Europa braucht eine neue Vision. Deutsche-Bank-Chef Dr. Josef Ackermann beim 6. Europäischen Kulturdialog in Gera

Dr. Joseph Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank spricht in Gera
 
Dr. Joseph Ackermann (links), Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, wird von Dr. Viola Hahn und Thüringens Finanzminister Dr. Wolfgang Voß in Gera begrüßt
Für ein stärkeres Europa hat sich der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Dr. Josef Ackermann, beim Europäischen Kulturdialog am 12. Oktober in Gera ausgesprochen.

Die Resonanz, die auch die sechste Auflage dieses von Dr. Viola Hahn initiierten gesellschaftspolitischen Meinungsdiskurses fand, sprengte erneut alle Erwartungen: 100 Einladungen waren verschickt worden, 165 Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Kultur und Kirchen hatten sich angemeldet.

Ackermann ermutigte Politik, Banken und Medien zu einer intensiven Kommunikation, um die komplizierten wirtschafts- und finanzpolitischen Zusammenhänge zu erläutern und der Verunsicherung, die es in breiten Kreisen der Bevölkerung gibt, entgegenzuwirken.

Mit dem Thema „Euro und Europa“ hatte die Präsidentin des Rotary-Clubs Gera, Dr. Hahn, eine ausgesprochen gute Hand für die aktuelle Situation – und wohl den hochkarätigsten Experten zumindest aus dem deutschsprachigen Raum für dieses Thema gewonnen.

Europa braucht eine neue Vision, hinter der sich die Bürger versammeln. Die ursprünglichen Ideen der europäischen Gemeinschaft erreichen viele, vor allem junge, Menschen nicht mehr, konstatierte Dr. Ackermann. Leidenschaftlich plädierte er für die europäische Gemeinschaftswährung und die Vertiefung der europäischen Integration. Dazu gehöre auch, dass die Mitgliedsstaaten politische Zuständigkeiten an die EU abgeben. Auf alteingefahrenen Gleisen kann Europa jedenfalls nicht vorankommen. Notwendig seien mehr Kooperation und stärkere Institutionen. Das läuft auf eine politische Union hinaus. Als Einzelstaaten hätten die Europäer keine Chance im globalen Wettkampf.

Vehement wandte sich der Spitzenbanker gegen Versuche, vor allem von Seiten der Politik, den Banken die Schuld für die Finanz- und Schuldenkrise zuzuschieben. Die Banken hätten nur getan, was ihre Aufgabe ist. Die Politik habe es zugelassen, dass Griechenland, das nie für eine starke Wirtschaft bekannt war, 300 Milliarden Euro Schulden aufbauen konnte. Gleichfalls sei es ein in Stein gemeißeltes Prinzip gewesen, dass die Banken Staatsanleihen in ihren Büchern zu stehen hatten, ohne dass die entsprechende Liquidität dagegen stünde; Staatsanleihen galten noch bis vor Wochen als risikofrei. Das Griechenland-Engagement, das vom deutschen Finanzminister gewünscht war, habe die Deutsche Bank 400 Millionen Euro gekostet. So etwas werde sich nicht wiederholen, betonte Dr. Ackermann. Er verwies zugleich darauf, dass die Deutsche Bank ein gesundes Unternehmen sei und mit keinerlei Steuergeldern gestützt werden müsse.

Thüringens Finanzminister Wolfgang Voß erinnerte an die dienende Funktion, die die Banken für die sogenannte Realwirtschaft zu erfüllen haben. Er warnte vor einer neuerlichen Kreditklemme, sollte das Misstrauen so weit gehen, dass die Banken sich gegenseitig kein Geld mehr leihen.

Dr. Michael Mertin, Vorstandsvorsitzender der Jenoptik AG, riet aus der Erfahrung des eigenen Unternehmens zu konsequentem Schuldenabbau. Allein das sei der Weg, um sich neue finanzielle Handlungsspielräume erschließen zu können. Mangelhafte Haushaltpolitik der Staaten habe in die aktuelle Finanz- und Schuldenkrise geführt. Europa brauche einen Masterplan für seine Zukunft.
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Lars Werner aus Gera | 13.10.2011 | 23:20  
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Steffen Weiß aus Gera | 17.10.2011 | 08:55  
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Dagmar Bachmann aus Gera | 04.09.2012 | 22:34  
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Dagmar Bachmann aus Gera | 04.09.2012 | 22:38  
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