Das Wasser ist weg. Schäden an der Dix-Schule sind auch ein Jahr nach der Flut nicht beseitigt

In den beiden Turnhallen der Geraer Dix-Schule rollt seit einem Jahr kein Ball mehr! Der Wiederaufbau nach dem Hochwasser im Juni 2013 wurde noch nicht begonnen.
 
Blick in die im Keller der Regelschule "Otto Dix" befindlichen Unterrichtsräume. Der Fußboden und der Putz wurden entfernt. Der Wiederaufbau hat ein Jahr nach dem Hochwasser noch nicht begonnen.
 
Holger Weisheit, Schulleiter der Regelschule "Otto Dix", zeigt, bis in welche Höhe das Hochwasser damals stand.
 
Blick in die im Keller der Regelschule "Otto Dix" befindlichen Unterrichtsräume. Der Fußboden und der Putz wurden entfernt. Der Wiederaufbau hat ein Jahr nach dem Hochwasser noch nicht begonnen.
 
Auch die beiden Turnhallen der Dix-Schule wurden überflutet und können seit dem Hochwasser im Juni 2013 nicht mehr genutzt werden. Sportlehrer Wolfgang Langhof zeigt den damaligen Wasserstand.
Gera: Regelschule Otto Dix |

Wie sieht es exakt ein Jahr nach dem Hochwasser in Gera aus? An den meisten betroffenen Stellen entlang der Weißen Elster sind inzwischen keinerlei Spuren vom Hochwasser zu sehen. Anders an der Regelschule "Otto Dix" in Untermhaus. Hier muss nach wie vor Unterricht an andere Einrichtungen verlegt werden, weil Schulräume und die beiden Turnhallen noch nicht saniert wurden.

Als am 27. Mai das Fax mit der Unwettermeldung vom Deutschen Wetterdienst in der Grund- und der Regelschule Otto Dix einflatterte, stockte den Lehrern der Atem: „Wir möchten das nicht nochmal erleben“. Gera hatte Glück, blieb diesmal von Überschwemmungen verschont. Doch beruhigt zurück lehnen kann sich Holger Weisheit, Schulleiter der Regelschule „Otto Dix“ im Geraer Stadtteil Untermhaus, dennoch nicht. Ein Jahr ist es her, dass die Weiße Elster unter anderem Untermhaus und somit auch die Schule unter Wasser gesetzt hatte.

Und im Jahr eins nach dem Hochwasser läuft alles wieder in geordneten Bahnen? Mitnichten! Die beiden Turnhallen sind nach wie vor verschlossen. Den Zugang zu den Unterrichtsräumen im Keller versperrt ein rot-weißes Absperrband. Es riecht nach feuchtem Mauerwerk. Fußböden und Putz wurden entfernt. Aber der Wiederaufbau hat noch nicht begonnen.

Der Regelschulleiter spricht von einer Herausforderung für Lehrer und Schüler. Beim Technikunterricht kann im eigenen Haus nur die Theorie vermittelt werden. Für den praktischen Unterricht nutzt die Dix-Schule nach wie vor einen Raum der SBBS Technik in der Mehringstraße. Einerseits ist Weisheit froh, dass diese Möglichkeit besteht. Andererseits muss er sich eingestehen, dass die dort bestehenden Bedingungen keinen Unterricht laut vorgegebenen Lehrplan ermöglichen. Zudem muss der Stundenplan so geändert werden, dass durch die Wegezeit der Technikunterricht grundsätzlich am Ende des jeweiligen Schultages liegt. Von ähnlichen Problemen spricht der Schulleiter beim Technischen Werken. Stundenweise, aber nicht im erforderlichen Umfang, kann ein Raum der Grundschule genutzt werden. „Das dauert jetzt schon ein Jahr an und wird mindestens noch das erste Halbjahr des nächsten Schuljahres so weiter gehen“, zeigt er sich entsetzt.

Nicht minder dramatisch eingeschränkt findet seit einem Jahr der Sportunterricht statt. „Drei Wochenschulstunden sind laut Lehrplan vorgeschrieben. Zwei finden in der Panndorfhalle statt. Davon muss noch die Wegezeit abgezogen werden“, fasst Sportlehrer Wolfgang Langhof die unbefriedigenden Bedingungen zusammen. Und selbst wenn für das kommende Schuljahr mit der neuen Sportstättenplanung drei Schulstunden zur Verfügung ständen, könnten auch diese durch die Wegestrecke nicht effektiv genutzt werden.

