"Flüchtlinge und Asyl – Willkommen in Gera? – Podiumsdiskussion möchte aufklären und zum Nachdenken anregen

Podiumsdiskussion zu "Willkommen in Gera?" im Geraer Rathaussaal am 12.05.2015
 
Im Gespräch u.a. Sandra Schöneich (Dezernat Soziales Stadt Gera), Dieter Lauinger (Bündnis 90/ Die Grünen) Thüringer Minister für Migration, Justiz und Verbraucherschutz, Moderatorin Katharina Pfannkuch (Islamwissenschaftlerin und Journalistin), Dr. Marwan Abou Taam (Islam- und Politwissenschaftler) (v.l.)
Gera: Rathaussaal | "Es ist für ganz Deutschland wichtig, dass es solche Talkrunden gibt", meint Claudia Poser-Ben Kahla und hat für den 12. Mai eine Podiumsdiskussion im Geraer Rathaussaal als Sprecherrat des Runden Tisches organisiert. "Mein Anliegen ist es, in der Kommunikation zu bleiben. Wir müssen über Probleme und Ängste reden. Besonders wichtig für Gera ist das, weil man ja merkt, dass es verschiedene Meinungen gibt, ich will nicht sagen, dass die Fronten verhärtet sind, man muss einfach mehr darüber sprechen.", erklärt sie weiter.
Im Podium haben Vertreter der Stadt, des Ortschaftsrates Gera-Liebschwitz, Thüringens Migrationsminister Dieter Lauinger, Islamwissenschaftler und Nahostkenner, sowie Pfarrer Christian Kurzke aus dem Kirchenkreis Gera Platz genommen.
Ortsteilbürgermeister Michael Schleicher bekräftigte noch einmal die demokratisch herbeigeführte Entscheidung des Ortteilrates, sich intensiv für 150 Asylbewerber mit einer Willkommenskultur in Liebschwitz zu engagieren. Das wird auch von Frank Schmitt von der Bürgerinitiative in Liebschwitz bestätigt und er ergänzt, das sich die Bürgerinitiative, die sehr eng mit den Ortsteilrat zusammenarbeitet, für eine menschenwürdige Unterbringung der Flüchtlinge einsetzen möchte.
Leider konnte Dieter Lauinger keine endgültigen Informationen zum Stand der geplanten Eisenberger Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge und Asylbewerber in Gera-Liebschwitz vorbringen. Nach der Veranstaltung ergänzte er: "Ich musste lernen, dass die Verwaltungsprozesse nicht zu unterschätzen sind. Um die durch das Bundesamt nach oben korrigierten Flüchtlingszahlen bewältigen können, müssen wir im Spätsommer fertig sein, da wird es keine Alternative geben. Wir können kein Jahr mehr warten. Die Flüchtlingszahlen, die wir aufgrund der baulichen Situation in Gera-Liebschwitz derzeit anfänglich planen können werden bei ca. 150 bis 180 Menschen liegen. Inwieweit nach einer möglichen Fertigstellung des Internates, die Zahlen noch nach oben steigen werden, ist derzeit noch nicht abzusehen, das hängt auch von der Anzahl der unterzubringenden Flüchtlinge in diesem Jahr in Thüringen ab." Die Landesregierung möchte mit allen Beteiligten in Gera im Gespräch bleiben und gemeinsam an Lösungen arbeiten, auch wenn sich neue Probleme auftun. "Was unsere Entscheidung im Grundsatz betrifft", so Lauinger, "halten wir diese immer noch für richtig."
Im Laufe der Diskussion wurde klar, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gibt, wie die Geraer respektvoll mit Flüchtlingen umgehen können.
Direkte Worte aus dem Podium von dem Islam- und Politwissenschaftler Dr. Marwan Abou Taam stimmt alle im Saal nachdenklich. "Ich will Sie nicht schockieren oder verängstigen. Ich möchte nur aufzeigen, dass sich unsere Gesellschaft in einer stetigen Veränderung befindet und dass der Migrationsanteil in der Bevölkerung in den nächsten Jahren weiter steigen wird. Wir seien schon mitten dabei, sagt er und es läge an den Geraern, wie sie diese Veränderung organisieren.
Claudia Poser-Ben Kahla sieht hierbei, dass der Stand in Gera nicht ganz so schlecht ist, wie man Gera immer darstellt, dass man aus dem Fragezeichen in der Einladung getrost ein Ausrufezeichen machen könne. "Es gibt den Freundeskreis für Flüchtlinge, es gibt den Verein Akzeptanz! und es gibt viele Ehrenamtliche, die sich tagtäglich für Flüchtlinge, Migranten und ausländische Mitbürger einsetzen. Der Runde Tisch für Toleranz und Menschlichkeit arbeitet tagtäglich mit diesen Themen. Verbessern kann man natürlich immer etwas. Ich war 12 Jahre ehrenamtliche Leiterin bei UNICEF. Ich kenne die Flüchtlingslager, ich kenne die Länder, wo die Menschen herkommen, ich kenne die Fluchtgründe. Mein Mann ist muslimischen Glaubens und wir wissen selbst wie es ist, nicht so wohl gesonnen aufgenommen zu werden. Man muss sich einsetzen, Gesicht zeigen und das mach ich sehr gern, ehrenamtlich. Für mich ist es ganz wichtig, etwas zu tun.", erklärt Claudia Poser-Ben Kahla.
Die angekündigte Diskussion mit den Besuchern ist leider aus Zeitgründen etwas zu kurz ausgefallen und viele Liebschwitzer, die zahlreich unter den ca. 150 Besuchern vertreten waren, gingen deshalb unzufrieden nach Hause. Damit kam kein echter Dialog mit den Fachleuten im Podium zustande, was auch von den Wenigen, die zu Wort kamen bemängelt wurde. Das zeigt eigentlich nur, dass es der weitergehenden Kommunikation bedarf und derartige Veranstaltungen offensichtlich sehr helfen können, über bestehende Meinungen zu diesem brisanten Thema nachzudenken.
Zum Schluss wollte Marwan Abou Taam eine Besucherresonanz nicht einfach so stehen lassen und sagte: "Natürlich können die Bewohner dieser Stadt nichts dafür, dass es weltweit Destabilität gibt. Deutschland gehört jedoch zu den reichen Industriestaaten, die durch Globalisierung die eigenen Profitinteressen weltweit durchsetzen. Die Globalisierung produziert schließlich Staatverfall und Kriege. Diese Kriege führen dazu, dass Menschen flüchten müssen. Die 400000, die heute in Europa ankommen, das ist nur der Anfang."


Am Rande der Podiumsdiskussion sprach das Geraer Bürgerfernsehen mit einem 17-jährigen Flüchtling aus Syrien
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