Frist endet am 2. Mai. Bezüglich der Umgehungsstraße Großebersdorf – Frießnitz – Burkersdorf sind die Bürger gefragt

Arnd Goldhardt hat Glück, als er die schmalste Stelle für Fußgänger in Großebersdorf misst. Die nicht mal 54 Zentimeter sind kreuzgefährlich! Der Lkw hatte in diesem Moment keinen Gegenverkehr und konnte teils auf die Gegenfahrbahn ausweichen.
 
Die Bürgerinitiative beteiligt sich aktiv, Kosten einzusparen. Die rot eingezeichnete Trasse ist die mit 35 Millionen Euro kalkulierte Variante 11 der Ortsumgehung. Von der Bürgerinitiative wurde eine optimierte Variante (lila eingezeichnet), die sogenannte Gartenvariante, vorgeschlagen. Kosten in zweistelliger Millionenhöhe könnten eingespart werden. Die Trassenführung ist keinesfalls verbindlich.
 
Arnd Goldhardt lässt nichts unversucht, dass die Umgehungsstraße Großebersdorf - Frießnitz - Burkersdorf endlich gebaut wird.

Die Umgehungsstraße Großebersdorf - Frießnitz - Burkersdorf (B2 und B175) dürfte das am längsten geforderte derartige Straßenbauprojekt Deutschlands sein. Erste Überlegungen hierzu gab es bereits 1934. Dass die Umgehungsstraße kommen muss, darüber sind sich auch das Land Thüringen und das Bundesverkehrsministerium einig. Zu hohe Kosten ließen das Projekt bislang scheitern. Dank der Zuarbeit der örtlichen Bürgerinitiative gibt es seit Jahren eine kostengünstigere Variante. Die könnte bis 2030 umgesetzt werden, sofern der vorgelegte Entwurf zum Bundesverkehrswegeplan im Herbst in Berlin beschlossen wird. Erstmals werden hierfür die Bürger befragt. Sie können bis 2. Mai 2016 Stellung zum Projekt abgeben.

Arnd Goldhardt hat Bedenken, dass es wieder nichts wird mit der Ortsumgehung Großebersdorf – Frießnitz – Burkersdorf. Das älteste Umgehungsstraßenprojekt Deutschlands könnte erneut auf Eis gelegt werden. Schuld daran wäre erstmals nicht der Bund, in dessen Verantwortung das Projekt liegt, sondern die Nutznießer der Umgehungsstraße selbst.

Wie kann das sein? Bislang wurden derartige Projekte in einem sogenannten Bundesverkehrswegeplan (BVWP) festgeschrieben und dann je nach Dringlichkeit umgesetzt. Am 16. März wurde der BVWP 2030 – oder besser gesagt der Entwurf dazu – vorgestellt. Erfreulicherweise, so der Ortsteilbürgermeister von Großebersdorf, steht die Umgehungsstraße erneut im vordringlichen Bedarf. Goldhardt, zugleich die treibende Kraft in der Bürgerinitiative Umgehungsstraße, könnte sich eigentlich zufrieden zurück lehnen und jetzt auf die anrollenden Bagger warten.

Erstmals in der Geschichte der Bundesverkehrswegepläne werden die Bürger zur Stellungnahme aufgerufen. Und hier liegt für Goldhardt der Hase im sprichwörtlichen Pfeffer. „Was ist, wenn sich nur wenige Befürworter zu Wort melden?“, fragt sich Goldhardt. Wird das Projekt dann nur zeitlich Richtung 2030 verschoben oder gleich ganz von der Liste gestrichen? Und die Gefahr, dass nur wenige Befürworter sich zu Wort melden werden, sieht Goldhardt wahrscheinlich ziemlich realistisch. Da ist einerseits die direkt an der betroffenen Straße wohnende Oma, die noch nie etwas vom Internet gehört hat. Da sind die Mautpreller, die von der A9 zur A4 über Großebersdorf abkürzen. Befürworter einer Umgehungsstraße wird es viele geben. Selbst den Mautpreller würde es freuen, wenn er ein paar Minuten einsparen könnte. Aber nimmt er an der Befragung im Internet teil? Wahrscheinlich eher nicht.

