Das vergessene Schloss. Was wird aus Tannenfeld?

Schloss und Park Tannenfeld stehen nach wie vor zum Verkauf. Laut Landratsamt Altenburger Land gibt es Interessenten. Wer die sind und was sie vorhaben, wolle man derzeit nicht bekannt geben.
 
Denkmalschützer Falk-Uwe Langer
Löbichau: Schloss Tannenfeld | „Das können Sie kaufen. 270.000 für Alles!“, verkündet Falk-Uwe Langer spontan. Allerdings bedarf es Investitionen in Höhe von mindesten 10 Millionen Euro. Und es gibt nach Auskunft des Denkmalpflegers einen weiteren Haken: Einen Zaun um das Gelände ziehen und das Tor abschließen geht nicht. Schloss Tannenfeld muss so hergerichtet werden, dass das gesamte Gelände auch künftig für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Bedenken müsse man als künftiger Nutzer ebenso, dass es immer die Geräuschkulisse von der Autobahn gibt. Traurige Gesichter sind nach dieser Auskunft in der Runde nicht zu finden. Die Leute, die Langer im Schlepptau hat, sind keine Kaufinteressenten.

Und so spielt dieses Thema nur eine untergeordnete Rolle. Die 40 wissbegierigen Damen und Herren aus Chemnitz sind Teilnehmer der VHS-Exkursion „Das Altenburger Land - eine bedrohte Kulturlandschaft?". Stationen der Tour sind die Dorfkirche Dobraschütz wegen ihrer malerischen Ausstattung im "Bauernbarock"; Schloss und Park Tannenfeld wegen ihrer bedeutsamen Regionalgeschichte und filmkünstlerischen Gegenwart, Burg Posterstein wegen ihrer herrschaftlichen Vergangenheit, Schloss Löbichau als ehemaliger "Musensitz" der Herzogin Anna Dorothea von Kurland, das Herrenhaus Oberzetzscha bei Altenburg wegen der dort initiierten Vereinsinitiative sowie der Vierseithof von Familie Dr. Klau in Lehma - als Beispiel für die sogenannte Volksarchitektur des Altenburger Landes.

Ausgestattet mit jeder Menge Geschichtswissen spricht der Denkmalschützer von Anna Dorothea von Kurland, dem Bau des Lustschlösschens Tannenfeld und vom Landschaftspark im englischen Stil. Letzterer hat es in sich mit seinen Mammut-, Blauglocken-, Ginkgo- und Tulpenbäumen, den 53 verschiedenen Rhododendronsorten, zahlreichen Azaleensträuchern und unendlichen vielen Frühjahrsblühern. Er erklärt die Nutzung des Anwesens seit 1899 durch den Nervenarzt Dr. Arthur Tecklenburg als Nervenheilanstalt. Ein Staunen geht durch die Runde, als Langer den bekanntesten Patienten nannte: Hans Fallada.

Zu DDR-Zeiten war Tannenfeld Fachkrankenhaus für Neurologie und Psychiatrie, zuletzt bis 2004 Seniorenheim. Bis auf kurzfristige Ausnahmen wegen der grundhaften Sanierung des Altenpflegeheims Löbichau und der damit verbundenen Unterbringung der Senioren in Tannenfeld ist das Objekt ungenutzt.

Langer weiß auch von einer außergewöhnlichen Nutzung der Schloss- und Parkanlage Tannenfeld zu berichten. Vor drei Jahren wurde hier der Kinofilm „Das Mädchen und der Tod“ mit Dieter Hallervorden in der Hauptrolle als 70-jähriger Graf gedreht. In der deutsch-niederländischen Produktion mutierte das Schloss zum Hotel in einer Mischung aus Sanatorium und Luxusbordell. Falk-Uwe Langer ist in Verbindung mit dem damaligen Regisseur Jos Stelling, ob der Film nicht mal in Tannenfeld aufgeführt werden könnte. Die Aussichten dafür seien allerdings nicht sonderlich gut. Falls es doch gelingen sollte, wird der Film wohl auch nicht auf Deutsch zu sehen sein.

Seit dem Filmdreh ist es in Tannenfeld - ausgenommen von derartigen Exkursionen und den Spaziergängern - ruhig geworden. Das Objekt steht nach wie vor zum Verkauf durch das Landratsamt Altenburg Land. Wie von Pressesprecherin Jana Fuchs zu erfahren war, beträgt der exakte Verkaufspreis 380.000 Euro. Und sie teilte mit, dass es mehrere Interessenten gibt. Wie viele das sind, wer sie sind und was sie vorhaben, darüber herrscht derzeit Stillschweigen.

Spaziergänger haben es bereits gemerkt: In das Gärtnerhaus eingangs des Parks ist seit Wochen Leben eingezogen. Irena Drechsel und Jens Osiewacz bewohnen das so gennannte Haus Braunegg. Sie wollen sich ehrenamtlich für den Erhalt von Tannenfeld einsetzen und es mit Leben füllen. Eine erste Idee wäre ein Sommerfest anlässlich 220 Jahre Tannenfeld. Kontakt: Irena Drechsel, Telefon 0175/1570858; Jens Osiewacz, Telefon 0172/3729668.
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3 Kommentare
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 12.03.2014 | 19:10  
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Renate Jung aus Erfurt | 13.03.2014 | 22:35  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 13.03.2014 | 22:39  
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