„Wo es klemmt, da sind wir dran“. Nichtwähler Jürgen Wolf aus Zeulenroda-Triebes trifft in Gera auf SPD-Spitzenkandidatin Heike Taubert

Jürgen Wolf aus Zeulenroda-Triebes im Gespräch mit Spitzendkandidatin Heike Taubert (SPD).
 
Jürgen Wolf
 
Heike Taubert
Gera: Markt |

Am 14. September 2014 wird zur Landtagswahl Thüringen an die Wahlurnen gerufen. Es gilt, die Mitglieder des Thüringer Landtags für die 6. Legislaturperiode zu wählen. Zur Wahl stellt sich unter anderem Spitzenkandidatin Heike Taubert (SPD). Jürgen Wolf aus Zeulenroda-Triebes, Filmemacher und selbstständig in der Jugendarbeit tätig, ist zwar politisch interessiert, möchte aber dennoch erstmals nicht von seinem Wahlrecht Gebrauch machen. Auf dem Geraer Markt ist der Nichtwähler auf SPD-Spitzenkandidatin Heike Taubert (SPD) getroffen.

Jürgen Wolf: Wenn ich mich bei mir im Umfeld in Zeulenroda so umschaue, dann gibt es vieles, was mich stört: Auf den Schulhöfen zunehmende Gewalt unter Kindern. Viele Jugendliche nehmen regelmäßig Drogen. Dazu eine Polizei, die überlastet ist und gar nicht mehr rumkommt. Sehen Sie das auch und wie reagieren Sie?

Heike Taubert: Ich nehme das sehr ernst. Gewalt und Drogen haben in Schule und Freizeit nichts zu suchen. Ich will, dass Kinder und Jugendliche gut aufwachsen. Deshalb habe ich ein Landesprogramm Schulsozialarbeit auf den Weg gebracht. Rund 200 Sozialpädagogen arbeiten bereits an gut einem Viertel aller Thüringer Schulen – bezahlt zu 100 Prozent vom Land. Das kostet den Freistaat 10 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich. Eine notwendige Ausgabe, die ich dem Finanzminister abgerungen habe. Schulsozialarbeiter helfen Kids, Konflikte gewaltfrei zu lösen und bei Problemen nicht in den Rausch flüchten. Das Programm ist erfolgreich, deshalb will ich es ausweiten und gesetzlich verankern. Außerdem bin ich mir sicher: Unsere Polizei, unsere Lehrer und die Fachleute der Jugendhilfe leisten eine gute Arbeit - besser denn je!

Jürgen Wolf: Einige Schulsozialpädagogen sind immer noch nicht im „System Schule“ integriert. Was wird dafür getan?

Heike Taubert: Das Thüringer Sozialministerium ist in einem ständigen Austausch mit den Sozialarbeitern und den Schulen. Wir bieten Koordinierung, Beratung und Weiterbildung, Es braucht das Zusammenspiel von Schulleitung, Lehrerschaft und Schulsozialarbeitern, um Kindern und Jugendlichen wirksam zu helfen. Erst kürzlich haben wir uns auf einer großen Fachtagung in Jena darüber ausgetauscht. Die meisten Fachkräfte sind mit den Bedingungen zufrieden. Wo es noch klemmt, da sind wir dran.

Jürgen Wolf: Ohne die starke finanzielle Unterstützung der Vereine durch regionale Unternehmer sind nur wenige Angebote für die Jugend möglich. Woher sollen weitere dringend benötigte Gelder kommen?

Heike Taubert: Die damalige CDU Alleinregierung hatte die Landesförderung gekürzt. Seit dem Eintritt der SPD in die Landesregierung wird die Jugendarbeit jährlich mit 11 Millionen Euro gefördert. Wenn es nach mir gegangen wäre, dann wären es 4 Millionen Euro mehr gewesen. Aber das war mit der CDU nicht zu machen, leider. Doch 15 Millionen sind noch immer mein Ziel, gesetzlich gesichert. Hinzu kommt: Die Kommunen müssen ihren Teil dazu leisten. Jugendarbeit ist gesetzliche Aufgabe der Landkreise und kreisfreien Städte. Ich finde zudem gut, dass sich Unternehmen engagieren und „ihre Jugendlichen“ vor Ort insbesondere bei Sport und Kultur unterstützen.

Jürgen Wolf: Motivierte Jugendliche aus Zeulenroda, die bei Musikevents u.a. gegen Rechts auf Wiesen oder unter der Talsperrenbrücke musizieren wollen, werden von bürokratischen Vorgaben ausgebremst. Kann/möchte die Politik und Verwaltung unserer Jugend noch folgen?

Heike Taubert: Alles, was die Jugend bewegt, muss auch uns Ältere umtreiben. Jugendliche sehen manche Fehlentwicklung klarer und reiben sich mehr an der Realität als viele Erwachsene. Sie wollen sich einbringen und beteiligen, die Welt bunter und gerechter machen. Dazu gehört für mich der Kampf gegen den Rechtsextremismus. Deshalb fördern wir in unserem Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit lokale Aktionspläne in den Kommunen und Projekte engagierter Initiativen. Wir fördern ebenso die Fortbildung von Verwaltungsmitarbeitern beim Kampf gegen Rechtsextremismus. Und wir helfen immer dann, wenn „die Säge klemmt“. Ich kenne Verwaltung in verschiedenen Funktionen seit vielen Jahren. Mir ist wichtig, dass die Verwaltung für den Menschen da ist und nicht der Mensch für die Verwaltung. Und das heißt für mich: Zuallererst schauen, was geht und nicht schauen, was nicht geht. Gerade im Kampf gegen den Rechtsextremismus brauchen wir Alt und Jung, Groß und Klein. Alle müssen helfen, diese größte Gefahr für unsere Demokratie und unser friedliches Zusammenleben abzuwehren.