Goldhardt ist sich sicher, je größer die Bürgerbeteiligung für die Umgehungsstraße ist, umso größer sind die Chancen eines baldigen Baubeginns. Von daher rührt er seit Ende März die Werbetrommel für die Beteiligung an der Stellungnahme. Zeit ist nur noch bis 2. Mai. Danach werden die Stellungnahmen ausgewertet und im Herbst der endgültige BVWP 2030 beschlossen.

Der Ortsteilbürgermeister setzt auf den Solidaritätsgedanken: „Der Verkehr mit seinen Folgen ist nicht nur das Problem der hier lebenden Menschen, sondern ein überregionales! Dementsprechend wäre es erforderlich, dass nicht nur die direkt Betroffenen eine Stellungnahme abgeben. Die Erfahrung, wie schwer es ist, Menschen dazu zu bewegen, hat er in den vergangenen Wochen zur Genüge gemacht. „Die Solidarität schon allein unter Nachbardörfern gibt es nicht mehr. Es interessiert niemand“, zeigt er sich entsetzt.

Dabei ist die Beteiligung an der Stellungnahme nicht das einzige Problem. Arnd Goldhardt sieht die erforderliche Umgehungsstraße schon immer als Gesamtprojekt. Die Verantwortungsträger sehen das anders. Bei ihnen ist das Projekt nach wie vor in drei Einzelprojekte aufgesplittet: Die Umgehung Großebersdorf, die Umgehung Frießnitz und die Umgehung Burkersdorf. Das bedeutet, dass die Projekte auch zeitlich einzeln angegangen werden können oder schlimmstenfalls nur teilweise umgesetzt werden.

Die Geschichte der geplanten Ortsumgehung

Die Bundesstraße 2 ist mit rund 845 Kilometern die längste und eine der ältesten Bundestraßen Deutschlands. Dass jene Straße eine wichtige strategische Bedeutung hat, haben selbst die Nationalsozialisten bereits erkannt. Trotz eher geringem Verkehrsaufkommen forderten sie bereits 1934 eine Umgehungsstraße für Großebersdorf (heute Landkreis Greiz). Gebaut wurde sie allerdings nicht.

Auch im aufblühenden Sozialismus bekannte man sich zur Notwendigkeit einer Umgehungsstraße. Dennoch rollten zu DDR-Zeiten die Bagger nie an.

Nach dem Mauerfall wurde das Projekt 1990/91 in den Verkehrswegeplan „Deutsche Einheit“ im vordringlichen Bedarf aufgenommen. „Vordringlicher Bedarf heißt, dass das Projekt höchste Bedeutung hat“, erklärt Arnd Goldhardt, Ortsteilbürgermeister Großebersdorf/Struth seit Mai 2014. Die Bürger selbst hatten zu diesem Zeitpunkt wichtigere Dinge vor Augen. Das haben wohl die Politiker zum Anlass genommen, das Vorhaben in Vergessenheit geraten zu lassen.

Im Bundesverkehrswegeplan 2003 steht das Projekt erneut im vordringlichen Bedarf. Erstmals ist auch die Rede von Umgehungen für Frießnitz und Burkersdorf. Damals bestand noch die Idee von einer neuen „Einflugschneiße“ nach Gera-Lusan über Weißig. Dieses Wissen strategisch ausnutzend, siedelten sich auch eine Tankstelle und ein großes Autohaus an. Das Projekt wurde nie realisiert. Tankstelle und Autohaus stehen heute eher im Niemandsland.

Bereits 2006 wurden erste Überlegungen zur Gründung einer Bürgerinitiative „Umgehungsstraße Großebersdorf“ angestellt, die dann im Juni 2008 unter Vorsitz von Regine Helmessen erfolgte.

Bis 2009 hat das mit der Planung beauftragte Straßenbauamt Gera 13 verschiedene Trassenvarianten erarbeitet. Nach Abwägung der Vor- und Nachteile wurde die Variante 11 favorisiert, bei der Großebersdorf im Norden großräumig umfahren wird. 2009 sprach man seitens des Straßenbauamtes von einem Bauabschluss voraussichtlich bis 2015.

Am 18. Dezember 2012 wurde zur Einwohnerversammlung mit Bürgern der Ortsteile Großebersdorf, Frießnitz und Burkersdorf mitgeteilt, dass die Vorzugsvariante 11 bei Gesamtkosten von rund 35 Millionen Euro um 10 Millionen Euro zu teuer und somit das Nutzen-Kosten-Verhältnis zu schlecht sei. Bundestagsabgeordneter Volkmar Vogel verkündete, dass das Projekt Umgehungsstraße ersatzlos gestrichen wurde. Und dies trotz der eingerichteten Dauerzählstelle, die ihre Daten automatisch nach Erfurt überträgt. Gemessen werden in Großebersdorf täglich 9000 bis 10000 Fahrzeuge mit 15 Prozent Schwerlastverkehr. Dabei unerfasst bleiben die Fahrzeuge, die von der Autobahnanschlussstelle Lederhose kommend in Großebersdorf Richtung Schleiz abbiegen. Die Gesamtzahl dürfte täglich bei 14000 Fahrzeugen liegen.

Im Januar 2013 wird die Bürgerinitiative mit neuen Mitgliedern im Vorstand und unter Vorsitz von Jasmin Leo und Arnd Goldhardt reaktiviert. Erstmals nennt sie sich Bürgerinitiative „Umgehungsstraße Großebersdorf – Frießnitz – Burkersdorf“. Die Bürgerinitiative möchte fortan mitwirken, eine optimierte Variante mit geringeren Kosten zu finden. Die Bürgerinitiative ist weit über die Ortsgrenzen hinaus tätig. Noch im gleichen Jahr weiß man in den zuständigen Ministerien in Erfurt und in Berlin sofort, wovon die Rede ist, wenn der Begriff Großebersdorf fällt. Die von der Bürgerinitiative vorgeschlagene Veränderung der Linienführung der Umgehungsstraße könnte 13 Millionen Euro einsparen. Die vorgeschlagene Trassenführung wird in Berlin nicht abschlägig aufgenommen.

Der am 16. März veröffentlichte Bundesverkehrswegeplan 2030 ist im Verzug, er sollte bereits 2014 erscheinen. Die Umgehungsstraße Großebersdorf – Frießnitz – Burkersdorf ist in drei Einzelprojekten darin enthalten. Erstmals in der Geschichte vorgestellter Bundesverkehrswegepläne, die so nur ein noch zu beschließender Entwurf sind, werden die Bürger beteiligt. Sie können eine Stellungnahme zu den darin enthaltenen Projekten abgeben. Diese Möglichkeit endet am 2. Mai.

Von der Bürgerinitiative wird seit der Veröffentlichung des Bundesverkehrswegeplanes die Werbetrommel aktiv gerührt, dass möglichst viele Befürworter der Umgehungsstraße sich daran beteiligen.


"Aufruf zur Bürgerbeteiligung am Bundesverkehrswegeplan 2030

an alle Einwohner von Großebersdorf, Frießnitz und Burkersdorf sowie Befürworter der Umgehungsstraße.

Seit dem 21.03.2016 ist es erstmalig möglich, dass jeder Bürger seine Stellungnahme zum aktuellen BVWP per Brief oder online per Internet abgeben kann. Diese Möglichkeit endet bereits am 02.05.2016.

Ich rufe alle Bürger auf, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen. Dabei sollen Ihnen die folgenden Hinweise helfen.

