Sportstadt Gera im Abseits - Vereinssterben wegen geschlossener Sportstätten befürchtet

Lucas Beer ist mit acht Jahren das jüngste Mitglied des Fightsport – Gera e.V. Der ehrgeizige Junge würde gern wieder trainieren. Doch der Sportkomplex Vollersdorfer Straße – Heimat dieses und 14 weiterer Sportvereine – ist seit dem 3. Juni wegen der Hochwasserschäden gesperrt. Trainer und Vereinschef Jörg Rauschning ist seit Wochen auf der Suche nach einer neuen Trainingsstätte.
 
Beseitigung? Die Beseitigung der Flutschäden seitens der Stadt beschränkt sich bislang...
Die Fenster im Sportkomplex Vollersdorfer Straße sind gekippt. Sie sind nicht gekippt, damit Schweißgeruch der Trainierenden abziehen kann. Hier trainiert seit Anfang Juni keiner mehr. Und Handwerker kommen hier auch nicht ins Schwitzen. Es schwitzen wohl eher die Vereinschefs, die nicht wissen, wie es mit dem Training weitergehen soll. Aber wegen ihnen stehen die Fenster auch nicht offen. Die Feuchtigkeit im Mauerwerk soll abziehen.

„Angesichts der Hochwassersituation hat die Stadtverwaltung die Nutzung aller städtischen Sportstätten für den Freizeitsport abgesagt. Die Regelung gilt vorerst für diese Woche“, hieß es am 3. Juni seitens der Stadt. Für den Sportkomplex Vollersdorfer Straße hat sich an dieser Aussage bis heute – über elf Wochen - nichts geändert.

Der achtjährige Lucas Beer schaut traurig vor dem Müllhaufen stehend auf die verschlossene Tür. Am 1. Juni war er das letzte Mal beim Kickbox-Training. Dann kam das Hochwasser und hat halb Gera in seinen Fluten verschluckt. Lucas‘ Trainer und Vereinschef Jörg Rauschning hatte auf Facebook davon erfahren, dass der Sportkomplex unter Wasser steht. In der vorderen Halle gab es „nur“ glitschigen Schlamm. In der Boxhalle fand er eine undefinierbare Welle vor. Wie sich heraus stellte, hatte sich das Parkett durch das Flutwasser bis auf 1,50 Meter Höhe aufgebäumt. Auch viele Sportgeräte waren nicht mehr zu gebrauchen. Schreckliche Erinnerungen. In den Tagen darauf hatten Vereinsmitglieder und Eltern angepackt, aufgeräumt, sogar das Parkett heraus gerissen. Nahezu 800 freiwillige Stunden wurden geleistet. Auch die anderen hier ansässigen Sportvereine, über ein Dutzend, haben jegliche Vorarbeit geleistet, damit der Wiederaufbau seitens der Stadt schnellstens beginnen kann. Und? Die Fenster sind gekippt. Das war’s. Rauschning weiß nur so viel, dass die Stadtverwaltung wohl noch auf Anordnungen vom Land warte.

Für die Zeit bis zum Beginn der Sommerferien wurde dem Verein eine Ausweichhalle in Tinz zur Verfügung gestellt. „Dort konnten wir allerdings nur Athletik, eine Kampfgrundschule und Spiele durchführen. Das eigentliche Kampftraining war nicht möglich“, erklärt er. Selbst solch eine Trainingsmöglichkeit steht jetzt nicht mehr zur Verfügung. Da der Vereinschef seitens des Fachdienstes Bildung und Sport der Stadt Gera auch nur vertröstet wird, macht er sich mittlerweile selbst auf die Suche nach einer neuen Trainingsmöglichkeit. Bislang ist er nur obskuren Preisvorstellungen begegnet. Bedenken muss er zudem, dass die 49 Vereinsmitglieder - darunter viele Kinder und Jugendliche - auch zum künftigen Trainingsort kommen müssen. Wenn sich nicht bald etwas finde, befürchtet der Chef des Fightsport – Gera e.V. einen Mitgliederschwund. Den anderen Vereinen gehe es nicht anders. „Wenn jetzt das große Vereinssterben beginnt, wird Gera bald keine Sportstadt mehr sein“, ist sich Jörg Rauschning sicher.

Bedanken möchte sich der Vereinschef auf diesem Weg bei den Vereinsmitgliedern und deren Familien für die Unterstützung. Gespendet und unterstützt haben in diesen schweren Tagen zudem die D+S Communication Center Gera GmbH, der Contact Sportclub Erfurt, die Fight Academy Merseburg. Danken möchte Rauschning zudem Michael Max, Liegenschaften Gera, für die Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Objekt.


Mehr zum Thema Hochwasser in Gera und Umgebung und weiteren Orten ist hier zu erfahren:

http://www.meinanzeiger.de/gruppen/hochwasser-155....
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3 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 20.08.2013 | 20:16  
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Steffen Weiß aus Gera | 22.08.2013 | 17:14  
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Klaus Köhler aus Gera | 03.11.2013 | 14:12  
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