Alle an der Dix-Schule hatten gehofft, dass die nicht zumutbaren Bedingungen im kommenden Schuljahr endlich der Geschichte angehören. Daraus wird nichts. „Ich halte den Zeitraum für die Wiederherstellung für sehr bedenklich“, drückt sich Weisheit höflich aus. Im gleichem Atemzug bedankt er sich bei Thomas Seidel vom Fachdienst Sport der Stadt Gera und bei Reiner Hädrich von der SBBS Technik für die unkomplizierte Zusammenarbeit.

Die Lehrer, Schüler und Eltern warten nach wie vor auf eine verbindliche Aussage seitens der Verantwortlichen, ab wann mit einem normalen Schulbetrieb gerechnet werden kann. Nächster Termin für die bislang ausbleibende Antwort wäre der 11. Juni. Zur Erweiterten Schulkonferenz haben sich der Baudezernent Ramon Miller und die Fachdienstleiterin Bildung, Saskia Leupold-Grunewald, angekündigt. Es ist nicht so, dass kein Geld für den Wiederaufbau vorhanden ist. Der Antrag für die Fördermittel aus dem Wiederaufbaufonds des Landes Thüringen wurde seitens der Stadt Gera am 28. März gestellt und bereits am 22. April bewilligt. „Warum der Antrag erst so spät gestellt wurde, verstehen wir auch nicht. Aber jetzt, wo das Geld da ist, sollte es auch schnellstens ausgegeben werden“, fordert Holger Weisheit und hofft, dass endlich Schluss damit ist, dass Termine ständig in die Zukunft korrigiert werden.

Vom fehlenden Vertrauen in die städtischen Vertreter berichtet Romy Vogt, Mitglied der Schulkonferenz der Regelschule Otto Dix. Die Eltern seien verärgert, dass der Wiederaufbau nicht voran geht. Sie spricht von unverschuldeten Versäumnissen bei den Schülern und zollt den Lehrern Respekt, dass sie unter diesen Bedingungen dennoch ihr Bestes geben.

Hochwasser-Chronologie Dix-Schule:

- 2. Juni 2013, Abend: Der Pegel der Weißen Elster hat einen bedenklichen Stand erreicht. Aber noch tritt der Fluss in Untermhaus nicht über die Ufer. 21.30 Uhr machen Schulleiter und Hausmeister einen Kontrollgang und gehen davon aus, dass sie informiert werden, wenn Gefahr für die Dix-Schule besteht.

- 3. Juni 2013, 5.22 Uhr: Die Schulleiter der Grund- und der Regelschule werden vom Hausmeister der Dix-Schule informiert, dass die Schule überschwemmt ist.

- Die Schulleiter beginnt sofort eine Infokette aufzubauen, schließlich mussten 320 Regel- und 260 Grundschüler koordiniert werden, da kein regulärer Schulbetrieb stattfinden kann.

- Eine erste Bilanz des Hochwassers: Die beiden Turnhallen standen einschließlich Umkleide- und Sanitärräume unter Wasser, ebenso das Fachkabinett Werken, das Fachkabinett Technik mit Vorbereitungsraum, die Hausanschlussanlage, der Schulserver, die Hausmeisterwerkstatt, ein Lager, die Heizungsanlage und die Steuerungstechnik für die Sicherheitssysteme, die für den Schulbetrieb zwingend notwendig sind. Gesamtsumme für den Wiederaufbau etwa 1,5 Millionen Euro.

- In der Woche nach dem Hochwasser waren teils bis zu 60 Helfer aktiv, betroffene Räume zu beräumen: Kollegen, Untermhäuser, ehemalige Schüler, Eltern, THW, Feuerwehr, OTEGAU und Ordnungsamtmitarbeiter.

- Die Sicherheitstechnik konnte nach einer Woche wieder hergestellt und der Schulbetrieb unter stark eingeschränkten Bedingungen wieder aufgenommen werden.

- Provisorischer Schulbetrieb bis zu den Sommerferien.

- Das Entfernen der feuchten Fußböden durch Fachfirmen dauert bis nach den Sommerferien.

- Erst im Oktober wird mit der Trocknung begonnen.

- Seitdem keine weiteren sichtbaren Rückbau- oder Aufbauarbeiten.