• Auf www.bmvi.de können Sie sich umfassend informieren.
• Unsere Projekte stehen auf Seite 164 des 200-seitigen Bundesverkehrswegeplanes 2030.
• Um schnell auf die Seiten zur Bürgerbeteiligung zu kommen, geben Sie einfach bei Google ein: bvwp stellungnahme >> der erste obere Vorschlag bringt Sie direkt zur Seite
• Scrollen Sie weit nach unten und klicken Sie auf das blau unterlegte Feld zum Online-Formular
• Wählen Sie zunächst Ihren "Einwendertyp" aus ("Einzelperson - Unternehmen - Organisation"), dann "weiter"
• Geben Sie dann Ihre persönlichen Daten ein und klicken auf "weiter"
• Klicken Sie ganz unten das Kästchen für Ihre Stellungnahme zu "Einzelprojekt(e) im Bereich des Verkehrsträgers „Straße" in Hessen, Sachsen und Thüringen an
• Es öffnet sich ein Textfeld, in welches Sie Ihren persönlichen Kommentar eintragen können.
• Wichtig: Um Ihre Stellungnahme zuordnen zu können, müssen Sie unbedingt das Projekt nennen, indem Sie lfd. Nummer, den Ort oder die Bundesstraße mit Ort angeben:

Umgehung Großebersdorf: lfd. Nr. 57, Projekt B92/B175-G10-TH-T4-TH
Umgehung Frießnitz: lfd. Nr. 56, Projekt B92/B175-G10-TH-T3-TH
Umgehung Burkersdorf: lfd. Nr. 55, Projekt B92/B175-G10-TH-T2-TH
Es genügt auch die Angabe: "Umgehungsstraße Großebersdorf" oder "B175 Großebersdf.-Frießnitz-Burkersdf."

Schreiben Sie unbedingt ein paar Sätze, warum aus Ihrer Sicht die Umgehungsstraße kommen muss. Hier ein paar Beispiele:

- Ruhe für die Dörfer: in Großebersdorf konzentriert sich der Verkehr aus mehreren Bundesstraßen (B2, B92, B175, B281) und der Autobahnanschlussstelle A9 bei Lederhose
- Lückenschluss, Beseitigung der Nadelöhre (außerhalb der 3 Dörfer rollt der Verkehr bereits besser)
- Vorteile einer Umgehungsstraße für hiesige Gewerbegebiete
- Kfz von Speditionen erreichen schneller und sicherer ihr Ziel
- Mautpreller umfahren das Hermsdorfer Kreuz und quälen sich lieber durch die 3 Dörfer
- Verbesserung von Lebensqualität und Sicherheit der Bürger
- Reduzierung des Schadstoffausstoßes
- Verringerung der Unfallgefahr, Reduzierung der Gefahrguttransporte in den Dörfern (Tanklager)
- Überregionale Bedeutung: Verbindung zwischen verschiedenen Oberzentren, usw.

Anschließend geben Sie Ihre persönlichen Daten ein. Sie können Ihren Text nochmals überprüfen und ggf. korrigieren. Nach Absendung erhalten Sie eine Bestätigungs-E-Mail, auf die Sie reagieren müssen: auf den Link klicken!

• Von jeder E-Mail-Adresse aus können max. 2 Stellungnahmen abgesetzt werden.
• Lesen Sie die Hinweise aufmerksam durch, es ist alles verständlich erklärt.

Rufen Sie Ihre Verwandten, Freunde, Bekannten, Arbeitskollegen usw. auf, uns mit deren Stellungnahme zu unterstützen. Je größer die Bürgerbeteiligung "für die Umgehungsstraße" ist, um so größer sind unsere Chancen eines baldigen Baubeginns. Der Verkehr mit seinen Folgen ist nicht nur das Problem der hier lebenden Menschen, sondern ein überregionales!

Wenn Sie Diesen Text als Datei oder E-Mail zur Weiterleitung möchten, sprechen Sie mich an! Wir danken für Ihre Unterstützung! Bei Fragen helfen wir Ihnen gern unter Tel. (036607) 60466."

Arnd Goldhardt (OTBM) sowie Ortsteilrat und Bürgerinitiative "Umgehungsstraße"
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1 Kommentar
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 28.04.2016 | 14:16  
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