Die Welt der Justiz. In Gera wird erstmals zur Nacht des Rechts eingeladen

Wo das Auge auch hinschaut, rundum Justizgebäude. Aber was passiert dort hinter den verschlossenen Türen?
 
Antworten darauf gibt es zur ersten Nacht des Rechts, vorbereitet unter anderem von Annette Matuschak (von links), Jenny Geißler, Jürgen Klaus und Bodo Ott unter Leitung von Udo Pein.
Dass Gera seit vier Jahren ein riesiges aus mehreren Gebäuden bestehendes Justizzentrum hat, ist den Bewohnern nicht entgangen. Fragt man die Geraer, ob sie mit dem Justizzentrum bereits zu tun hatten, kommen eher Antworten wie „Gott sei Dank nicht!“. Und was passiert dort überhaupt? Klar, das wissen die Geraer: „Alles was mit Rechtsprechung zu tun hat“, „Strafsachen werden dort abgearbeitet“. Ansonsten eher Schulterzucken. Das erntet Udo Pein auch auf die Frage, mit welchen Anliegen sich die Bürger an das Justizzentrum wenden.

Vor einem Jahr hat er in Zusammenarbeit mit dem Offenen Kanal Gera einen Film über das Justizzentrum gedreht. Eingangs die Umfrage. Die Antworten haben ihm deutlich gemacht, dass der Großteil der Bevölkerung kaum Vorstellungen hat, was alles hinter den Türen des Justizzentrums passiert. Pein spricht von einer auseinander klaffenden Schere zwischen den Vorstellungen und der Realität bezüglich der Arbeit der Justiz. Verwundert ist er darüber nicht, schließlich tragen auch die Medien dazu bei. Diesbezüglich erinnert er an Nachmittagsserien im Fernsehen. „In den Gerichtsserien wird die Justiz auf Effekthascherei reduziert“, kommentiert er die unrealistischen Sendungen. Selbst Gerichtsberichten in der Zeitung steht er mit gemischten Gefühlen gegenüber, da hierbei eher Schlagzeilen, als umfangreiche Urteilsbegründungen im Vordergrund stehen.

Pein ist Bezirksrevisor am Landgerichts Gera und Gründungsmitglied des Fördervereins Rechtspflege Kunst & Kultur e.V.. Der hat sich zur Aufgabe gestellt, dem Bürger eine Brücke zu bauen. „Die Geschehnisse in und um die Justiz, aber auch Aufgaben und Zweck der Gerichte, der Anwaltskanzleien, der Notariate und verschiedener Behörden, werden von den Bürgern oft sehr unterschiedlich wahrgenommen und kommentiert“, erklärt er das Bedürfnis, Aufklärungsarbeit zu leisten. Dies macht der Förderverein seit seiner Gründung vor knapp drei Jahren in unterschiedlicher Form.

Die bislang größte Aktivität steht am Donnerstag, dem 2. Oktober, ab 16 Uhr, an. Der Förderverein lädt erstmals zur „Nacht des Rechts im Justizzentrum Gera“ ein. „Die Justiz öffnet sich. Jeder Interessierte kann hinter die Kulissen blicken. Wir möchten Vorurteile abbauen. Bis in den frühen Abend werden Berufe rund um die Justiz vorgestellt und es gibt rechtliche Tipps für Jedermann. Um 16.30 und 18 Uhr können Interessenten an der Verhandlung eines arbeits- und eines strafrechtlichen Verfahren teilnehmen und anschließend Fragen stellen. Auch der eingangs beschriebene Film, der sich „Justiz – ein Buch mit sieben Siegeln“ nennt, wird um 21 Uhr zu sehen sein. In verschiedenen nachgestellten Szenen zeigt der Kurzfilm deutlich, dass das Justizzentrum nicht nur unliebsamer Ort für die Verurteilung vorgeladener Straftäter, sondern Dienstleister für die Bevölkerung ist.

Gespannt sein können die Gäste der ersten Nacht des Rechts auch auf den von innen zu erlebenden Gefangenentransportbus, auf die Haftzellen und am eigenen Körper erlebbare Rechtsgeschichte am Pranger. Kultur und Unterhaltung kommen mit den Geschichten des Geraer Nachtwächters, den Auftritten der Trommlergruppe „Bateristas del Sol“ und Michael Kux mit seiner Band „Farbfilm“, Schattenspielen, einer zweiten Filmvorführung „Ich nehm mir die Freiheit“. Und wie es sich für ein Justizzentrum gehört gibt es nicht nur einfaches Gebäck, sondern Paragraphen-Gebäck.

Programm Nacht des Rechts im Justizzentrum Gera am 2. Oktober 2014:

16.00 Uhr: Eröffnung durch die Trommelgruppe „Bateristas del Sol“
16.30 – 20.00 Uhr: Berufe rund um die Justiz (Wie werde ich Richter, Rechtspfleger, Rechtsanwalt, Notar, Polizist, Justizvollzugsbeamter, Bewährungshelfer oder Gerichtsvollzieher); rechtliche Tipps für Jedermann (aus dem Arbeits- und Internetrecht)
16.30 Uhr: Nachgestellte Verhandlung eines arbeitsrechtlichen Verfahrens mit einem „Blick hinter die Kulissen“ (Fragen und Diskussion)
18.00 Uhr: Nachgestellte Verhandlung eines strafrechtlichen Verfahrens mit einem „Blick hinter die Kulissen“ (Fragen und Diskussion)
Ab 18.30 Uhr: Michael Kux singt mit seiner Band „Farbfilm“ Udo Jürgens u.a.
Ab 19.00 Uhr: Ein Geraer Nachtwächter erzählt wahre Geschichten
20.00 Uhr: Filmvorführung „Ich nehm mir die Freiheit“
20.00 Uhr: Schattenspiele auf der Multimedialeinwand
21.00 Uhr: Filmvorführung „Justiz – ein Buch mit sieben Siegeln“

Zudem können Gäste:

Einen Gefangenentransportbus von innen erleben
Durch die Haftzellen geführt werden
Etwas über die historische Bibliothek des Thüringer Oberlandesgerichts erfahren (Prof. Lingelbach „Der Sachsenspiegel“)
Sich über die Jugendstation informieren, die „Gerichsstruktur“ kennenlernen
Selbstgefertigte Holz- und Tonartikel sowie Schmuck kaufen
Sich an einem echten Pranger fotografieren lassen
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3 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 01.10.2014 | 14:02  
13.095
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 01.10.2014 | 19:37  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 03.10.2014 | 05:57  
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