Faltplan mit Übersicht der Stolpersteine in Gera erschienen

Günter Domkowsky von der Interessengruppe "Stolpersteine für Gera", Ines Wegner vom Stadtjugendring und Heidi Götze, Leiterin des JH "Shalom" an den Stolpersteinen der Familie Mazur. Sie zeigen den Faltplan mit der Übersicht der Geraer Stolpersteine, der auf ihre Initiative erstmals herauskam.
Gera: stolpersteine | Gera. Sechs Stolpersteine liegen eingelassen im Pflaster auf dem Gehweg vor dem Haus Nummer 10 in der Ebelingstraße. Darauf die Namen der jüdischen Familie Mazur. Es war 1938 das Wohnhaus der Familie, ehe die SS-Schergen im November 1938 Vater Robert Mazur und seinen Sohn Otto abholten und ins KZ Buchenwald brachten.
Dabei musste Otto zusehen, wie sein Vater fast zu Tode geprügelt wurde. Das Robert Mazur nach drei Wochen wieder entlassen wurde, hatte mit dem Verkauf des Unternehmens zu tun. 1939 ging die Familie ins Exil nach England und blieb dort. Unter Lebensgefahr „schmuggelten“ sie auf dem Weg dorthin eine Thorarolle aus der jüdischen Synagoge Gera mit, welche die Nazis sonst sicher vernichtet hätten. Sie befindet sich bis heute in England. Otto Mazur konnte sich Zeit seines Lebens nicht von den physischen und psychischen Schäden durch die KZ-Haft erholen.
Sechs Stolpersteine von bisher insgesamt 42, die auf Initiative der Interessengruppe „Stolpersteine für Gera“ in den vergangenen fünf Jahren an zwanzig Standorten der Stadt durch den Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt wurden.
Hinter jedem Stein eine bewegende Geschichte. Sie sollen die Erinnerung an die Schicksale von Menschen wach halten, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert und vertrieben wurden.
„Das sind in Gera nach unseren Recherchen etwa 330 Mitbürger, die meisten jüdischer Herkunft, aber beispielsweise auch Sinti und Roma und Zeugen Jehovas“, weiß Günter Domkowsky von der Interessengemeinschaft.

Gern würde er für jeden von ihnen einen Stein setzen lassen. „Es hätten schon mehr sein können, aber durch Zerstörung und Diebstahl von 12 Steinen, die wieder ersetzt werden mussten, fehlen Spendengelder für neue, die an weitere Nachbarn erinnern.“
Die Stolpersteine werden ausschließlich über finanzielle Patenschaften und Spenden finanziert. Aber entmutigen lassen sich die Akteure nicht - die Aktion läuft weiter. Schon im Januar 2013 sollen weitere Steine gelegt werden.

Gemeinsam mit dem Stadtjugendring und dem Evangelischen Jugendhaus Shalom hat die Interessengemeinschaft jetzt erstmalig eine Faltkarte herausgebracht, die die einzelnen Standorte der Stolpersteine in Gera übersichtlich auf einen Blick zeigt - nebst der Namen in einer Legende.

„Die Idee dahinter waren einerseits Anfragen von Interessierten nach solch einer Übersicht. Aber natürlich auch, um weiterhin Interesse an diesem Teil der Geraer Geschichte zu wecken und es als Instrument für die Werbung um Spenden zu nutzen“, erläutert Ines Wegner vom Stadtjugendring. Die Faltkarte gibt es im Jugendhaus „Shalom“ in der Berliner Straße sowie beim Stadtjugendring Gera e.V in der Clara-Zetkin-Straße

Info Stolpersteine:

Kunstprojekt für Europa von dem Kölner Künstler Gunter Demnig, die Herstellung der Steine erfolgt in Handarbeit und sie werden ausschließlich vom Künstler selbst verlegt
Deutschlandweit liegen Stolpersteine in weit über 500 Orten
In Gera sind es 42 Stück
Ein Stolperstein kostet 120 Euro
Spenden über das Ev. Jugendhaus „Shalom“
Konto: 108010544
BLZ: 52060410, EKK Eisenach
Vermerk: Stolpersteine
Mehr Infos: www.stolpersteine.de
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1 Kommentar
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Renate Jung aus Erfurt | 26.12.2012 | 22:30  
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