Bevor Sie sich das Leben nehmen, rufen Sie mich an! Telefonseelsorge Jena sucht neue Mitstreiter

Edgar Kitter ist Leiter der Telefonseelsorge Jena. Bei einem Anruf bleiben die Seelsorger und die Anrufer selbstverständlich anonym.
Ganz so dramatisch muss man sich die Arbeit der heutigen Telefonseelsorge nicht vorstellen. Die Aufforderung „Bevor Sie sich das Leben nehmen, rufen Sie mich an!“ gilt als der Ursprung der Telefonseelsorge. Der britische Pastor Chad Varah schaltete am 5. Oktober 1953 eine Anzeige mit dem Text : "Before you commit suicide - ring me up" und seiner Telefonnummer in einer Zeitung. Die Telefonseelsorge war geboren.

Klar sei man auch für diese Anrufer da, bestätigt Edgar Kitter, Leiter der Telefonseelsorge Jena. Aber Suizidgefährdete seien längst nicht mehr die Einzigen, die die bundeseinheitlichen und rund um die Uhr erreichbaren Nummern 08001110111 oder 08001110222 wählen. Die vorgetragenen Probleme sind vielschichtig. Es geht um Ängste, Beziehungsprobleme, Konflikte mit Kindern, Nachbarn, dem Partner. Probleme auf Arbeit. Einsamkeit. „Es geht um psychische Probleme. Ohne dass die Anrufer psychisch krank sind“, erklärt Kitter.

Telefonseelsorger hören zu, filtern das Anliegen des Anrufers heraus. Zeigen Verständnis für die Situation. Finden heraus, was der Anrufer selbst tun kann, um das besprochene Problem lösen zu können. Ganz wichtig ist hierbei das Wörtchen „gemeinsam“. Die Seelsorger bieten keine fertigen Rezepte für Problemlösungen. Jeder einzelne Fall wird gemeinsam mit dem Anrufer erarbeitet.

Dies erfordert natürlich, dass Seelsorger selbst psychisch stabil sein müssen. Darauf aufbauend, erhalten sie eine 150-stündige Ausbildung, vorwiegend abends aber auch samstags. Inhalte sind unter anderem die Arbeit an der eigenen Person. Edgar Kitter umschreibt es mit diesen Worten: „Man muss sich auch selbst spüren und wahrnehmen können, um die Gefühle anderer Menschen zu verstehen“. Gelehrt wird zudem die Gesprächsführung. Wie ist ein Gespräch strukturiert? Wie verstehe ich den anderen? Wie motiviere ich ihn, über seine Probleme zu reden? Wie finden wir gemeinsam neue Wege? Ergänzt wird die Ausbildung zu speziellen Themen wie Suizid und psychischen Erkrankungen. Die Ausbildung ist selbstverständlich kostenfrei. Aber im Gegenzug erwartet man eine ehrenamtliche Betätigung mindestens für drei Jahre. Während dieser Zeit werden den Ehrenamtlichen Supervisionen und Weiterbildungen geboten.

Zurzeit zählt die Telefonseelsorge Jena 50 aktive ehrenamtliche Mitarbeiter. Tagsüber sind Vier-Stunden-Dienste, abends zwei oder drei Stunden üblich, plus die komplette Nacht. Technisch wäre es zwar möglich, diese Arbeit von zuhause aus zu machen. „Das kommt für uns allerdings nicht infrage“, erklärt Kitter. Für die Arbeit als Telefonseelsorger steht in Jena ein Büro zur Verfügung. Gegründet wurde diese Einrichtung in Jena kurz nach der Wende. Etwa 12.000 Anrufe gab es im vergangenen Jahr. Da einige Anrufer es sich nach dem Anklingeln wieder anders überlegen, kam es zu etwa 9000 Gesprächen. Edgar Kitter kann nur dazu ermutigen, die Telefonseelsorge zu nutzen: „Für die Anrufer ist es entlastend, einfach über das Problem reden zu können. Und selbst dann, wenn die Anrufer zuvor dachten, mit dem Problem doch Niemand belasten zu wollen. Jeder ist bei uns herzlich willkommen“.

Das Willkommen gilt auch für die künftigen Telefonseelsorger. Die jetzigen ehrenamtlichen Mitarbeiter sind in sämtlichen Berufsschichten mit großer Altersspanne zu finden. Allerdings sollte man mindestens 23 Jahre alt sein. Für die Tätigkeit als Telefonseelsorger gibt es grundsätzlich keine Bezahlung. Ideeller Lohn ist, sich selbst weiterentwickelt und anderen Menschen bei der Bewältigung ihrer Probleme geholfen zu haben.


Telefonseelsorge

Bundeseinheitlich, kostenfrei (auch vom Handy aus) und rund um die Uhr erreichbar über 08001110111 oder 08001110222. Wer Interesse hat, selbst Telefonseelsorger zu werden, sollte sich an Edgar Kitter wenden, Telefon 03641/609962, E-Mail telefonseelsorge-jena@t-online.de.


PS: Neben der Telefonseelsorge in Jena gibt es zwei weitere in Thüringen: Erfurt und Gera. Auch für diese beiden werden weitere Mitstreiter gesucht. Interessenten können sich gern an Edgar Kitter wenden - er vermittelt sie dann weiter nach Erfurt bzw. Gera.
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10 Kommentare
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Petra Seidel aus Weimar | 15.04.2012 | 09:33  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 15.04.2012 | 10:22  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 15.04.2012 | 10:57  
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Hannelore Grünler aus Artern | 15.04.2012 | 21:11  
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Susanne Hahn aus Erfurt | 17.04.2012 | 22:18  
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Hannelore Grünler aus Artern | 18.04.2012 | 00:18  
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Petra Seidel aus Weimar | 18.04.2012 | 11:08  
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Steffen Weiß aus Gera | 12.06.2012 | 08:36  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 12.06.2012 | 09:26  
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Hannelore Grünler aus Artern | 12.06.2012 | 22:20  
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