DDR – Initiative gegen die Todesstrafe

Orginal Flugblatt 1986
Gera: Talstraße | DDR – Initiative gegen die Todesstrafe

Während die Bundesrepublik 1949 mit Geltung des Grundgesetzes die Todesstrafe abgeschafft hatte (die alliierten Gerichte konnten allerdings gegen NS-Verbrecher diese weiterhin vollstrecken), blieben in der DDR bis zum 17. Juli 1987 Exekutionen juristisch möglich. Zahlreiche Hinrichtungen wurden von sowjetischen Behörden und von DDR-Gerichten aus politischen Gründen angeordnet.

Was aber Viele nicht wissen:
bevor die DDR-Führung die Möglichkeit zur offiziellen staatlichen Tötung aus dem Gesetzbuch strich, gab es eine Initiative von Dissidenten gegen die Todesstrafe. Im Oktober 1986 wurde unter der Überschrift „Abschaffung der Todesstrafe! Jetzt!“ ein Flugblatt verbreitet. Initiator waren oppositionelle Gruppen aus Naumburg, die über Samisdat (Untergrundzeitungen), kirchliche Kanäle, Friedens- und Menschenrechtsgruppen ihre Idee veröffentlichte. Gefordert wurde dabei eine grundsätzliche Abkehr vom staatlichen Töten. So heißt eine Forderung im Flugblatt „Sie (die DDR) strebt innerhalb des RGW (d.h. des sozialistischen Lagers), innerhalb der UNO und anderen internationalen Organisationen an, dass andere Länder diesem Beispiel folgen und es zu einer weltweiten Ächtung der Todesstrafe kommt.“
Auch staatlichen Stellen wurden diese Forderungen zugeschickt.

Es war für die DDR-Opposition deshalb eine große Überraschung, dass etwa 8 Monate später die Todesstrafe in der DDR tatsächlich abgeschafft wurde. Natürlich hatte die DDR-Führung die Initiative gegen die Todesstrafe offiziell totgeschwiegen und jeglichen Bezug dazu verleugnet. Und dennoch war es ein moralischer Sieg der Opposition. Die Tradition des Verschweigens dieser wichtigen Initiative setzte sich allerdings im Westen und nach 1989 fort. Wann immer ich Artikel und Beiträge über die Todesstrafe in der DDR oder über ihre Abschaffung gelesen habe; die mutige Oppositionsinitiative wurde leider nie erwähnt.
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