„Remember Market Garden“ - wo Erinnerung (fast) europäisch gelingt

Veteran auf dem Airborne-Friedhof (Foto: Marianne Pas)
 
(Foto: Marianne Pas)
Mitte September wird es in der auch sonst weltoffenen niederländischen Stadt Arnhem sprachlich und optisch noch farbiger. Hintergrund dafür sind die alljährlichen Gedenkfeiern, die an eine der schwersten militärischen Auseinandersetzungen des Zweiten Weltkrieges erinnern: die Schlacht um die Brücke von Arnhem.

Britische, Polnische und Kanadische Veteranen der Operation „Market Garden“ kommen zusammen, um ihre gefallenen Kameraden zu ehren. Und die Niederländer sorgen dafür, dass auch das Leid der einheimischen Zivilbevölkerung nicht vergessen wird.

Am jeweiligen Freitag nach dem 17. September finden die Feierlichkeiten am Airborne-Denkmal in Arnhem statt, seit 2009 unter offizieller Beteiligung des deutschen Botschafters. In diesem Jahr wurde auch ein Kranz der Stadt Gera abgelegt, deutsche Vertreter der Städtepartnerschaft und der Kirchen haben sich vor den Toten verneigt. Dies war vor vier Jahren eine nach wie vor schwierige Entscheidung. Die damalige Arnhemer Bürgermeisterin Pauline Krikke hatte sich deutlich dafür eingesetzt, dass bei der Ehrung auch Vertreter aus Deutschland offiziell eingebunden werden. Es folgten ausführliche Gespräche mit den Veteranenverbänden und es konnte eine Lösung bei dieser sensiblen Frage gefunden werden. Auch der amtierende Bürgermeister Herman Kaiser äußerte sich klar für eine weitere Intensivierung der Kontakte, bewusst auch nach Deutschland.

Die Schlacht um Arnhem hatte europäische Dimension; und in keinem geringeren Rahmen sollte auch das Gedenken erfolgen. So kann das Motto, das die Erinnerungsfeiern prägt, weiterhin mit Leben erfüllt werden: „A bridge to the futur – een brug naar de toekoms“ – Eine Brücke in die Zukunft.

Was in Arnhem gelingt, bleibt für eine andere zentrale Gedenkveranstaltung weiterhin tabu. Auf dem Friedhof Oosterbeek, auf dem zahlreiche der gefallenen Alliierten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, wird am Sonntag ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert. Mit Kranzniederlegungen werden die Kämpfer gegen die Hitler-Diktatur gewürdigt. Sie gaben ihr junges Leben für die Freiheit, letztlich auch für die Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus. Aus Respekt vor den Veteranen ist hier keine offizielle deutsche Beteiligung vorgesehen.

Im kommenden Jahr 2014 jährt sich die „Operation Market Garden“ zum siebtigsten Mal. Es wird ein sehr wichtiges, europäisches Datum der Erinnerung sein. Auch in Deutschland muss man dieses Datum unbedingt im Blick haben. Inwieweit deutsche Vertreter dann vor Ort einbezogen werden, können natürlich nur die Arnhemer und Veteranenverbände selbst entscheiden. Doch an der „Brücke in die Zukunft“ müssen wir in jedem Fall gemeinsam bauen.


Zur „Operation Market Garden“
(Quellen: UNI Münster, De Gelderlander)

Im Zeitraum zwischen 17. Bis 27. September 1944 wurde in Nordbrabant und Gelderland eine aufwendige Offensive der Alliierten gestartet. Ziel war es, den Kriegsverlauf zu verkürzen und so das sinnlose Töten schneller zu beenden. Dabei kam es zu erbitterten, sehr verlustreichen Kämpfen, deren Symbol die Schlacht um die Brücke von Arnhem wurde. Über 20.000 gefallene hatten die Britischen, Polnischen, Kanadischen und US-Truppen zu beklagen.

Mehrere Einheiten der Waffen-SS, die in dem Gebiet stationiert waren, gelang es durch eine äußerst brutale Kriegsführung den Vormarsch der Alliierten zu stoppen. Dabei wurden auch Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung verübt. So wurden Arnhemer Bürger standrechtlich erschossen, weil sie verwundete Britische Soldaten versorgt hatten.

Die Niederlage der Alliierten brachte für die Niederländische Bevölkerung gravierende Folgen. Das deutsche Besatzungsregime überzog das Land mit einer Welle des Terrors. Das bereits bestehende System zur Zwangsarbeit für männliche Niederländer wurde intensiviert. Durch eine gezielte Sprengung von Deichen wurden große Gebiete überflutet. Aus Rache für Widerstandsaktionen wurde die Infrastruktur des Landes zerstört und Lebensmitteltransporte blockiert. Dies spitzte die Situation im Hungerwinter 1944/45 für die Zivilbevölkerung dramatisch zu. Mindestens 18.000 Niederländer fanden in Folge den Tod.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
2 Kommentare
16.680
Steffen Weiß aus Gera | 27.09.2013 | 07:32  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 28.09.2013 | 22:56  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige