Ausbildung: Neue Chancen nutzen

Muss sich mit Bäumen, Sträuchern und anderen Pflanzen auskennen: Azubi Mike Köhler (li.) fachsimpelt mit seinem Chef Hubert Grimm vom gleichnamigen Landschaftsbaubetrieb in Gera
Umdenken bei Ausbildungsbetrieben kann Potentiale gegen Fachkräftemangel erschließen

Gera. Spät, doch der heute 31-jährige Mike Köhler hat ihn doch noch geschafft, den Weg zum Beruf. Derzeit lernt er im 1. Lehrjahr. Dazu noch in seinem Wunschjob: dem Landschaftsbau. Dank einer Zeit, in der Ausbildungsbetrieben aufgrund der demografischen Entwicklung nicht mehr endlos viele Bewerber zur Verfügung stehen, aus denen sie die Besten wählen können.
Dank seiner eigenen Courage, noch einmal ganz von vorn zu beginnen. Und dank eines Unternehmers, der ihm diese Chance dafür vorurteilslos gab.

Nach der Schule schmiss er die Lehre zum Maler-Lackierer hin, weil es eben doch nicht das richtige war, pflegte in der Zeit darauf liebevoll seine Oma, bei der er aufwuchs. Dann hielt er sich mit „1-Euro“-Jobs über Wasser. Bis seiner Arbeitsvermittlerin auffiel, dass er ohne Berufsausbildung ist und ihn animierte, das nachzuholen. Da war Mike Köhler Ende 20.
Über die Berufsberatung der Agentur für Arbeit absolvierte er vorbereitendes Jahr und Praktika. Unter anderem bei Hubert Grimm, Geschäftsführer im gleichnamigen Landschaftsbaubetrieb Gera. Dort bewarb er sich schließlich auch als Lehrling.
„Mike war motiviert, hat sich beim Praktikum gut angestellt und zu meinen Mitarbeitern ein gutes Verhältnis aufgebaut. Die Chemie hat gestimmt. Schulnoten sind die eine Seite, praktische Veranlagung und Wille die andere. Letztere war für mich schließlich ausschlaggebend, ihm eine Chance zu geben. Und ich habe mich nicht in ihm getäuscht. Er macht seine Sache gut“, freut sich Chef Hubert Grimm über seinen 31-jährigen Lehrling.
Dessen größte Sorge war die Berufsschule. „Immerhin war ich schon knapp 15 Jahre raus. Zum Glück fällt mir die Theorie leichter, als gedacht“, resümiert der Azubi, der ursprünglich lieber arbeiten als lernen wollte.
Mittlerweile findet er sogar Spaß daran. An der Praxis im Grimm’schen Betrieb sowieso. „Ich fühle mich wohl hier, die Arbeit mit Grün ist abwechslungsreich, die Kollegen nett. Meinem Chef bin ich sehr dankbar, dass er mir dieses Vertrauen schenkt.“ Wenn alles weiter gut läuft, steht einer Festanstellung nichts im Weg, das bestätigt Hubert Grimm, der sogar noch zwei Azubis für das Ausbildungsjahr 2013/14 sucht.
Hubert Grimm plädiert im Kampf um die künftige Fachkräftesicherung für mehr Offenheit der Unternehmen, nicht nur auf Noten zu schauen, sondern auf den Menschen hinter dem Lebenslauf, um dessen Potential zu erkennen. „Das war auch für mich ein Umdenkprozess. Aber ich glaube, er kann sich lohnen.“
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige