Auszeit im Mittelalter. Jenaer Schüler interessieren sich für die Natur und altes Handwerk im Mittelalterdorf Altmeusebach

Wie kommt die Vertiefung in den Löffel? Toralf Seidemann lässt Robin kräftig pusten, damit sich die aufgelegte Glut schneller ins Lindenholz frisst.
 
Flauschiger Nachwuchs
Die Klasse teilt sich. Die eine Gruppe geht filzen, die andere Löffel schnitzen. Die Kinder sitzen im Kreisrund unter einem großen Baldachin. Noch ist der Löffel nur ein Holzklotz. Die Vertiefung ist bereits zu erkennen. Sie wurde mit Glut am Lagerfeuer heraus gebrannt. Mit dem Bleistift wird die Löffelform angezeichnet. Zuerst werden die Ecken um die Löffelspitze rund geschnitzt. Toralf Seidemann erklärt, wie das Schnitzmesser richtig angewendet wird. Er ist streng: „So lange ich erkläre, schaut ihr mir zu und lasst das Messer liegen“. Die Strenge ist in diesem Fall notwendig, schließlich soll sich keines der Kinder verletzen. Und wer genau aufpasst, stellt auch bald fest, dass Schnitzen weniger mit Kraft, sondern mit der richtigen Technik zu tun hat. Seidemann bezeichnet die Drittklässler der Jenaer Nordschule als relativ fit: „Ich hatte schon Kinder hier, die noch nie ein Schnitzmesser in der Hand hatten“.

Toralf Seidemann, Inhaber der Natur- und Wildnisschule „Waldmärchen“ aus Weißbach, organisiert Kinderferiencamps, Projekte und Wandertage unter anderem auf dem Gelände der Köhlerei Altmeusebach und führt sie gemeinsam mit seiner Frau durch. „Alles unter dem Kontext Natur, Wildnis, altes Handwerk“, erklärt der Erlebnispädagoge. Die Jenaer Klasse verbringt gleich drei Tage in dem Mittelalterdorf. Bei der Kräuterwanderung haben die Kinder gelernt, wie man Brennnesseln anfasst und essen kann. Verwundert waren sie auch, dass Gänseblümchen essbar sind. Natürlich kam das Sammelergebnis auch in den Kochtopf. Erstaunlich: Derartige Suppen finden in der Schulküche eher Missfallen. Gemeinsam am offenen Feuer zubereitet konnte es nicht genug Nachschlag geben. Apropos Feuer. Wie wird das überhaupt gemacht? Und muss nicht erst mal gemeinsam Holz gesammelt werden? Langeweile ist im Mittelalterdorf ein Fremdwort. Und wenn es dann noch allabendlich vor dem Lagerfeuer zum Bogenschießen geht, ist das Kinderglück perfekt.

Mit „Es war einmal“ ist das diesjährige Schulprojekt an der Jenaer Nordschule überschrieben. „Die Schüler der 3a hatten sich gewünscht, mehr über das Mittelalter zu erfahren“, erklärt Klassenlehrerein Elke Korn. In diesem Rahmen sollte es auch eine Klassenfahrt geben. „Die Kinder werden hier nicht nur bespaßt, sondern erleben alternatives Leben, Handwerk der alten Zeit und können zu sich selbst finden. Mich begeistert die Ruhe und der Respekt, mit dem die beiden Veranstalter den Kindern begegnen“, resümiert Elke Korn.

Das Mittelalterdorf auf dem Gelände der Köhlerei Altmeusebach wird vom Landsknechtsverein Verlorenes Fähnlein e.V. betrieben. „Die Idee zum Bau wurde 1992 geboren“, erklärt Waffenschmied Dieter Schulze. Seitdem verwandelt sich der alte Lagerplatz der Köhlerei Schritt für Schritt getreu den geschichtlichen Überlieferungen in ein mittelalterliches Wehrdorf. Das alte Meusebach wurde im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden niedergebrannt. Kurze Zeit später wurde Meusebach etwas weiter unten im Tal neu angesiedelt. Geköhlert wird in Meusebach übrigens schon seit dem 16. Jahrhundert. Auch heute wird hier noch Holzkohle – gern auch bei Schauvorführungen - hergestellt.

Mehr über den Landsknechtverein, das Mittelalterdorf und die Köhlerei erfahren Sie auf www.altmeusebach.de.
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 18.06.2013 | 17:32  
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Steffen Weiß aus Gera | 18.06.2013 | 17:35  
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D D aus Jena | 01.07.2013 | 12:06  
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