Hochwasser in Gera und Umgebung. Kritik und positive Erlebnisse in Stichpunkten

Von Sven Huber


Sehr geehrter Herr Müller in Ihrer Funktion als Pressesprecher der Stadt Gera und Verantwortliche der Stadt Gera, nachfolgend finden Sie einen Erlebnisbericht vom Hochwasser 2013 in Gera und Umgebung.

Am Sonntag, den 2. Juni, 12 Uhr, machten wir uns auf den Weg nach Sachsen, um einer Person aus dem befreundeten Kreis zu helfen. Als wir an dem betroffenen Ort ankamen, konnten wir nicht mehr allzu viel ausrichten. Durch diese Umstände beschlossen wir wieder nach Gera zu fahren, um dort effektiv bei Schutzmaßnahmen gegen die Flut zu helfen.
Auf der Fahrt zurück in die Otto-Dix-Stadt der erste Punkt der zu kritisieren ist.

a) Keinerlei Informationen über die Telefone des Katastrophenschutzes, städtischer Nummern oder andere Rufnummern wo Sammelpunkte für Helfer sind oder man unterstützen kann

Durch „Rund-SMS“ und dem Nachrichtendienst whatsapp erfuhren wir, dass im Hofgut (Untermhaus) versucht wird, eine Sandsackbarriere aufzubauen. Bei Ankunft in diesem Gebiet konnte man beim Errichten dieser Linie helfen. Der ankommende LKW des Katastrophenschutzes war jedoch nicht voll beladen. Dies ließ uns vermuten, dass bei der Sandsackbefüllungsstation vielleicht Hilfe notwendig ist. Hier erfolgte ein weiterer Beweis der mangelnden Kommunikation bzw. Vorbereitung:
b) Bei der Nachfrage nach dem Ort der Befüllungsstation, konnte uns weder der anwesende „Bereichsleiter“ der Feuerwehr noch eine andere offizielle Einsatzkraft Auskunft erteilen. Erst der Fahrer hat dann per mobilen Telefon den genauen Ort und ob Hilfe notwendig ist erfragt.
Gegen 18 Uhr erreichten wir zu dritt den Platz zum befüllen der Sandsäcke bei Max Bögel. Was wir da erblickten, war kaum nicht zu glauben.

c) Ganze zehn Feuerwehrleute befüllten die Sandsäcke! Zehn Einsatzkräfte für eine Stadt von circa 100.000 Einwohnern. Dies ist kein Vorwurf an die Feuerwehr, woher soll Sie auch die Personen herzaubern. Jedoch wäre hier durch eine andere Informationspolitik über Facebook, Radio, regionale Fernsehsender oder Netzseiten möglich gewesen, zivile Helfer schnell heranzuholen!
Da wir die ersten Personen vor Ort waren, verbreiteten wir die Information per SMS und Internet. Keine zwei Stunden später trafen zig Helfer ein! So schnell kann es gehen wenn Meldeketten vorhanden gewesen wären. Einige Stunden später erhielten wir durch einen in unserer Gruppe einen LKW der Stadt Gera, mit dem wir nun die Sandsäcke von dem Befüllungsplatz fahren sollten. Auf die Frage wohin, kam folgende Antwort sowie Irrfahrt:

d) Bei Max Bögel wusste niemand wohin wir fahren sollten. Nach einer Weile man uns, wir sollen zur Hauptfeuerwehrwache fahren. Bei Ankunft an der Hauptfeuerwehrwache wusste keiner was mit den Sandsäcken anzufangen. Wieder ging Zeit verloren bis man uns mitteilte, dass wir zur Feuerwehrwache Süd fahren sollen. Dort angekommen dasselbe Spiel, keiner wusste davon und so luden wir dort einfach die Sandsäcke ab.

