Tauben gehören zum Stadtbild

Taubenwartin Edith Grunert sorgt für die tierschutzgerechte "Bändigung" der Stadttaubenpopulation.
Gera: ehrenamtszentrale | Langjährige Geburtenkontrolle trägt Früchte - Mitstreiter gesucht


Gera (Viererbe). Vorsichtig öffnet Edith Grunert die Tür zur Wohnung des leer stehenden Hauses auf dem Steinweg… Ein lautes Rauschen – und ein Schwarm Stadttauben flüchtet aus dem Fenster ins Freie. Hier haben sie ihre von Menschenhand eingerichteten Taubenschläge angenommen und nutzen sie als „Wohnung“ und Nistplatz.
Die engagierte Seniorin zeigt mir ihre Arbeit. Zunächst checkt sie die Nester – und tauscht die vier gefundenen Eier gegen Attrappen aus. „Das muss sein, um die Taubenpopulation nicht wieder ausufern zu lassen.“ Dann schnappt sie sich Utensilien, mit denen sie Kot und Federn in den einzelnen Schlägen und auf dem Fußboden entfernt.
Nein – eine saubere Arbeit ist es nicht, es riecht auch etwas streng, man darf nicht zimperlich sein – dennoch, es muss aus hygienischen Gründen regelmäßig getan werden. Dann sorgt sie für frisches Wasser und artgerechtes Futter. Das macht sie mehrfach in der Woche in unterschiedlichen Schlägen.
Für die Tierfreundin kein Problem. Edith Grunert ist, neben Udo Renker, eine von zwei Taubenwarten in Gera und von Anfang an dabei. Bereits Anfang der 90er Jahre begann man, die überhand genommene Population über ein „Taubenprojekt“ in einen stadtverträglichen Bestand zu senken.

„Dafür wurde es notwendig, Plätze zu schaffen, an denen wir den Bestand durch Ei-Entnahme und die Gesundheit der Vögel kontrollieren können. Tauben bleiben mit ihrem Partner ein Leben lang zusammen und an einem Ort. Das haben wir ausgenutzt und Dank der Unterstützung der Wohnungsunternehmen mehrere Taubenschläge in leer gezogenen Häusern einrichten können – je zwei am Steinweg und in der Burgstraße, einer in der Karl-Matthes-Straße. Zudem gibt es zwei Taubenhäuser in Lusan und Bieblach“, so Dr. Udo Pleißner, der das Projekt damals noch als Amtstierarzt und heute ehrenamtlich begleitet. Sie wurden gut angenommen und so konnte die Population - kontrolliert und tierschutzgerecht - auf die Hälfte gesenkt werden. „Heute haben wir einen gesunden Taubenbestand. Es war ein langer und nicht immer leichter Weg bis hierher – und wir müssen dranbleiben“, so Udo Pleißner.

Ärgern kann sich Edith Grunert über Äußerungen von Zeitgenossen, die Tauben als Schädlinge bezeichnen. „Seit Jahrzehnten sind die Stadttauben verpönt. Das ist völlig ungerecht. Es sind verwilderte Haustauben – Schuld ist der Mensch selbst. Und auch daran, dass sie sich gerade in den Stadtzentren geballt sammeln und aufhalten. Dort finden sie ein geradezu paradiesisches Nahrungsangebot dank weggeworfener Speisereste, die umherliegen. Hier kann jeder Einzelne etwas zur Sauberkeit beitragen. Damit wäre Mensch und Taube geholfen“, appelliert die Tierschützerin an die menschliche Vernunft. Übrigens ist das Füttern der Tauben in Gera seit 2008 verboten – denn trägt zu Fehlernährung und damit zu Krankheiten bei.

Ein Wunsch bleibt: „Wir suchen dringend aktive Mitstreiter. Wer uns gern ehrenamtlich als Taubenwart unterstützen möchte, kann sich an die Ehrenamtszentrale der Stadt wenden, die das Projekt unterstützt.“
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D D aus Jena | 18.05.2012 | 21:29  
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