"Willkommen auf Deutsch" - kontroverser Film und ehrliche Diskussion in Gera

Gespannt verfolgen die Schüler und die Besucher den Dokumentarfilm "Willkommen aus Deutsch"
  Gera: Clubzentrum COMMA | Appel, ein kleines 400 Seelen-Dorf, ist Teil der Samtgemeinde Hollenstedt im Landkreis Harburg in Niedersachsen (Deutschland). Die Gemeinde Tespe liegt im Nordosten des Landkreis Harburg und gehört zur Samtgemeinde Elbmarsch. Beide Orte sind Schauplätze im Dokumentarfilm "Willkommen auf Deutsch". Wachsende Flüchtlingszahlen und die notwendigen Unterbringungsmöglichkeiten in den Stadt- und Landkreisen bringen Probleme mit sich.
Im Film versuchen die Dokumentaristen Hauke Wendler und Carsten Rau einen Blick hinter die Kulissen des bürgerlichen Lebens der eben noch so ruhigen und beschaulichen dörflichen Gemeinschaft zu werfen.
Hier treffen Ängste, Sorgen und Vorurteile aufeinander, die beispielgebend für viele Teile Deutschlands sind und die gerade bandaktuell die Situation in Gera und ganz speziell im Stadtteil Liebschwitz beschreiben.
Im Film werden anhand der beiden Orte Proteste, deren Ergebnisse, aber auch Lösungen und die Hilfsbereitschaft gegenüber den angekommenen Flüchtlingen, deren Familien und Kindern, vorgestellt. In Appel sollte 2013 eine Unterkunft für 53 Asylbewerber entstehen. Proteste und politische Aktivitäten im Ort erreichten letztlich lediglich eine Unterbringung von nur 11 Menschen in einer Pension. Die Dorfbewohner haben sich gegen den Landkreis durchgesetzt. Anders in Tespe, hier kümmern sich Menschen, um die in einem ehemaligen Sparkassengebäude lebenden Asylbewerber. Nachbarschaftshilfe verhindert schließlich die Abschiebung einer tschetschenischen Familie mit 6 Kindern. Am Beispiel wird gezeigt, wie Vorurteile abgebaut werden und wie persönliche Kontakte zu den Flüchtlingen auch das Leben der Dorfbewohner bereichern können.
Der Stadtjugendring Gera und der Runde Tisch für Toleranz und Menschlichkeit in Gera haben diesen Film nach Gera geholt und am 14. April fünf Aufführungen organisiert.
Viele Schüler von Berufsbildenden- und Realschulen sind mit ihren Erziehern und Lehrern gekommen und konnten im Anschluss mit den Organisatoren über das Thema sprechen.
Sabine Berninger vom Flüchtlingsrat Thüringen beantwortete geduldig Fragen, die der Film aufgeworfen hat. Warum sollte die Familie nach Polen abgeschoben werden? Die Dublin-Verordnung verlangt, dass ein Asylsuchender in dem Mitgliedsstaat der EU, das er zuerst betreten hat, seinen Asylantrag stellen muss. Unverständnis macht sich bei den Anwesenden breit, haben sie doch im Film gerade gesehen, dass eine erwachsene Tochter beinahe von ihrer Familie getrennt worden wäre. An der 12. Staatlichen Realschule Gera in der Erich-Mühsam-Straße soll in Kürze eine Willkommensklasse entstehen und die Schüler überlegen derzeit, wie kann man hier unterstützen. Eine Lehrerin gab zu bedenken, dass sie derzeit überfordert sei, wenn plötzlich ohne Vorankündigung ausländische Schülerinnen und Schüler in dem Klassenzimmern sitzen. Die Sprachbarrieren verhindern eine Integration in den Unterricht. Sabine Berninger gab den Schülern den Rat, jungen Asylbewerbern in der Schule mit Offenheit und Freundlichkeit zu begegnen. Die teils traumatisierten Menschen haben oft Angst von der fremden Situation, der fremden Kultur und letztlich auch vor Menschen, weil sie nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen.
Das Ehrenamt, wie im Film gezeigt, ist wichtiger denn je. Das sieht auch Claudia Poser-Ben Kahla vom Freundeskreis Flüchtlinge so. Gemeinsam mit der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde G26 sind Sprachpatenschaften mit Flüchtlingen geplant.
Einige Schüler schilderten negative Begegnungen mit ausländischen Jugendlichen und dass sie jetzt Angst hätten. Ines Wegner vom Stadtjugendring möchte diese Ängste ernst nehmen, auch wenn hier allgemeine Polemik und Vorurteile mitschwingen. "Wenn wir uns mit der Geschichte der Flüchtlinge beschäftigen, erfragen woher sie kommen und warum sie ihre Heimat verlassen mussten und auch mit ihnen ins Gespräch kommen, werden wir uns gegenseitig besser verstehen.", gibt sie den Schülern mit auf den Weg.

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