Crystal verdrängt Cannabis. 4100 Einzelgespräche voriges Jahr in der Psychosozialen Beratungsstelle für Suchtkranke Gera

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Dipl.-Sozialpädagoge Michael Kroll im Gespräch mit einer Klientin.
Gera: Psychosoziale Beratungsstelle | Michael Kroll stellt sich vor. Der Dipl.-Sozialpädagoge erklärt, dass dies nur ein informatives Gespräch ist. Stockend beginnt Frau Müller* ihre Geschichte zu erzählen und erklärt, dass sie von ihrem Mann geschickt wurde. Täglich anderthalb Flaschen Wein trinke sie.

Wie es dazu gekommen ist, möchte Kroll wissen. Sie erklärt, dass die Schichtarbeit dran schuld sei. Sie könne so schlecht einschlafen. Und früher hat sie nur ein Glas getrunken. Mit der Zeit ist es aber immer mehr geworden. Kroll fragt ruhig und sachlich, was sich Frau Müller vom diesem Gespräch erhofft, ob es bereits Probleme auf Arbeit gibt und, und und. Frau Müller hat Vertrauen gefunden und erzählt die ganze Geschichte.

Das Problem der Alkoholsucht der Frau Müller wird auch Michael Kroll nicht lösen. Aber dafür kann er ihr in mehreren Sitzungen Lösungswege aufzeigen. Letztlich wird es an der Klientin selbst liegen, ob sie diese Hilfe annimmt.

Kein Einzelfall! Die Psychosoziale Beratungsstelle für Suchtkranke Gera blickt auf ein turbulentes Jahr zurück. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht hervor. 2011 feierte die Einrichtung ihr 30-jähriges Bestehen, die Stellen von vier Kolleginnen, die sich in den Mutterschaftsurlaub verabschiedet hatten, mussten befristet neu besetzt werden und eine Stelle konnte neu geschaffen werden. Außerdem wurden die Weichen für eine weitere Zusammenarbeit im Landkreis Greiz gestellt und die Verträge mit der Stadt Gera neu festgeschrieben.

Die Beratungsstelle unterstützt Menschen mit Suchtproblemen bei Alkohol, Drogen, Medikamenten, Nikotin, Glücksspiel, Essen oder Medien. Der Fokus liegt in erster Linie auf der Beratung und Behandlung bei Alkoholproblemen, gefolgt von illegalen Drogenkonsum.

Während die Zahl der alkoholkranken Menschen in den letzten zwei Jahren geringfügig abgenommen hat, hat die Zahl der Drogenkranken um 4,5 Prozent zugenommen. Klassische Drogen wie Cannabis oder Heroin wurden weniger verwendet. Dafür stieg der Verbrauch von Amphetaminen und ähnlichen Rauschmitteln erheblich an. Das Amphetamin/Metamphetamin Crystal löste erstmals Cannabis als Hauptdroge ab.

40 Prozent der Menschen mit Suchtkrankheiten sind ALG-II-Empfänger. 20 Prozent befinden sich in einem Anstellungsverhältnis. Die meisten Suchtprobleme haben Menschen zwischen 20 und 30 Jahren sowie zwischen 40 und 50 Jahren. Auch wenn die Zahlen im Jugendbereich (13-20 Jahre) im Vergleich zum vergangenen Jahr leicht abgenommen haben sind so noch sehr hoch und bedürfen einer besonderen Beachtung.

Die Leiterin der Suchtberatungsstelle Annett Wetterau sagte, hier sei die Gesellschaft gefragt, stärker als bisher auf Kinder und Jugendliche zu achten.
Im vergangenen Jahr wurden 4100 Einzelgespräche geführt und 40 Menschen zu Hause aufgesucht. Ingesamt kamen über 1200 Klientinnen und Klienten in die Beratungsstelle. 90 Suchtkranke wurden in die stationäre Entgiftung vermittelt, ca. 100 in eine stationäre Therapie. Wöchentlich werden elf Gruppengespräche angeboten und weitere vier nach Bedarf.

* Name frei erfunden.
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18 Kommentare
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Petra Seidel aus Weimar | 08.02.2012 | 11:48  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 08.02.2012 | 11:58  
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Jürgen Wesiger aus Nordhausen | 08.02.2012 | 12:19  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 08.02.2012 | 20:34  
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Renate Jung aus Erfurt | 08.02.2012 | 23:16  
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Jürgen Wesiger aus Nordhausen | 09.02.2012 | 10:50  
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Ulf Wirrbach aus Gotha | 10.02.2012 | 19:58  
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Renate Jung aus Erfurt | 13.02.2012 | 22:35  
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