Sportstadt Gera: Jetzt wird auch noch der Rasenplatz der Eurotrink Kickers gesperrt

Was ragt hier so schräg durchs Foto? Das war mal ein Fußballtor. Und es ist kein Hochwasserschaden. Der Hang hinter dem Rasenplatz auf dem Gelände des Sportkomplexes Vollersdorfer Straße war im August abgerutscht. Nach wie vor wird hier noch trainiert. Eurotrink Kickers-Geschäftsführer Frank Pauli (links) im Gespräch über das Dilemma „Sportstadt Gera“ mit dem Vereinsvorsitzenden des Fightsport Gera, Jörg Rauschning.
 
An der Tür zur Umkleidekabine ist deutlich zu erkennen, wie hoch das Elsterwasser gestanden hat.
Gera: Sportkomplex Vollersdorfer Straße | „Für uns wird’s jetzt bald kompliziert“, meint Frank Pauli. Fußballer sind hart gesottene Jungs. Die kommen auch mal ohne Umkleidekabine und ohne Dusche zurecht. Und ohne, dass der Geschäftsführer ein Büro hat. Und ohne die Möglichkeit, im Trockenen in der Halle zu trainieren. Aber wenn’s dann auch keine Tore und erst recht keinen Rasen mehr gibt, dann ist auch Pauli mit seinem Latein am Ende.

Die Eurotrink Kickers Gera gibt es seit 1991, seit 2000 haben sie ihren Stammsitz im Sportkomplex Vollersdorfer Straße. In Vereinsregie haben sie mit Fördermitteln und einer fünfstelligen Summe Eigenkapital einen beleuchteten Schlackeplatz, einen Rasenplatz mit Ballfangzaun, Kabinen, Sanitäranlagen und ein Büro hergerichtet. Die 1. Mannschaft spielt in der Kreisoberliga, die E1- und D1-Junioren in der Verbandsliga Thüringen. Geschäftsführer Pauli kann zu Recht stolz sein, was die 140 Mitglieder, die zwölf Trainer und vielen ehrenamtlichen Helfer auf die Beine stellen. „Bei den ständig zunehmenden Schwierigkeiten war es in den vergangenen Jahren nicht einfach, den Verein erfolgreich am Leben zu halten“, so Pauli.

Mit den erschwerten Bedingungen seit dem Hochwasser Anfang Juni haben sich die Eurotrink Kickers arrangiert. „Und wir sind gewillt, auch unter diesen Bedingungen den Vereinsbetrieb am Leben zu erhalten. Wertvolle Unterstützung erfahren wir hierbei vom Stadtsportbund. Aber letztlich läuft der auch nur gegen Mauern. Es ist erschreckend, dass seitens der Stadtverwaltung nichts passiert“, sagt Pauli und winkt ab. Bei befreundeten Vereinen in Berga und Gößnitz, die auch vom Hochwasser betroffenen waren, sei längst wieder alles in Ordnung.

Denkt Pauli an den 4. November, kann er nur noch mit den Schultern zucken. Noch nicht offiziell mitgeteilt, sollen dann auch noch die bislang genutzten Außenanlagen des Sportkomplexes Vollersdorfer Straße gesperrt werden. Dann bleibt ihm nur noch das Spielfeld in der Trebnitzer Straße.

Nicht viel besser geht es Jörg Rauschning, Chef des Vereins Fightsport Gera. Der Verein hat mit der Flut ebenfalls seine Heimstatt im Sportkomplex Vollersdorfer Straße verloren (der Allgemeine Anzeiger berichtete). Dank der Unterstützung durch den Fachdienst Bildung und Sport sitzen die Vereinsmitglieder in zwei Ausweichhallen im Trockenen. Dort geht es allerdings nur athletisch, mit einer Kampfgrundschule oder Spielen zur Sache. Das eigentliche Wettkampftraining im Ring oder mit Boxsäcken ist nach wie vor nicht möglich und somit wird es in nächster Zeit auch keine Wettkampfteilnahmen geben. Der befürchtete Mitgliederschwund hat längst begonnen: „Sieben Sportler, darunter auch Wettkampfteilnehmer, sind mittlerweile abgesprungen“, resümiert Rauschning.

Da wundert es nicht, dass sich der Vereinschef nach wie vor um eine neue Trainingsstätte mit entsprechenden Voraussetzungen bemüht. Die hat er auch gefunden. Auf seine Anfrage zur Kostenübernahme durch die Stadt hat er eine Ablehnung erhalten. Nochmals bei der jüngsten Bürgerfragestunde der Stadt nachgehakt, wurde ihm durch die Sozialdezernentin Sandra Schöneich mitgeteilt, dass die Stadt keinen Handlungsbedarf sehe, Kosten zu übernehmen, da der Verein zu klein sei.

Jörg Rauschning fühlt sich wie eine fallen gelassene heiße Kartoffel. So zumindest ist in seiner Petition „Verein Fightsport Gera kämpft um Sporthalle“ zu lesen, die er am 7. Oktober in Erfurt an die Landesregierung übergeben hat. Ursprünglich war der Termin ein positiver Anlass, weil er als Fluthelfer ausgezeichnet wurde. Die Urkunde würde er gern aufhängen. Nur wo?

Betroffen sind in Gera weitaus mehr Sportvereine und zudem der Schulsport. Auf der Internetseite der Stadt Gera ist folgendes zu lesen:

Gera - die Sportstadt
Informationen der Stadt Gera über Sportstätten die aktuell geschlossen sind

Auf Grund der Hochwasserschäden im Stadtgebiet sind folgende Sportstätten gesperrt:
Stand: 14.10.2013/15:00 Uhr

Hofwiesenbad/ Straße am Hofwiesenpark 2

Panndorfhalle/ Neue Straße 23
- Sperrung zwei Felder (Training und Unterricht)

Schulsporthalle/ Darwinstraße 9
- Debschwitzer Regelschule

Schulsporthallen/ Gutenbergstraße
- Grundschule 2 "Otto-Dix"
- Regelschule 1 "Otto-Dix"

Sportzentrum/ Vollersdorfer Sraße 32
- Komplett-Sperrung Gebäudekomplex
- Nutzung Duschen
- Tennenplatz
- Sporthallen

Karl-Harnisch Stadion/ Liebschwitzer Straße 116
- Sportplätze
- Sporthalle

Mehr über das Hochwasser und dessen Folgen ist hier in mehreren Beitragen zu finden:

http://www.meinanzeiger.de/gruppen/hochwasser-155....
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3 Kommentare
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Klaus Köhler aus Gera | 22.10.2013 | 20:00  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 23.10.2013 | 20:09  
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Klaus Köhler aus Gera | 23.10.2013 | 21:02  
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