- 28. März 2014: Fördermittelantrag seitens der Stadt an das Land Thüringen

- 22. April 2014 Bewilligung des Fördermittelantrags

- 15. Juli 2014: Ursprünglich geplanter Termin für die Veranstaltung anlässlich des 111. Schuljubiläums, zu dem auch die aus dem gesamten Bundesgebiet kommenden Spender eingeladen werden sollten. Ihnen sollte gezeigt werden, wofür ihre Gelder eingesetzt wurden. Da es noch keinen Baufortschritt gibt, kann die Veranstaltung nicht stattfinden.

Die Stadt Gera zieht ein Jahr nach dem Hochwasser folgende Bilanz (Nicht explizit nur auf die Dix-Schule bezogen). Anbei der vollständige Wortlaut aus dem Rathaus vom 2. Juni 2014:

Ein Jahr nach dem Hochwasser in Gera
Für 23 Millionen Euro Wiederaufbaumaßnahmen angemeldet – Bis 31. Dezember 2014 können noch Anträge gestellt werden

Vor fast auf den Tag genau einem Jahr glichen Teile Geras einem einzigen großen See. Das Hochwasser der Weißen Elster, das zum kritischsten Zeitpunkt bei 4,58 Meter stand, hatte cirka 812 Hektar des Stadtgebietes überschwemmt. Verschiedene Stadt- und Ortsteile waren zeitweise nur per Boot zu erreichen. Sechs Kindertagesstätten und vier Schulen mussten vorübergehend geschlossen, bis zu 150 Bürger in vier Notunterkünfte evakuiert werden. Rund 10.000 Abnehmer waren zeitweise ohne Strom.

Bis zu 250 Feuerwehrleute, Bundeswehrsoldaten, Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks und von Hilfsorganisationen kämpften gemeinsam mit hunderten freiwilligen Helfern gegen die Auswirkungen der Katastrophe, bei der viele Geraer ihr Hab und Gut zum Teil oder ganz verloren. Sie erreichte eine Welle der Solidarität, denn schon in den ersten Tagen gingen rund 150 Hilfsangebote in der eigens eingerichteten städtischen Koordinierungsstelle ein.

Der Schaden, den die Hochwasserkatastrophe in Gera anrichtete, belief sich nach damaligen Schätzungen auf 58,4 Millionen Euro. Betroffen waren nicht nur etwa 15.000 Geraer in rund 8.000 Haushalten; freie Träger, Vereine und Verbände, auch die kommunale Infrastruktur wurde stark beschädigt und teilweise zerstört. Straßen, Brücken, Sportstätten, Schulen, Museen, Theater, Musikschule und andere Gebäude wurden ebenso in Mitleidenschaft gezogen wie das Elektro-, das Gas- und das Fernwärmenetz sowie die Wasser- und Abwasseranlagen.

Schnell stellte das Land Thüringen Soforthilfen für Kommunen sowie betroffene Bürger und kleine Unternehmen bereit. Zudem wurden - basierend auf dem eigens vom Bund gebildeten Fonds Aufbauhilfe - verschiedene Förderprogramme aufgelegt; darunter eines speziell für Schäden, die das Hochwasser an städtebaulicher, sozialer, verkehrlicher Infrastruktur, an wasser- und abfallwirtschaftlichen Einrichtungen sowie Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen hinterließ. Das betrifft auch freie Träger, Sport-, Kleingarten- und andere Vereinen. Um die in diesem Bereich zu erwartenden Anträge auf Fördermittel möglichst zügig bearbeiten zu können, nahm Anfang Oktober im Dezernat Bau und Umwelt das dreiköpfige Team Aufbauhilfe Hochwasser Infrastruktur seine Arbeit auf.

Basierend auf Zuarbeiten aus den Fachdiensten und Einrichtungen sowie von Dritten wurden die einzelnen Schäden ermittelt und als Bedarf im 1. Maßnahmeplan verankert. Nachdem diese 63 Maßnahmen durch eine im Thüringer Bauministerium angesiedelte Kommission wohlwollend geprüft wurden, reichte die Stadt Gera sofort einen 2. Maßnahmeplan mit weiteren 53 Vorhaben nach. Er wurde ebenso bestätigt wie drei über das Kultusministerium zu fördernde Projekte und 33 Maßnahmen des Zweckverbandes Wasser/Abwasser „Mittleres Elstertal“. Parallel dazu gab die Kommission wertvolle Ratschläge für Anträge bei anderen Fördermittel-Gebern wie der Thüringer Aufbaubank (TAB), dem Kultus- oder dem Landwirtschaftsministerium

