Sotschi – ein weiterer Super-Gau des IOC

Regenbogen und Olympia?
Deutliche Kritik am Verhalten der Sportfunktionäre

Nach dem Fiasko in China 2008 droht dem IOC ein weiterer Menschenrechts-Super-Gau. Sollten die XXII. Olympischen Winterspiele
2014 in Sotschi wie geplant stattfinden, begeben sich Sportler & Sportlerinnen, Trainer & Trainerinnen, aber auch anreisende Fans in die permanente Gefahr, von russischen Behörden kriminalisiert zu werden; und das aus nur einem Grund: weil zu ihrer eigenen lesbischen, schwulen oder bisexuellen Orientierung stehen oder sich solidarisch mit Betroffenen zeigen.
Das skandalöse Homophobie - Gesetz bildet in Russland jedoch nur die Spitze eines Eisberges. Rassistische und antisemitische Gewalt wächst unter Duldung der Behörden stetig an. Politische Gegner der Mächtigen im Kreml, kritische Journalisten und Menschenrechtsgruppen wie „Memorial“ werden vom Staat systematisch bespitzelt, schikaniert und eingeschüchtert.

Saubere Spiele haben nicht nur mit dem Thema „Doping“ zu tun, sondern vor allem auch mit der Menschenrechtslage in den Austragungsorten der Spiele. Eine Verlegung der Winterspiele, und sei sie noch so kurzfristig, ist die einzig richtige Lösung.

Doch der IOC hat kaum etwas dazu gelernt. Mit dem bereits erfolgten Maulkorberlass an die Aktiven und der damit verbundenen Drohung einer Disqualifizierung will der IOC sich vor peinlichen Situationen schützen. Damit hat die ursprüngliche olympische Idee einen weiteren Tiefpunkt erreicht.

Der IOC muss endlich grundsätzlich reagieren. Er muss Diktatoren und autoritären Regierungen eine sicher geglaubte Legitimation, die mit internationalen Wettkämpfen verbunden ist, nehmen. Und der IOC sollte endlich eine Agenda von Menschenrechts-Standards erstellen, die als Voraussetzung für die Vergabe der Olympischer Spiele und anderer sportlichen Veranstaltungen dient. Ohne dem bleibt es, wie es bisher war: der IOC und der internationale Sport erweisen sich als Komplizen von Willkür, Unrecht und Folter.
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Michael Kleim, Theologe, war in der DDR-Menschenrechtsbewegung aktiv. 2010 hatte er mit einem „Appell an die Sportwelt“ den IOC aufgefordert, sich aktiv für die Freilassung des chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo einzusetzen. Der Appell wurde von Sportlern, Sportjournalisten und Menschenrechtsaktivisten unterstützt. Der IOC hat nie darauf reagiert.
Der Beitrag wird von Freya Klier, Autorin, Regisseurin und Mitglied des P.E.N.-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland, unterstützt.
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