An der Wache Süd war auch ein kleinerer Sandhaufen, an dem die Bewohner der Stadt Gera Ihre Sandsäcke befüllen konnten. Hier bekamen wir mit, dass der Großteil aus Debschwitz war. Aus dieser Information heraus entschieden wir uns Sandsäcke mit der nächsten Ladung direkt in das Wohngebiet Debschwitz zu fahren. Dort konnten wir effizient die Ladung verteilen, bis eine Anweisung bzw. Ablaufplan für die Verwendung der Säcke von der Organisationsleitung beschlossen wurde. Ein weiterer ziviler LKW-Fahrer traf von dem Unternehmen GRA ein. Durch seine weitaus größere Ladefläche konnte hier erstmals nicht nur ein „Tropfen“ aufgeladen werden.
Irgendwann kam die Frage auf wo ist eigentlich die Bundeswehr?
Haben wir doch eine Kaserne unmittelbar an der Stadtgrenze von Gera. Irgendwann gegen 0 Uhr (kann hier keine genau Zeit sagen) kamen die ersten 50 Soldaten. Nach einem Gespräch mit einem Offizier kamen wir zu der Information:
e) Die Bundeswehr wurde erst am Sonntag 18 Uhr informiert! Wieso wurde eine Anfrage erst gestellt, als vieles schon zu spät war? Das Hochwasser hat sich nun lange genug angekündigt!
Was nun für eine Aussage der Feuerwehr folgte war im Nachhinein nicht zu glauben.
f) Man sagte uns: Ihr könnte nach Hause fahren, es passiert jetzt nicht mehr viel. Wie bitte? 6 Stunden bevor der Scheitelpunkt irgendwann erreicht werden sollte passiert nicht mehr viel? Ok, dies ist auch eine Ansicht.
Wir beschlossen jetzt im Konvoi zu fahren, da es hieß: Es ist jetzt ein Plan erstellt worden, wo wie viele Sandsäcke hinmüssen. Nach einigem hin und her und wieder einem Abstecher zu der Hauptfeuerwache, fuhren wir zur Orangerie. Dort lief in dem Moment der Friedrich Naumann Platz voll Wasser.
g) Dort angekommen hatte man das erste Mal das Gefühl, dass etwas koordiniert ablief. Hier arbeiteten Feuerwehr, Bundeswehr und die zivilen Anwesenden zusammen.
Nachdem diese Linie mit Sandsäcken ausreichend um circa 6 Uhr gesichert war, standen wir wieder vor einem altbekannten Problem. Wohin mit den Sandsäcken? Zuverlässige oder hilfreiche Aussagen der Organisationsleitung oder Bereichsleitern waren Fehlanzeige.
Für uns fiel die Entscheidung, dass wir weiter fahren und wieder flexibel Sandsäcke verteilen, wenn uns jemand anspricht. Da die Seite am Grieß und Heinrichsgrün wohl noch trocken, war fragten wir nach, ob wir was auf diese Seite der Elster bringen sollten.
Die Antwort der Einsatzkräfte war: Das haben wir schon aufgegeben und machen dort nichts mehr. Da wir noch den typischen ostdeutschen Sturkopf haben, handelten wir gegenteilig. Über die Straße des Friedens – Ehrensee – Jagdhof und dem Schloß fuhren wir nach Untermhaus auf die andere Flussseite. Im vorderen Bereich waren alle schon zum großen Teil aus Ihren Häusern evakuiert.
h) Was uns wunderte, es war kein einziger Sandsack, ab der Höhe Lumersches Backhaus, an der Elster bzw. an der Mauer aufgeschichtet. Die vor Ort anwesenden Polizisten konnten uns das nicht erklären und meinten nur: Die einzelnen Führungskräfte kommunizieren nicht wirklich miteinander.
Wir fuhren Richtung Laudenbach Bäckerei um dort zu schauen wie die Lage in dem Wohngebiet ist. Dort angekommen fragten uns die Anwohner ob jetzt endlich die Hilfe losgeht?
Wir mussten das erst einmal verneinen da wir ja nur durch Zufall hier waren. Die Elster stand hier genau bis zur Kante der Grassnarbe/Bordsteinkante der Uferböschung. Da wohl auf die Meldungen bzw. ständigen Gerüchte kein Verlass war, hatten die Anwohner hier selber den Pegel in gewissen Abständen gemessen. Dem Wert nach zu urteilen wurde entschieden, dass eine Hilfe durch die Belieferung mit Sandsäcken möglich ist. So wurde die Strecke Max Bögel Heinrichsgrün zur Zone des ständigen Bruchs mit der deutschen Verkehrsordnung.
Mit jeder Fahrt und jedem Sack stieg die Hoffnung der dort anwesenden Menschen. Die Koordination vor Ort übernahmen die Laudenbachs und versorgten zudem die Bewohner mit Essen und Trinken. Bis 13 Uhr schafften wir es einige Male über die Strecke in das Wohngebiet und hielten erfolgreich das Wasser in dem Abschnitt zurück.
Damit erfolgt der Beweis, dass die Wohngebiete zu halten sind und das mit wenigen Leuten! Was wäre möglich gewesen wenn auch einige Meter weiter Richtung stadtauswärts so reagiert werden können?
i) Was hier auffiel waren Polizisten die unmittelbar daneben standen, wo Leute Sandsäcke aufschichteten und zuschauten. Selbst wenn man keinen Auftrag gerade hat oder warten soll auf weitere Befehle, ist es möglich in der Zeit mit anzupacken!
j) Auf den Fahrten fiel uns auf, dass die Spundwände am Hofwiesenpark in Richtung Gera Innenstadt nicht angebracht waren. Wurde diese nicht extra für solche Fälle gebaut? Nach jetzigem Informationsstand wurde der Schlüssel wohl für die Halle nicht gefunden. Selbst wenn diese Information stimmt, kann man die Tür nicht aufbrechen oder ist die Halle mit 100 Meter dicken Panzerstahl gesichert??? Es gibt keinen plausiblen Grund dafür, warum die Wände nicht rechtzeitig aufgestellt wurden. Übungen damit finden im Übrigen regelmäßig statt!
Hier wurden leichtfertig Existenzen und Nachschubwege an das Wasser abgegeben! Zusammenfassend kann ich nur folgendes festhalten:
1. Ganz schlechte Kommunikation der Stadt Gera
2. Kommunikation der Führungskräfte untereinander mangelhaft
3. Wieso werden direkt nach dem Hochwasser durch Politessen Strafzettel an sichergestellte Fahrzeuge verteilt?? Auch wenn im nach hinein die Zettel nicht bezahlt werden müssen, dieser Vorgang ist eine abartige Frechheit!!
4. Vorbereitende Maßnahmen der Stadt Gera mangelhaft
5. Flexibilität auf Meldungen der Anwohner die direkt am Geschehen sind mangelhaft
6. Grüße gehen an den Fahrer von GRA und dem Fahrer des Fahrzeuges mit Containerauflieger der Feuerwehr von der Truppe „orangenes Stadtfahrzeug“
7. Führung durch „unserer“ Stadtführerschaft nicht existent
8. Zusammenhalt in Heinrichsgrün und Untermhaus überwältigend und weitaus effektiver als die „Planung“ diverser offiziellen Stellen
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2 Kommentare
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Jens Trabert aus Gera | 06.06.2013 | 22:08  
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Sven Huber aus Gera | 09.06.2013 | 10:15  
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