Jürgen Wolf: Inklusion auf Biegen und Brechen. Alle Schüler mit Förderbedarf müssen nach der neuen Regelung erstmal in Grund- und Regelschulen integriert werden - teilweise belastend für die betroffenen Schüler, Lehrer, und Mitschüler. Warum muss das sein?

Heike Taubert: Thüringen setzt, wie jedes andere Bundesland auch, die UN-Behindertenrechtskonvention um, auch im Bereich Schule. Dafür gibt es mit dem Maßnahmenplan einen konzeptionellen Rahmen. Innerhalb dieses Rahmens ist vieles möglich, wenn es behutsam auf den Weg gebracht wird. Als Sozialministerin liegt mir die Inklusion sehr am Herzen. Ich stelle aber auch fest, dass wir einen ständigen Austausch aller Betroffenen über Erfolge und Schwierigkeiten brauchen. Ich merke aber auch, dass Eltern, Lehrerinnen und Lehrer in diesem Prozess der Einführung besser begleitet werden müssen. Das können Weiterbildungs- und Beratungsangebote sein, aber auch Möglichkeiten zum Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen.

Jürgen Wolf: Fachkräftegebot. Wäre eine persönliche Überprüfung von motivierten und lebenserfahrenen Autodidakten im sozialen Bereich durch das Ministerium denkbar?

Heike Taubert: Wir haben in den Sozialgesetzbüchern ein klares Fachkräftegebot. Das ist gut so. Kein Mensch kommt zum Beispiel auf die Idee, Elektroanlagen durch Heimwerker warten zu lassen. Erst recht gilt das für die soziale Arbeit. Engagierte Autodidakten werden im Bereich der sozialen Arbeit immer ihren Platz finden, für zusätzliches ehrenamtliches Engagement. Unser Bildungssystem lässt genügend Möglichkeiten zur Ausbildung und berufsbegleitenden Qualifikation zu. Wer in der sozialen Arbeit seine Berufung sieht, der wird dort eine qualifizierte Berufsausbildung abschließen können.

Jürgen Wolf: Als Filmemacher und Jugendarbeiter würde ich wohl eher Fördergelder für eine Tatortverfilmung in Zeulenroda erhalten, als für Bürgerfilmprojekte mit den Themen Demokratie/Medien/Kunst. Wie kann man das ändern?

Heike Taubert: In Zeiten knapper Kassen kommt man immer schwer an Geld. Mir hat der Finanzminister auch schon so manches wichtige Projekt nicht finanzieren wollen. Aber in Ihrem Fall fällt mir zunächst die Thüringer Landesmedienanstalt ein, die für den Bürgerfunk zuständig ist. Wenn es um Demokratie geht, verweise ich auf unser Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit. Dort werden Projekte gefördert, die zum Beispiel die Bevölkerung über das Thema Rechtsextremismus informieren und zur Auseinandersetzung damit anregen. Allerdings werden keine reinen Kunstprojekte von Einzelpersonen gefördert.


Biografie Heike Taubert:

Geboren am 14. November 1958 in Reichenbach, evangelisch, verheiratet, zwei KinderAusbildung

Beruflicher Werdegang:

• 1977 Abitur in Reichenbach/Vogtland
• 1982 Abschluss als Diplomingenieurin für Informationstechnik
• 1995 Abschluss als Diplomverwaltungsbetriebswirtin
• 1982 – 1986 Mess- und Prüfmittelingenieurin im VEB Elektronik Gera
• 1986 – 1990 Stellv. Verwaltungsleiterin in der Gesundheitseinrichtung Krankenhaus-Poliklinik Ronneburg
• 1990 – 1995 Stadtkämmerin in der Stadt Ronneburg
• 1995 – 2001 Stellv. Landrätin und Beigeordnete im Landkreis Greiz
• 2001 – 2004 Stellv. Landrätin und Beigeordnete im Saale-Orla-Kreis
• seit 2004 Mitglied des Thüringer Landtages

Funktionen:

• Mitglied der SPD-Fraktion im Thüringer Landtag
• Stellv. Landesvorsitzende der SPD Thüringen
• Kreisvorsitzende des SPD Kreisverbandes Greiz

Mitgliedschaften:

• Mitglied im Heimatverein der Stadt Ronneburg
• Mitglied im FSV Ronneburg

Jürgen Wolf:

- 1967 in Dortmund geboren
- Facharbeiterausbildung Vulkaniseur und Fluggerätmechaniker
- 6 Jahre Soldat auf Zeit bei den Marinefliegern in Schleswig-Holstein
- Hamburg als Heimat gefunden
- Freiberuflich tätig als Sozialpädagoge im Rauhen Haus Hamburg und Kindergarten
- Angestellt als Niederlassungsleiter Reifengroßhandel Im- und Export
- Verkaufsprofi in einigen Niederlassungen Reifenfachhandel Norddeutschland
- 2001 der Liebe wegen nach Zeulenroda gezogen - Neuanfang
- Planung und Durchführung (im Auftrag Jugendämter aus ganz Deutschland) Individualpädagogische Reiseprojekte für männliche Jugendliche als clearing oder zur Überführung unter anderem nach Russland, Schweden, Estland
- Gründung der regionalen Gruppe Greenpeace Ostthüringen - Pressesprecher
- dadurch auch zum Film gekommen
- Weiterbildung *Film* bei Greenpeace Deutschland
- seit 2012 Integration Medium Film & Sound in die Jugendarbeit
- Freiberuflich als Filmemacher unterwegs.


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Jürgen Wolf aus Zeulenroda-Triebes | 08.08.2014 | 16:28  
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