Pflanzenbauern zufrieden. Kreisbauernverband Altenburg zieht Bilanz

Jürgen Junghannß ist Landwirt mit Leib und Seele. Der ehrenamtliche Vorsitzende des Fachausschusses Familienbetriebe im Haupt- und Nebenerwerb im Landesbauernverband möchte die Arbeit der Landwirte mehr ins öffentliche Bewusstsein rufen.
 
Birgit Junghannß und Berndt Apel haben in diesen Tagen alle Hände voll zu tun: Der Kreisbauernverband und der Maschinen- und Betriebshilfering „Osterland“ e.V. ziehen um.
 
Renate Hering, stellvertretende Vorsitzende des Kreisvereins der Landfrauen Altenburger Land e.V.
Altenburg: Kreisbauernverband Altenburg e.V. | Die Landwirte des Altenburger Landes sind zufrieden mit dem vergangenen Jahr. Dieses Fazit zieht Berndt Apel, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Altenburg e.V., hinsichtlich des Ertrages und der Preise im Pflanzenbau. Besonders beim Getreide seien sehr gute Preise erzielt worden. Bei der Veredlung – ob bei Milch, Eiern, Sonderkulturen, Gemüse oder Obst – waren die Leistungen gut bis sehr gut. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Weniger erfreut zeigt sich der Vorsitzende über die Erzeugerpreise, die beispielsweise beim Schweinefutter gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent gestiegen sind. Dies führe pro Tier zu Mehrkosten von 16 Euro.

Nichts an Aktualität hat die Funktion des Landwirtes als Energiewirt verloren. Daran wolle man auch in Zukunft festhalten. Dies trotz des Misserfolges beim Versuch Anfang vorigen Jahres, gemeinsam mit dem Thüringer Vogtland eine Bioenergieregion ins Leben zu rufen. „Das vorgelegte Konzept wurde vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nicht bestätigt“, erklärt Apel enttäuscht. 25 Regionen hatten sich dafür beworben. 21 davon werden gefördert. Dessen ungeachtet spielte auch 2012 in der Kreisbauernschaft die Bioenergie eine wichtige Rolle. Zwei weitere Bioenergieanlagen mit je 190 Kilowatt Leistung sind in der Agrar GmbH Ziegelheim und in der Agrargenossenschaft Gerstenberg ans Netz gegangen. Somit arbeiten im Verbandsgebiet mittlerweile 18 Biogasanlagen.

Lobend äußerte sich der Verbandsvorsitzende über die Zusammenarbeit mit dem Verein zur Förderung und Entwicklung des Altenburger Landes (FEAL), dem Maschinen- und Betriebshilfering „Osterland“ e.V., dem Landwirtschaftsamt und dem Amt für Flurneuordnung. Auch mit der Senioren- und Landfrauenarbeit sei er zufrieden. Nachholbedarf sieht er allerdings bei der Jugendarbeit: „Hier benötigen wird dringend Schubkraft“. FEAL-Vorsitzender Wolfgang Schlegel sieht das angesichts der demografischen Entwicklung und dem damit verbundenen Fachkräftemangel ebenso. Der Landwirt sei heute nicht mehr der, der mit der Mistgabel im Stall steht. Vielmehr handele sich um einen hochmodernen, wissenschaftlichen Beruf. Dies zu transportieren, müsse die Zusammenarbeit mit Schulen verstärkt werden. Schlegel schweben verschiedene Projekte sowohl in der Produktion als auch in den Schulen vor. Auch Jürgen Junghannß, selbst Landwirt und im Landesbauernverband ehrenamtlicher Vorsitzender des Fachausschusses Familienbetriebe im Haupt- und Nebenerwerb, liegt viel daran, dass das Thema Landwirtschaft in der Öffentlichkeit mehr wahrgenommen wird.

Während der Kreisbauernverband vorwiegend als politischer Interessenvertreter der Landwirte auftritt, konzentriert sich der Maschinen- und Betriebshilfering „Osterland“ e.V. auf die klassische Maschinenausleihe. Ebenso macht sich der Maschinenring für die Nachwuchsgewinnung für kleinere und mittlere Landwirtschaftsbetriebe stark. Hier wolle man laut Auskunft der Geschäftsführerin Birgit Junghannß die Zusammenarbeit mit Schulen und Behörden verbessern. Als weitere Aufgabe des Maschinenrings sieht Birgit Junghannß das Heranführen der Landwirtschaftsbetriebe an neue Geschäftsfelder. Dies beinhalte sowohl das Organisieren von Winterdiensten als auch das Thema „Vom Landwirt zum Energiewirt“. Diesbezügliche Veranstaltungen hat es bereits gegeben, weitere sollen folgen.

