwohnerschwundes entgegen wirken und möglichst neue Bewohner gewinnen – und das ist nur mit einer attraktiven Infrastruktur möglich. Die heutigen Busfahrpläne insbesondere am Wochenende, frühmorgens bzw. abends lassen doch Wünsche übrig.

Mit dem Bau der Linie 4 soll gleichzeitig auch das unmittelbare Umfeld mit berücksichtigt werden, Straßen und Gehwege saniert, neue Straßenbeleuchtung angebracht werden.
Wenn also von Stadtentwicklung die Rede ist, dann muss auch der Stadtteil Langenberg Berücksichtigung finden – und dazu gehört meiner Meinung ein moderner Nahverkehr mit Straßenbahn. Bundesweite Statistiken zeigen, dass beim Wechsel von Busverkehr auf Straßenbahn eine Steigerung der Fahrgastzahlen um mindestens um 15 Prozent erwartet werden können.
Ich freue mich darauf, das Auto öfter mal stehen lassen zu können und mit meinen Enkeln bequem und ohne Stress per Straßenbahn ins Stadtzentrum zu fahren – samstags ins Puppentheater zum Beispiel.

Mehr Stimmen für Ja:
Monika Burkhardt: "Am Freitag auf den Geraer Markt..."
Silvia Gläser: "Am Sonntag zur Arbeit nach Gera..."
Marion Möckel: "Am Montag in die Schwimmhalle..."
Marlies Beil: "Am Diesnstag zum Familientag ins Kino..."
Annerose Schramm: "Am Mittwoch zum Einkaufen ins Elsterforum..."
Matthias Neiser: " Am Donnerstag zum Behördengang ins H35..."
Sonja Biehl: "Montag bis Freitag zur Arbeit nach Langenberg..."
...alles in 20 Minuten!

Mehr Infos:
Straßenbahnneubau Thüringer Strße bis Langenberg
- behindertengerechter und barrierefreier Neubau von vier Haltestellen: Haltestelle Siemensstraße
Haltestellte Max Bögl Straße
Haltestelle Zu den Wiesen
Haltestelle Wendeschleife Langenberg
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13 Kommentare
8
Hans Brauer aus Gera | 08.08.2012 | 17:54  
2.146
Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 08.08.2012 | 23:34  
683
Siegfried Langenberg aus Sömmerda | 09.08.2012 | 15:22  
3.865
Karin Jordanland aus Artern | 09.08.2012 | 20:24  
2.146
Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 12.08.2012 | 10:09  
20
Magda Rauter aus Gera | 13.08.2012 | 18:53  
6
Matthias Heinke aus Gera | 14.08.2012 | 21:32  
16.680
Steffen Weiß aus Gera | 14.08.2012 | 21:38  
2.146
Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 15.08.2012 | 07:26  
13.094
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 16.08.2012 | 08:28  
2.146
Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 16.08.2012 | 17:52  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 18.08.2012 | 07:24  
2.146
Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 20.08.2012 | 14:34  
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