Kein würdevoller Abschied. Wie sich die Stadt Gera mit Willkür gegen die freie Marktwirtschaft wehrt

Bestatter Ronny Häberer (rechts) im Gespräch mit Michael Bretschneider, dem Betriebsleiter der Feuerbestattungen Ronneburg. Bretschneider hat aufgrund der Sachlage beim aktuellen Fall des Verstorben Herr P. und weiterer sieben ähnlicher Fälle anwaltlichen Rat eingeholt, ob es sich hierbei um Behördenwillkür der Stadt Gera handelt. Das wurde ihm vom Anwalt bestätigt. Bei Weiterführung der Repressalien durch die Stadt Gera behält sich Bretschneider rechtliche Schritte vor.
 
Bestatter Ronny Häberer sieht die Möglichkeiten einer würdevollen Verabschiedung im Krematorium Ronneburg eher gegeben, als im Krematorium Gera. Doch die Stadt Gera weiß dies mit Behördenwillkür zu verhindern.
Gera: Bestatter Ronny Häberer | Herr P. stirbt am 12. Dezember 2013 in einem Geraer Pflegeheim. Die Rettungsleitstelle Gera beauftragt um 13.30 Uhr den Bestatter Ronny Häberer mit der Überführung des Verstorbenen. Noch vor Ort erfährt Häberer vom Pflegepersonal, dass Herr P. zwar eine Ehefrau hat, die allerdings keinen Kontakt mehr zu ihrem Mann pflegte.

Hinterbliebene entscheiden, wo und wie der Verstorbene bestattet werden soll. Liegen keine Wünsche der Angehörigen vor, dann überführt der Bestatter mit Firmensitz in Lusan Verstorbene in das Krematorium Ronneburg. „Weil dort die Möglichkeiten einer würdevollen Verabschiedung eher gegeben sind als im Krematorium Gera. Wenn sämtliche Formalitäten geklärt sind, können Hinterbliebene im Krematorium Ronneburg einer Sargfeier bis zur Fertigstellung der Urne beiwohnen. Das ist in Gera leider nicht möglich“, erklärt der Bestatter.

Am 23. Dezember 2013 wird Häberer seitens der Stadtverwaltung Gera, Fachdienst Ordnungsangelegenheiten, per Schreiben eine ordnungsbehördliche Bestattung des Verstorbenen in Auftrag gegeben. Eine ordnungsbehördliche Bestattung wird dann durchgeführt, wenn kein bestattungspflichtiger Angehöriger zur Verantwortung gezogen werden kann. Von daher ist für Häberer die Entscheidung des Amtes zur ordnungsbehördlichen Bestattung zwar fraglich, aber er leitet dennoch die notwendigen nächsten Schritte ein. Bei ordnungsbehördlichen Bestattungen ist es notwendig, sich den Antrag zur Feuerbestattung von der Ordnungsbehörde abstempeln und unterschreiben zu lassen. Das ist bis zum heutigen Tag seitens des Ordnungsamtes nicht geschehen. „Mit welchem Recht verweigert die Stadt Gera die Unterschrift unter den Feuerbestattungsantrag des Ronneburger Krematoriums?“, fragt sich Häberer.

Trotz intensiver Recherche der derzeit geltenden Friedhofssatzung der Stadt Gera konnte der Bestatter darin keinen Passus finden, dass Einäscherungen ausschließlich in Gera stattzufinden haben. Die gleiche Dienstleistung wird von den Feuerbestattungen Ronneburg preiswerter angeboten. Ronny Häberer sieht sich in seinem Wunsch, kosteneffektiv arbeiten zu wollen, seitens der Stadt Gera behindert.

Herr P. liegt nach wie vor in der Kühlung der Feuerbestattungen Ronneburg. Die Verweigerung des Stempels und der Unterschrift ist für Häberer kein Einzelfall. Bislang hat er nachgegeben und die Verstorbenen auf eigene Rechnung nach Gera überführt, um sie dort einäschern zu lassen. Aber jetzt möchte sich der Jungunternehmer dieser Willkür nicht mehr aussetzen.

Nicht minder fraglich ist für Häberer der Paragraph 8, Abschnitt 3, der Geraer Friedhofssatzung: „Die Friedhofsverwaltung setzt Ort und Zeitpunkt der Bestattung fest. Termine für Urnenbeisetzungen von Fremdurnen werden erst vergeben, sobald sich die Urne in Verfügung der Friedhofsverwaltung befindet“. Der Bestatter empfindet dies als Eingriff in die Persönlichkeit der Hinterbliebenen: „Die Stadt kann doch nicht festlegen, wo und wann beigesetzt wird“, entrüstet er und fragt sich: „Warum vergibt das Amt keinen Termin, obwohl der Friedhofsverwaltung eine Urkunde vorliegt, aus der erkenntlich ist, dass die Urne bereit steht?“. Die Wartezeiten für den Termin bei Fremdurnen betragen zum Teil bis zu zwei Wochen! Im Paragraph 21, Absatz 6, des Thüringer Bestattungsgesetzes vom 8.7.2009 steht „Der Betreiber der Feuerbestattungsanlage darf die Urne nur zur Beisetzung und nur auf Anforderung des Friedhofsträgers aushändigen oder versenden“. „Die im Paragraph 8, Abschnitt 3, in der Geraer Friedhofssatzung getroffene Aussage behindert sich mit dem Gesetzestext. Eine Satzung sollte gesetzeskonform beschlossen werden“, fügt Michael Bretschneider, Betriebsleiter der Feuerbestattungen Ronneburg, an.

„Das Verhalten des zuständigen Amtes der Stadt Gera hat nichts mit einem würdevollen Abschied zu tun. Es grenzt eher an Frechheit, wie mit den Hinterbliebenen umgegangen wird“, so Ronny Häberer.


Mehr über die Feuerbestattungen Ronneburg:

http://www.meinanzeiger.de/gera/leute/nach-dem-tod...
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8 Kommentare
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Gunter Linke aus Saalfeld | 15.01.2014 | 18:03  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 15.01.2014 | 19:20  
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Antje Hellmann aus Jena | 16.01.2014 | 12:37  
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Steffen Weiß aus Gera | 17.01.2014 | 12:37  
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Mike Picolin aus Gera | 26.01.2014 | 11:18  
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Simone Guhr aus Zeulenroda-Triebes | 27.01.2014 | 12:26  
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Steffen Weiß aus Gera | 03.02.2014 | 11:36  
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Simone Guhr aus Zeulenroda-Triebes | 04.02.2014 | 15:08  
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