7. Fulldome Festival im Zeiss-Planetarium Jena. "Janus" - der Oscar für Rundum-Projektionen - wird erstmals vergeben

Beim 7. Fulldome-Festival im Zeiss-Planetarium Jena sind bis zum 1. Juni 80 Produktionen sind zu sehen. Das Foto zeigt eine Szene aus „Chaos & Order“.
 
„Janus“ nennt sich der Fulldome-Oscar, der beim heute anlaufenden Festival erstmals für die besten Produktionen vergeben wird. Geschaffen wurde die Statue von der Weimarer Künstlerin Cosima Göpfert.
Was Hollywood für die internationale Filmindustrie ist, ist Jena für Fulldome-Produktionen. Fulldome? Vergessen Sie die flache Leinwand. Fulldome sind Rundum-Projektionen. Das Erlebnis findet rechts, links, oben und unten statt. Die Gesamtfläche des Projektionsraums mit 23 Meter Durchmesser im Jenaer Planetarium entspricht etwa 5000 Computermonitoren – nur eben nicht flach, sondern mit gewölbter, randloser Projektion. So löst sich der reale Planetariumsraum scheinbar im virtuellen auf. Das ermöglicht Erlebnisse, die es so nicht im Kino geben kann.

Am Mittwoch, dem 29. Mai, 21 Uhr, startet bei kostenfreiem Eintritt das 7. Fulldome-Festival in Jena. Zu sehen gibt es eine Einführung in die Fulldome-Welt mit einem „Best OF“ der letzten Festivaljahre. Durch den Abend führen Prof. Rotraut Pape (Hochschule für Gestaltung Offenbach), Micky Remann (Bauhaus-Universität Weimar) und Robert Sawallisch (Zeiss-Planetarium Jena), die seit Jahren mit dem Festival eng verbunden sind. Als Einstieg ins Thema Fulldome ist diese Veranstaltung bestens geeignet, die in deutscher Sprache gehalten wird. Wegen der zahlreichen ausländischen Gäste ist die Konferenzsprache an den anderen Tagen englisch-deutsch gemischt.

Insgesamt kommen während des Festivals bis zum 1. Juni 80 Fulldome-Präsentationen aus 17 Ländern zur Aufführung. Festival-Direktor Micky Reman spricht von einem Privileg der Jenaer: „An keinem anderen Ort der Welt wird eine so umfangreich- und abwechslungsreiche Auswahl an aktuellen Fulldome-Shows, Kurzfilmen und Experimenten mit dem Medium öffentlich gezeigt. Im Laufe der Jahre hat sich Jena als das wichtigste und bedeutendste Festival dieser Art entwickelt. Vom exzellenten Ruf der Stadt Jena in der weltweiten Fulldome-Szene spricht auch Festival-Direktor Volkmar Schorcht: „Der Bedarf für dieses Medium ist steigend. Und von Jena gehen ständig neue Impulse aus, egal ob es sich um eine Studentenarbeit oder eine Profiproduktion mit millionenschwerem Etat handelt“. Fulldome interessierte Medienexperten aus aller Welt machen sich auf den Weg nach Jena, um sich über die Vielfalt der Stile und Aussagen zu informieren, mit der die Kuppel bebildert wird. "Da laufen garantiert wieder erste Vorgespräche für Lizensierungen", ist sich Schorcht sicher.

Das Programmspektrum reicht von klassisch-astronomischen Themen über unterhaltsame Traumreisen bis zu avantgardistischen Unternehmungen in der Kuppel. Erstmals kommen in diesem Jahr auch Produktionen zur Geltung, die das im Planetarium eingebaute „Spatial Sound Wave System“ nutzen. Mit dieser beim Fraunhofer IDMT in Ilmenau entwickelten Audio-Anlage werden die Zuschauer nicht nur von Rundum-Bildern, sondern auch von Rundum-Tönen eingehüllt.

Jena ist das Hollywood der Fulldome-Szene. Dementsprechend sind die Festivalmacher bemüht, das Glamourgefühl der amerikanischen Filmmetropole auch auf Jena zu transformieren. So gibt es im Planetarium einen kleinen walk of fame. Stars werden in den aufgeklebten Sternen nicht geehrt, aber die Sponsoren des Festivals. Größte Neuerung bei dem Festival ist eine Art „Oscar“. In Anlehnung an den begehrtesten Filmpreis wurde „Janus“ geschaffen. Die Statue wurde von der Weimarer Künstlerin Cosima Göpfert entworfen. In der römischen Mythologie ist Janos ein Gott mit zwei Gesichtern und vier Augen. Das prädestiniert ihn als Schutzheiligen der Fulldome-Szene. Der neue Fulldome-Preis stellt sich ebenfalls wie der Oscar als heroische Figur dar, nur eben mit zwei Gesichtern. Janus wird von der Künstlerin selbst aus Porzellan gefertigt und mit Platin überzogen. Beim Sockel hat sie die Kuppelform des Planetariums aufgegriffen. Neun dieser Statuen werden Samstagabend, 19 Uhr, zur großen Festival-Gala vergeben.

Die 80 Fulldome-Produktionen, die vom 20. Mai bis 1. Juni, jeweils 12 bis 18 Uhr, gezeigt werden, ergeben eine Gesamtspielzeit von 20 Stunden und 33 Minuten. Die Datenmenge schätzt Planetariumschef Jürgen Hellwig auf 15 Terabyte. Seit Wochen trudeln nach seiner Auskunft Festplatten per Post aus Welt in Jena ein. Er hatte mit seinem Team in den vergangenen Tagen alle Hände voll zu tun: Projektoren nachjustieren, Lampen auswechseln, die neueste Software aufspielen.

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Festivalgast noch an den Beitrag „Raumschwindel“, produziert von Robert Sawallisch. Der damalige Student hat mittlerweile seinen Masterabschluss für Fulldome-Produktionen in der Tasche. Seit Februar ist er im Planetarium angestellt mit eigens geschaffener Berufsbezeichnung: Fulldome Producer. Vorerst wird er im Planetarium bereits existierende Produktionen überarbeiten und auf den neuesten Stand der Technik bringen. Im Herbst werden die ersten neuen Produktionen anstehen.

Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils ab Mittag werden in der Planetariumskuppel 24 professionelle Fulldome-Shows gezeigt, mit Schwerpunkt auf wissenschaftlichen Themen – immer mehr sind originell und aufwändig produziert. Dass Fulldome über ein schier unerschöpfliches Themenfeld verfügt, beweisen die zahlreichen Shows für Kinder, zur Unterhaltung und mit experimentellem Hintergrund. Aus den eingereichten Produktionen wurden diejenigen ausgewählt, die auf besondere Art und Weise das Medium Fulldome bereichern. Die Besucher dürfen sich auf die eine oder andere Überraschung freuen.

In den Vormittagsstunden des Festivals stehen Präsentationen und Fachvorträge auf dem Programm, über die Themen gibt das Programmheft (im Internet) Auskunft.

Das Abendprogramm beginnt jeweils um 19 Uhr. Der Donnerstag ist den professionellen Kurzfilmen und Clips aus aller Welt gewidmet. Am Freitag ist „Student‘s Night“ – wie in den Vorjahren darf man auf die neusten Fulldome-Experimente von Studierenden aus diesmal genau zehn Hochschulen Deutschlands, den USA und Englands, gespannt sein.


Weitere Infos und komplettes Programm: www.fulldome-festival.de
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2 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 29.05.2013 | 12:51  
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Hannelore Grünler aus Artern | 01.06.2013 | 21:38  
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