Das „grüne Licht“ aus Erfurt war das Startsignal, um die eigentlichen Anträge auf Fördermittel erarbeiten zu können. Vielfach sind die Schäden jedoch so gravierend, dass zunächst einmal Planungen beauftragt werden mussten und müssen. Das gilt insbesondere für die Otto-Dix-Schulen Untermhaus und verschiedene Sportstätten wie den Komplex Vollersdorfer Straße, aber beispielsweise auch für die „Hohle“. Dort war infolge des Starkregens Ende Mai/Anfang Juni 2013 ein Hang auf 150 Metern Länge abgerutscht und die Straße dadurch tagelang unpassierbar. Bereits abgeschlossen werden konnten unter anderem die fünf Maßnahmen der Geraer Verkehrsbetrieb GmbH. Auf Hochtouren indes laufen zum Beispiel die Instandsetzung betroffener Einrichtungen sozialer Träger, etwa Caritas und Volkssolidarität, sowie bei Gemeinschaftsanlagen von Kleingartenvereinen und auch beim Tennisclub 90 Gera e.V..

Die beiden ersten Maßnahmepläne der Stadt Gera umfassen insgesamt 115 infrastrukturelle und drei beim Kultusministerium eingereichte Maßnahmen sowie die über die TAB beantragte Förderung für den Hofwiesenpark. Diese haben ein Gesamtvolumen von knapp 22,5 Millionen Euro. Für 48 dieser Maßnahmen, das entspricht rund 40 Prozent - stellte die Kommune inzwischen Anträge auf Aufbauhilfe in Höhe von insgesamt fast 9,6 Millionen Euro. Für 32 dieser Anträge mit einem Volumen von 3,1 Millionen Euro erhielt die Stadt inzwischen einen positiven Bescheid. So wurden die Anträge auf Fördermittel für die Instandsetzung von hochwasserbedingten Schäden an zwei Schulen, drei Sozialstationen, einem Sport- und sechs Kleingartenvereinen weitestgehend im gestellten Umfang bewilligt. Auch für acht der bislang elf Anträge auf Aufbauhilfe für die Reparatur von Straßen sind die Fördermittelbescheide eingegangen. Außerdem wurde Gera für drei Brücken ein so genannter förderunschädlicher Maßnahmebeginn genehmigt, was bedeutet, dass mit der Instandsetzung bereits vor Bewilligung der Fördermittel begonnen werden kann. Den größten Nachholbedarf gibt es bei den Sportstätten, wo auf Basis von elf Bedarfsmeldungen erst ein Antrag gestellt und bewilligt werden konnte. Bei Besichtigungen vor Ort durch die zuständigen Mitarbeiter des Thüringer Landesamtes für Bau und Verkehr konnten dort ebenso Probleme angesprochen und offene Fragen geklärt werden wie bei der Begehung von durch das Hochwasser beschädigten Wasserläufen und Uferböschungen. Die betreffenden Anträge werden derzeit erarbeitet.

Inzwischen hat die Stadt Gera einen 3. Maßnahmeplan mit sieben Bedarfsanmeldungen und einem Volumen von knapp 100.000 Euro erarbeitet und zur Bestätigung an die zuständige Prüfungskommission verschickt. Es muss keineswegs der letzte sein, denn die Kommunen haben die Möglichkeit, noch bis 31. Dezember 2014 eigenen beziehungsweise Bedarf von Dritten an Aufbauhilfe einzureichen. Deshalb appelliert die Stadtverwaltung noch einmal an alle, eventuelle Anträge schnellstmöglich zu stellen. Die Formulare gibt es auf der Internetseite www.gera.de/hochwasser (gelber Button „Aufbauhilfe Infrastruktur Gemeinden“). Die ausgefüllten Unterlagen sind zu schicken an:

Stadt Gera
Fachdienst Stadtentwicklung
Team Aufbauhilfe Hochwasser
Reichsstraße 1b
07545 Gera.

Ansprechpartner dort sind:
Teamleiterin Gabriela Präßler, Telefon 838 4440
Sachbearbeiterin Michéle Sindermann, 838 4441
Sachbearbeiterin Uschi Lenk, 838 4442
E-Mail: hochwasser-infrastruktur@gera.de

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2 Kommentare
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Gunter Linke aus Saalfeld | 03.06.2014 | 19:41  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 07.06.2014 | 21:03  
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