Eine positive Bilanz kann auch Renate Hering, stellvertretende Vorsitzende des Kreisvereins der Landfrauen Altenburger Land e.V. und Mitglied im Landesvorstand, ziehen. Neben der engen Zusammenarbeit mit dem Kreisbauernverband und dem Botanischen Garten Altenburg haben die Landfrauen beim Deutschen Trachtenfest, beim Molkereitag, Bauernmärkten und weiteren Veranstaltungen mitgewirkt. Ebenso habe man sich die Verbraucherberatung – beispielsweise nachhaltiges Waschen – auf die Fahnen geschrieben. Zur Arbeit in den Ortsgruppen zählt unter anderem auch die Pflege der Tradition des Klöppelns und Spinnens.

Als erfolgreiches Projekt bezeichnet Renate Hering den aid-Ernährungsführerschein. Dieser wurde vom aid infodienst initiiert und als lebendiger Baustein für eine moderne Ernährungsbildung an Grundschulen entwickelt. Insgesamt wurde das Projekt bisher im Altenburger Land mit 35 Grundschulklassen im Rahmen des Sach- und Heimatkundeunterrichts mit Hilfe der Landfrau Christine Stallinger umgesetzt. Die Schüler bekamen die Chance, altersangemessen die „Technike der Nahrungszubereitung“ zu üben und sich für die eigenverantwortliche Arbeit in der Küche zu begeistern. „Die Nachhaltigkeit der Durchführung sieht man besonders an dem hohen Bekanntheitsgrad des Projektes, an den Feedbacks der Kinder, Eltern, Großeltern, Schulleiter und Lehrer“, freut sich Renate Hering. Da die Förderung für dieses Projekt im Januar 2013 ausläuft, ist ist der Landfrauenverein derzeit auf der Suche nach neuen Sponsoren. Die noch ausstehenden sechs Unterrichtsmodule sollen auf jeden Fall durchgeführt werden.

Ein auch 2013 strittig bleibendes Thema ist für den Kreisbauernverband der Verlust landwirtschaftlicher Fläche durch Bebauung. „Thüringenweit waren das im vergangenen Jahr 5,1 Hektar pro Tag“, gibt Berndt Apel zu bedenken und mahnt: „Das kann so nicht weiter gehen. Wir haben in Deutschland für alles Gesetze. Nur kein Bodenschutzgesetz.“. Jürgen Junghannß erklärt’s mit anderen Worten: „Immer weniger Menschen brauchen immer mehr Platz!“. Nach seinen Erkenntnissen werden selbst die Ausgleichsmaßnahmen auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen. Für Apel steht fest, dass ein Umdenken erforderlich ist. Als Kreisbauernverband möchte man künftig von den Behörden einbezogen werden, um den Flächenverbrauch verringern zu können. Gerade das Altenburger Land als Hochertragsgebiet stelle einen nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor für den Landkreis dar, fügt Junghannß an.

Derzeit hat man beim Kreisbauernverband und dem Maschinen- und Betriebshilfering „Osterland“ e.V. alle Hände voll mit dem bevor stehenden Umzug zu tun. Das Objekt Schmöllnsche Landstraße 52 wurde am 25. Juli 2012 versteigert. Der Kreisbauernverband hat zwar selbst Interesse bekundet, aber nicht den Zuschlag erhalten. Ab dem 15. Februar sind sowohl der Kreisbauernverband Altenburg e.V. als auch der Maschinen- und Betriebshilfering „Osterland“ e.V. in Büros des Altenburger Kraftfutterwerk und Getreidehandel (ALKA) GmbH in der Remsaer Straße 17-19 zu erreichen. Telefon und Faxnummer sowie E-Mail-Adresse bleiben unverändert.

Jahresmitgliederversammlung:

Die Mitgliederversammlung des KBV findet am Donnerstag, 21. Februar, 13.30 Uhr, im Gemeindezentrum Starkenberg statt. Gastredner ist der Förderer des Altenburger Landes, Minister a. D. Volker Sklenar.
Die Mitgliederversammlung des Maschinen- und Betriebshilfsring „Osterland“ e.V. findet am Donnerstag, 28. Februar, 18.30 Uhr, im Eiscafé „Bravo“ in Vollmershain statt.
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Hannelore Grünler aus Artern | 30.01.2013 | 22:14  
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